Lokales

Frische Impulse für Oberlenningens Mitte

Gemeinde lobt Wettbewerb zur städtebaulichen Entwicklung aus – Knackpunkt ist das Rathaus

Oberlenningen soll schöner werden. Mit Unterstützung aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) des Landes Baden-Württemberg will die Gemeinde in dem Ortsteil in den nächsten vier Jahren einiges bewegen. Ideen dazu soll ein Wettbewerb unter fünf Planungsbüros bringen, für den der Gemeinderat jetzt den Auslobungstext beriet. Knackpunkt: die Zukunft des Rathauses.

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NICOLE MOHN

Lenningen. Die Stoßrichtung des Wettbewerbs hat zwei wichtige Schwerpunkte: Zum einen soll die Lauter stärker in das Ortsbild eingebunden und aufgewertet werden. „Bislang ist der Fluss außer an den Brücken kaum wahrnehmbar“, erläutert Manfred Mezger vom Büro „mquadrat“, das die Gemeinde im Verfahren des ELR berät und betreut. Vor allem im Bereich von Schillerplatz und Marktplatz fehlt die Einbindung des Gewässers komplett. Ziel der Planung soll unter anderem eine bessere Zugänglichkeit zur Lauter in diesem Bereich sein. Aber auch die Ökologie soll verbessert werden.

Impulse erhofft sich die Gemeinde Lenningen auch für eine Umgestaltung der Ortsdurchfahrt. Die stark befahrene B 465 zerschneidet den Oberlenninger Ortskern. Schmale Randbereiche und Fußgängerwege mindern zusätzlich zu Lärm- und Abgasbelastung die Aufenthaltsqualitäten. Damit der Wettbewerb in diesem Punkt realisierbare Ergebnisse hervorbringt, verpflichtet Lenningen die teilnehmenden Büros zur Mitarbeit eines Verkehrsplaners. Im Gegenzug wurde das Preisgeld um 1 000 Euro angehoben: Jeder Teilnehmer erhält nun eine Pauschale von 5 000 Euro. Die Verkehrssicherheit spielt auch beim Thema Schulweg eine wichtige Rolle. Hier erhofft man sich ebenfalls Anregungen für eine Verbesserung für die Kinder aus dem Südosten Oberlenningens.

Den Blick des Planers lenkt die Gemeinde zudem auf einige städtebauliche Missstände: So werde der Schillerplatz derzeit gar nicht als Platz wahrgenommen. Er soll künftig seiner Funktion als Tor zum Oberlenninger Ortskern besser gerecht werden. Auch am Julius-von-Jan-Platz und für die Brücke am Markt sieht die Gemeinde Handlungsbedarf. Im südwestlichen Bereich wünscht man sich einen Dorfpark mit Aufenthaltsmöglichkeiten und Zugang zur Lauter. Auch ein Café im Bereich des Marktplatzes ist für Mezger vorstellbar.

Hingegen sind die Pläne für einen großen Lebensmittelmarkt vom Tisch: Eine dauerhafte Leistungsfähigkeit sei nicht zu gewährleisten, begründete Bürgermeister Michael Schlecht, warum man diesen Punkt im Rahmen des Wettbewerbes nicht weiterverfolgen will. Die Gemeinde müsse nach anderen Wegen suchen, das bestehende Angebot zu stärken. Die Tür für Discounter wie Lidl und Co bleibt zu – jedenfalls von Gemeindeseite. „Aber es sind ja auch noch Private unterwegs“, gab Schlecht zu bedenken, dass die Gemeinde hier nicht auf allen Entscheidungen den Daumen drauf hat.

Zeigte sich der Gemeinderat mit den ausgearbeiteten Punkten für die Mehrfachbeauftragung zufrieden, gab es indes beim Thema Rathaus erheblichen Diskussionsbedarf. Die Pläne zur Konzentration der Verwaltung am Standort Oberlenningen einerseits und die baulichen als auch funktionalen Mängel des Rathauses am Oberlenninger Markt andererseits machen hier ein Handeln in naher Zukunft nötig. Dabei schlug die Verwaltung vor, am Standort an sich festzuhalten. „Ziel ist es, das alte Rathaus mit seinen Arkaden zu erhalten“, so Schlecht. Zwingend aber wolle er dies nicht in die Ausschreibung setzen: „Das lässt Spielraum für neue Ideen“, argumentierte er.

Den Gemeinderäten Kurt Hiller und Karl Bossler ging dies indes nicht weit genug. Sie stellten in der Sitzung am Dienstagabend den Standort am Marktplatz in Frage. Den Planungsbüros solle es freigestellt sein, ob sie das Rathaus hier oder eventuell an einem anderen Standort, beispielsweise auf den gemeindeeigenen Grundstücken im Bereich Schwelchergasse, ansiedeln. „Wir wollen ein Brainstorming, jeder Gedanke ist wertvoll“, so Hillers Standpunkt.

Das Rathaus sei ein Identifikationsort: „Deshalb haben wir keinen alternativen Standort ermöglicht“, begründete Mezger das Festhalten am Standort Marktplatz. Bürgermeister Schlecht sah in der Alternative Schwelchergasse auch einige Schwierigkeiten. So müsse sich die Planung auf die gemeindeeigenen Grundstücke beschränken: „Planen wir darüber hinaus, passiert lange nichts“, ist er sicher, dass sich ein zusätzlicher Grunderwerb nicht einfach gestalten dürfte. Er warnte auch vor den Auswirkungen, die eine Ansiedlung des Verwaltungssitzes auf die Pläne zu einer Wohnbebauung in dem Quartier habe. Außerdem bleibe die Frage nach einer Nachnutzung für das alte Rathaus. Auch Gemeinderat Wolfgang Tröscher sah dies kritisch: „Nachher sitzen wir auf Flächen, die wir nicht loswerden“, warnte er. Bei sechs Ja-Stimmen und 13 Gegenstimmen scheiterten Hiller und Bossler schließlich mit ihrem Vorstoß. Bei fünf Gegenstimmen wurde der Auslobungstext wie vorgeschlagen beschlossen.

Anfang November gehen die Unterlagen nun an die ausgewählten Büros. Im Rahmen eines Zwischenkolloquiums soll es im Dezember eine Ortsbegehung geben – auch, um eventuelle Fragen zu klären oder Aufgaben zu präzisieren. Bis Februar 2010 haben die Büros anschließend Zeit, ihre Ideen für den Oberlenninger Ortskern zu entwickeln. Im März sollen die Ergebnisse nach einer intensiven Vorprüfung zunächst nicht-öffentlich im Gemeinderat und wenig später auch bei einer Informationsveranstaltung den Bürgern vorgestellt werden. Im April schließlich wird der Gemeinderat die Entscheidung über den Siegesentwurf fällen.