Lokales

Frischer Wind weht durch die Budenstadt

Neu konzipierter Kirchheimer Weihnachtsmarkt mit gutem Start – Seit diesem Jahr gelten strengere Brandschutzrichtlinien

Nach einer Gasexplosion, Kritik an Standort, Angebot und Atmosphäre im vergangenen Jahr, geht der Kirchheimer Weihnachtsmarkt nun neue Wege. Ein Konzept rund ums Thema Sagen, die Rückkehr zum alten Standort und strengere Sicherheitsvorkehrungen sollen für neue Attraktivität sorgen.

Mit Schirm, aber auch Charme: Der Kirchheimer Weihnachtsmarkt ist wieder auf den Martinskirchplatz gezogen. Die Besucher können
Mit Schirm, aber auch Charme: Der Kirchheimer Weihnachtsmarkt ist wieder auf den Martinskirchplatz gezogen. Die Besucher können dieses Jahr nicht nur schlemmen und kaufen, sondern auch Sagen lesen, literarische Angebote oder Andachten wahrnehmen.Foto: Jörg Bächle

Kirchheim. „Es war einmal vor langer Zeit in einer eiskalten Winternacht. Der Wind heulte in den engen Gassen Kirchheims und pfiff um jedes Haus.“ So beginnt die Geschichte um den blinden Geiger vom Kirchheimer Kloster. Sie ist eine der zahlreichen Sagen, die die Besucher des Kirchheimer Weihnachtsmarkts seit diesem Jahr an allen Ecken der Budenstadt auf hölzernen Stelen präsentiert bekommen.

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Auch wenn in den vergangenen beiden Tagen ein ähnlich kalter Wind durch die Kirchheimer Gassen fegte wie in der Sage, fanden zum Auftakt des neu konzipierten Weihnachtsmarkts zahlreiche Neugierige ihren Weg auf den Martinskirchplatz und in die Max-Eyth-Straße. Dorthin ist die Budenstadt nach vielen Jahren zurückgekehrt. „Der Eröffnungabend war wirklich toll, und auch der Freitag ist gut angelaufen“, meldet Mitorganisator Reinhard Segatz. Neuerdings steht dem Gastronomen übrigens die Stadt Kirchheim als Veranstalterin zur Seite. So gehen etwa das neue Motto „Sagenhaftes Kirchheim“, die Holzstelen, die Beleuchtung, die Eingänge und die rund 200 Tannenbäume, die der Budenstadt eine mystische Atmosphäre verleihen sollen, auf das Konto der Stadt. Die Evangelische Kirchengemeinde stellt zudem den Kirchplatz zur Verfügung, bietet Andachten an und öffnet jeden Abend den Martinskirchturm.

Vom neuen Konzept und dem Motto ist Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker überzeugt. Damit meint sie nicht nur den neuen, alten Standort, den sie als stimmungsvoller, gemütlicher und trotzdem als großzügig empfindet. „Uns ist es auch wichtig, Weihnachten in seinem eigentlichen Sinne zu begehen, und dabei auch die Kirche im Boot zu haben“, betont die Stadtchefin. Mit dem Thema Sagen wolle die Stadt dem Kirchheimer Weihnachtsmarkt zudem ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen. Angesprochen werden in erster Linie Familien mit Kindern. „Wir wollen auf die Vielfalt der Mythen und Sagen in der Region hinweisen. Man kann viel aus ihnen lernen und findet einen Bezug zur Heimat.“ Schon sie selbst habe die Geschichten gehört und sie ihren Kindern vorgelesen. Wünschenswert sei es, dass der Sagenspaziergang auch andere Eltern dazu anrege, ihren Kindern die Erzählungen von der Sibylle von der Teck, dem Riesen Heime, der versunkenen Stadt oder dem blinden Geiger vorzulesen.

Lesungen gibt es während des gesamten Weihnachtsmarkts übrigens auch im Max-Exth-Haus. Dort präsentieren Mitglieder des Literaturbeirats jeden Abend Märchen- und Sagenhaftes.

Neu sind aber auch die Brandschutzrichtlinien. Nachdem im vergangenen Jahr eine Gasflasche explodiert und ein Crêpes-Stand in Flammen aufgegangen war, gibt es nun strengere Vorschriften in der Teckstadt. „Bei uns gelten jetzt die gleichen Richtlinien wie etwa auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt“, informiert Reinhard Segatz. So ist es verboten, Gasflaschen in den Buden zu lagern, und so gut wie jeder Stand muss einen Feuerlöscher haben. „Es gab vor der Eröffnung des Markts außerdem eine Begehung mit der Feuerwehr“, so Segatz.

Der Vorfall im vergangenen Jahr hat dem Weihnachtsmarkt zudem einen neuen Crêpes-Stand beschert, der allein schon durch sein Äußeres besticht. Ganz aus Holz, von seinen Betreiberinnen selbst gebaut, bietet er ein leuchtendes Beispiel dafür, wie liebevoll ein Stand gestaltet werden kann. Auch eine Hand voll der anderen rund 50 Stände fallen optisch positiv aus der Reihe, wie etwa die Historische Mandelbrennerei im Schäferkarren.

Reinhard Segatz zufolge gibt es dieses Jahr neun neue Stände, die das Angebot bunter und hochwertiger machen sollen. Sie bieten beispielsweise Kirschkernkissen, handgefertigten Schmuck, gebrauchte Spielzeuge, Schokolade in Form von Hammer, Zange oder Schieblehre, aber auch Suppen, Rosmarinkartoffeln, Trockenobst und feine Backwaren an.