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"Frontalangriff auf die tarifpolitischen Errungenschaften"

IG-Metall-Chef Jürgen Peters forderte gestern die Arbeitgeber auf dem Esslinger Rathausplatz dazu auf, schnellstens ein Lohnangebot vorzulegen. Die IG Metall sei nicht mehr bereit, sich länger hinhalten zu lassen, sagte Peters vor etwa 1500 Demonstranten aus dem ganzen Landkreis. Unterstützt wurden die Metaller, die gestern vorübergehend die Arbeit niedergelegt hatten, von ihren Kollegen von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

ANDREAS KAIER

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ESSLINGEN Im Großraum Esslingen stand gestern in vielen Betrieben die Produktion still. Gestreikt wurde beispielsweise bei Hirschmann, Festo, Daimler, Nagel oder Traub. Insgesamt beteiligten sich rund 13 000 Beschäftigte an den Warnstreiks. Zudem hatte Verdi ihre Mitglieder bei der Stadtverwaltung, im Landratsamt und den Kreiskliniken Esslingen zum Streik aufgerufen.

Mit der Kundgebung auf dem Esslinger Rathausplatz verliehen die Metaller einen Tag vor der vierten Entgeltrunde im Tarifkonflikt unter anderem ihrer Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn Nachdruck. Jürgen Peters kündigte zugleich harten Widerstand gegen die Streichung der so genannten Steinkühlerpause in Baden-Württemberg an. Er warne die Arbeitgeber davor, den Streit um die Erholzeiten für Fließband- und Akkordarbeit lediglich als regionales Problem anzusehen. In allen anderen Bezirken gebe es ähnliche Regelungen. Die Arbeitgeber müssten daher mit dem Widerstand der gesamten IG Metall bei der Auseinandersetzung rechnen. Es gehe dabei aber nicht nur um fünf Minuten Erholzeit in der Stunde, sondern um die Humanisierung der Arbeitswelt, sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters.

Den Arbeitgebern warf er vor, mit der Kündigung des Lohnrahmen-Tarifvertrags II einen "Frontalangriff auf die tarifpolitischen Errungenschaften und die Humanisierungserfolge der Vergangenheit" zu starten. Es habe sich ein Denken breit gemacht, das alle sozialen Errungenschaften in Frage stelle, kritisierte Peters. "Alles was heute noch zählt sind die Renditen der Aktionäre", sagte der IG-Metall-Chef und kritisierte die "neue Kaltschnäuzigkeit" der Arbeitgeber.

Mehr Geld gefordertPeters kritisierte ferner die einseitige Ausrichtung der deutschen Wirtschaft auf den Export. Der Aufschwung brauche einen zweiten Motor, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Es habe sich gezeigt, dass sinkende Reallöhne nicht zu mehr Beschäftigung geführt hätten. "Mehr Geld für die Menschen ist das Gebot der Stunde", sagte der Gewerkschaftsführer unter dem Beifall der nach Polizeiangaben 1500 Demonstranten. Laut Peters bedeutet die von der IG Metall geforderte Lohnerhöhung von fünf Prozent eine Kostenbelastung der Unternehmen von 0,88 Prozent.

"Noch nie haben die Arbeitgeber gemessen am Umsatz so wenig für Löhne ausgegeben", versicherte er und erteilte längeren Arbeitszeiten eine klare Absage. Die IG Metall wolle einen Tarifvertrag für mehr Innovation und Qualifikation. "Wir wollen nicht länger, sondern qualifizierter und besser arbeiten", so der Gewerkschafter.

Die IG Metall werde einer arbeitszeitpolitischen Abwärtsspirale nicht die Hand reichen. Die Arbeitgeber forderte Peters dazu auf, schnell ein Angebot zu machen, das Grundlage für weitere Verhandlungen sein könne. "Wenn wir bis Ostern kein Land sehen, werden wir die Segel setzen", warnte er.