Lokales

Fröhliche Ostern

"Frohe Ostern!" Oder noch besser "Fröhliche Ostern!" Im Lukasevangelium (6,21) wird den Nachfolgern Jesu verheißen: "Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen." Das ist wie ein Hoffnungsfunke und eine Verheißung am Karfreitag, die sich an Ostern erfüllt. Die Freude der ersten Christinnen und Christen darüber, dass der Tod Jesu nicht das Ende seines Wirkens ist, sondern der Übergang zu einem neuen Leben, gab dem Christentum die Sprengkraft, sich trotz widrigster Umstände zu verbreiten. Osterfreude ist Lebensfreude, die ihren ganzheitlichen Ausdruck im Lachen findet. Die Auferstehung Christi ist "Ausdruck von Gottes Gelächter über den Tod" (Karl-Josef Kuschel).

Vor diesem Hintergrund ist das "Osterlachen" zu verstehen, das seit dem 14. Jahrhundert zu einem Brauch in der Kirche wurde, um der Osterfreude nach der Fastenzeit ein wenig auf die Sprünge zu helfen: Der Prediger im Ostergottesdienst versuchte mit manchem frommen oder weniger frommen Witz, das Kirchenvolk zum Lachen zu bringen, denn: wer lacht, spürt Lebenslust und ist empfänglicher für die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod. Gewiss, nicht jeder erachtet Humor in der Kirche und besonders im Gottesdienst als angebracht, besonders wenn es nicht nur um ein freundliches Lächeln, sondern um ein herzhaftes Lachen geht. Es stört die Ernsthaftigkeit, wird argumentiert.

Anzeige

Aber da ist ja immer noch die Seligpreisung aus dem Lukasevangelium: "Ihr werdet lachen". Um welches Lachen geht es? Um welchen Humor? Es geht sicher nicht um eine Art Fun, Klamauk und Tollerei, mit der sich Menschen angesichts einer bedrückenden und hoffnungslosen Welt in die Zerstreuung und in Illusionen flüchten; sondern es geht um eine innere Heiterkeit, die der Welt mit ihrer Gebrochenheit und ihren Fehlschlägen nahe ist, ohne sich von ihr völlig bestim-men und niederdrücken zu lassen.

Diese Art von Humor ist eine Grundhaltung, die uns ermöglicht, der Welt und dem eigenen Leben ins Gesicht zu schauen und gleichzeitig eine Gelassenheit und gewisse Distanz zu bewahren. Der Grund für eine solche inneren Gelassenheit ist das christliche Gottvertrau-en, das sich selbst nicht als Maß aller Dinge versteht, sondern die eigene Sichtweise und das eigene Tun immer wieder relativieren kann mit Blick auf die uns übersteigende Gegenwart Gottes, die uns immer wieder überraschend nahe kommt.

Beispiel solcher fröhlichen Gelassenheit ist ein Gebet des englischen Staatsmanns und Schriftstellers Thomas More aus dem 16. Jahrhundert: "Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Schenke mir eine heilige Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lass nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich ,Ich' nennt. Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile."

Ich wünsche allen ein fröhliches Osterfest, an dem sich die Verheißung der Seligpreisung aus dem Lukasevangelium erfüllen kann.

Hartmut Ellinger

Pfarrer an der Martinskirche Kirchheim und Dekan im Kirchenbezirk Kirchheim