Lokales

Frosch-Toilette als Krone der Plochinger Bedürfnisse

HANS-JOACHIM HIRRLINGER

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PLOCHINGEN Plochingen und seine Bedürfnisanstalten. . . Das Provinz-Theater um die Freiheit der Kunst und ihre bürgerlichen Grenzen ist zu Ende. Beim Gemeinderat und Bürgermeister Eugen Beck war die Erleichterung mit Händen greifbar, dass Tomi Ungerer nun einen bunten, fröhlichen Entwurf vorgelegt hat, mit dem Plochingen "sehr gut leben kann". Bis zum Marquardtfest am 13. Juli soll die öffentliche Toilettenanlage gebaut sein, quasi als Krönung dringender Plochinger Bedürfnisse. Zufrieden und fast glücklich wirkten die Stadträte aller Fraktionen, als Beck das Tuch vom Modell zog. Manche mögen es noch nicht gesehen haben, die meisten waren jedoch vorbereitet.

Bunte Bilder, harmlos und unverdächtig, gekrönt von einer Reihe von Klo-Deckeln, das ist Tomi Ungerers Antwort auf den Verdacht, sein ursprüngliches Po-Klo könne mit seinem architektonischen Hinweis auf Moschee-Kuppeln religiöse Gefühle verletzen. Vom Tisch, vergessen, vorbei, wenn es nach dem Gemeinderat geht. Stadtrat Siegfried Drieß (CDU) zeigte sich dankbar, dass Tomi Ungerer etwas Neues, "witzig und nett", aus der anderen Kiste seiner Fähigkeiten geholt habe. "Vielleicht wollte er mit dem Drachen doch etwas provozieren", erinnerte Drieß an die Anfeindungen des ersten Entwurfs, "aber das ist uns heute egal." Für Wolf-Dieter Endriss aus der Fraktion der Freien Wähler ist der neue Entwurf "noch interessanter als der erste. Man muss schon sagen: Das hat er gut gelöst".

Gerhard Remppis (SPD) brachte den Streit um das Kunst-Klo auf den Punkt: Leider sei der geniale Provokateur Tomi Ungerer mit seinem ersten Entwurf "in den Sog von Glaubenskriegen geraten. Es ist klar, dass seine Kunst polarisiert, aber damit muss man leben." Das neue Kunst-Stück zeige Ungerer als Versöhner und Vermittler. "Dass er das getan hat, spricht für ihn". Remppis bewertet das Modell als geistreich, hintergründig und kraftvoll in den Farben. Er hält das neue Kunst-Klo für einen "städtebaulichen Akzent, der ein Anziehungspunkt in Plochingen werden wird." Für Brigitte Friederich (OGL) ist es pfiffig, lustig und äußerst gelungen. "Mit diesem Entwurf beleidigt man wirklich niemand".

Auch Bürgermeister Beck betonte erneut: "Wir wollten keine religiösen Gefühle verletzen". Ungerer habe seinen Entwurf spaßhaft gemeint, aber für alle unerwartet sei das Bauwerk mit einer Moschee in Verbindung gebracht worden. Nun sei ein farbenfrohes Werk entstanden, das das breite künstlerische Spektrum Ungerers zeige. Er sei feinfühlig und mit Respekt mit dem Thema umgegangen. Beck erinnerte mit Friedrich Schiller: "Ernst ist das Leben, heiter die Kunst".

Beck begründete auch den künstlerischen Anspruch für das Häuschen im Plochinger Einkaufsparadies: "Wir wollten die Anlage nicht verstecken. Deshalb muss man sie besonders gestalten". Ungerer, der Kreative aus dem Elsass, provozierte Proteste mit seinem Po-Klo an der Schorndorfer Straße. Bürgermeister und Gemeinderat zogen den Entwurf mit dem Künstler zurück. Religiöse Gefühle, das schreckte den Meister und sein kunstbeflissenes Gegenüber, wolle niemand verletzen. Fast wäre der befangene Meister im Fundus seiner Kreativität nicht mehr fündig geworden. Doch jetzt, hoffen die Akteure der Plochinger Kunstszene, ist es ausgestanden. Ende gut, alles gut.