Lokales

"Frontalangriff"

Über Jahrzehnte waren im Kfz-Gewerbe durch den Flächentarifvertrag faire Bezahlung und ordentliche Arbeitsbedingungen gewährleistet. Das soll nun nicht mehr gelten: Der Landesverband des Kfz-Gewerbes hat seine Tarifzuständigkeit aufgegeben und alle Tarifverträge gekündigt. Die IG Metall sieht darin einen Frontalangriff auf Arbeitnehmerrechte.

ESSLINGEN Damit steht laut Gewerkschaft eine Vielzahl von Regelungen zur Disposition: Jährliche Einkommenserhöhungen, Arbeitszeit, Urlaub, Urlaubsgeld, Weih-nachtsgeld, Alterssicherung kurz gesagt alles, was über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgeht. Erklärtes Ziel der Arbeitgeber sei es, so die IG Metall, die heutigen tariflichen Ansprüche zu verschlechtern. Dagegen setzt sich die IG Metall zur Wehr.

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"Gute Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen sind Grundlagen für eine gute Qualität der Arbeit, für die das Kfz-Handwerk steht. Das muss auch weiterhin so bleiben," sagt Jürgen Groß-Bounin von der IG Metall Esslingen. "Ohne Tarifverträge können Arbeitgeber Leistungen für die Beschäftigten bis auf das gesetzliche Niveau kürzen. Die Arbeitgeber würden sich gegenseitig mit Verschlechterungen der Arbeits- und Entlohnungsbedingungen überbieten und eine Spirale nach unten in Gang setzen. Damit dies nicht passiert, braucht es auch in Zukunft Flächen-tarifverträge", so Groß-Bounin.

Auch nach der erfolgten Kündigung der Tarifverträge bleiben die jetzigen Regelungen für die Mitglieder der IG Metall persönlich in der Nachwirkung. Die Beschäftigten im Kfz-Handwerk können sich die heutigen tariflichen Leistungen dauerhaft sichern, indem sie Mitglied der IG Metall werden. Neue Tarifverträge wird es aber nur dort geben, wo entweder ein Haustarifvertrag zustande kommt, oder das Unternehmen einer möglichen Tarifgemeinschaft beitritt.

Die IG Metall hat die Beschäftigten größerer Kfz-Betriebe mit Flugblättern über die Situation und die Konsequenzen informiert sowie Autohäuser und Kfz-Werkstätten im Landkreis aufgefordert zu erklären, wie sie künftig zu Tarifverträgen stehen. Man darf gespannt sein, ob die Firmen auch in Zukunft tarifliche Leistungen gewähren.

pm