Lokales

Fröhliche Siegesstimmung oder Ruhestörung?

Die Fußball-WM ist ein Fest der Emotionen. Dabei geht es nicht nur um die Anhänger unterschiedlicher Nationalteams, die in einem Spiel aufeinandertreffen können. Es geht auch um die unterschiedliche Wahrnehmung von Siegesfeiern: Für die einen gehören Autokorsos und feucht-fröhliche Stimmung dazu. Für die anderen handelt es sich dabei um Lärmbelästigung und Ruhestörung.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Die Gewohnheit, nach dem Sieg eines Nationalteams hupend und fahnenschwenkend um

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O:902F603.EP_ den Kirchheimer Alleenring zu fahren, hat sich während der vergangenen Fußball-Großveranstaltungen immer mehr verselbstständigt. Inzwischen ist selbst bei Vorrundenspielen mit solchen "Jubelfeiern" zu rechnen. Gegen "spontane Feiern" ist nach Aussage des Kirchheimer Revierleiters Thomas Pitzinger zunächst nichts einzuwenden. Einen "täglichen Autokorso" möchte er damit aber nicht heraufbeschwören.

"Wenn es gefährlich wird für handelnde Personen oder für dritte, müssen wir gewisse Dinge unterbinden", sagt Kirchheims ranghöchster Polizist im Vorfeld der Weltmeisterschaft. Damit meint er beispielsweise, dass sich Beifahrer gefährlich weit aus dem Fenster lehnen können oder dass sie mit Flaschen werfen. Was die Lärmbelästigung durch Hupen betrifft, gehe es um eine vernünftige Abwägung zwischen verschiedenen Rechtsgütern.

Je nach Tages- oder Nachtzeit kann das Ergebnis dieser Abwägung unterschiedlich ausfallen. Viele K.-o.-Rundenspiele, unter anderem die Halbfinals, werden erst um 21 Uhr angepfiffen, sodass der Sieger bei Verlängerung und Elfmeterschießen erst kurz vor Mitternacht feststehen könnte. In diesem Fall müsste die Polizei einen Autokorso bereits nach kürzerer Zeit und weniger Runden beenden als sonst vielleicht üblich "wenn man davon ausgeht, dass jeder genug gefeiert hat".

"Wir sind gerüstet, auch personell", kündigt Polizeioberrat Thomas Pitzinger an. Offiziell sei zwar keine Urlaubssperre verhängt worden, "aber wir haben alle Mann, und alle Frauen, an Bord". Bei kleineren Dingen werde sich die Polizei zurückhalten, größere Störungen dagegen beseitigen. Die Sperrzeiten sind während der WM zwar aufgehoben, für die Außenbewirtung gilt in Kirchheim aber lediglich eine befristete Verlängerung: Ab 1 Uhr ist Schluss im Außenbereich. Danach müsse die Polizei auf Beschwerden hin eingreifen, wie bei "normalen" Sperrzeitregelungen auch.

Außerdem achtet die Polizei im gesamten Zuständigkeitsbereich des Kirchheimer Reviers verstärkt auf Veranstaltungen mit Großbildleinwänden, ob privat, kommerziell oder von Vereinen organisiert. Die Polizeidirektion Esslingen schreibt dazu in einer Pressemitteilung: "Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass gewaltbereite Personen, denen der Eintritt in die Stadien verwehrt wird, solche Veranstaltungen besuchen, werden Zivilbeamte vor Ort sein, um Ausschreitungen schon im Ansatz zu verhindern."

Wer zu viel Alkohol getrunken hat, sollte sich auch während der Fußball-WM nicht ans Steuer setzen. Zwar werde in Kirchheim "nur" im normalen Rahmen kontrolliert, berichtet Pitzinger, "aber in der Regel überprüfen wir jeden auffälligen Autofahrer". Weil insgesamt mehr Streifen und bedingt durch Siegesfeiern vielleicht auch mehr Alkoholsünder unterwegs sind, ist damit zu rechnen, dass in dieser Zeit mehr Betrunkene aus dem Verkehr gezogen werden als gewöhnlich.

Dass Polizisten durchaus auch ganz "normale" Fußballfans sein können, belegt Thomas Pitzingers abschließende Aussage zum Thema WM im eigenen Land: "Ich hoffe, dass Deutschland ins Endspiel kommt und gewinnt."