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Früher wie Feuer und Wasser heute Partner

LENNINGEN "Früher hat man ein Jugendhaus hingestellt und die Jugendlichen strömten hinein", erinnert sich Kurt Spätling, Geschäftsführer des Kreisjugendrings Esslingen, an vergangene Zeiten. Heute sei

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BIANCA LÜTZ

das längst nicht mehr so: "Die Jugendlichen wollen bedient werden", beschreibt er den aktuellen Zeitgeist.

In den vergangenen Jahren ist die Bedeutung der Jugendarbeit im Allgemeinen gesunken, wie Spätling eingesteht: "Das liegt vor allem an dem riesigen Freizeitangebot", begründet er. Computer und das Internet mit Chat-Räumen und Online-Communities würden häufig Funktionen übernehmen, die einst die Jugendhäuser ausfüllten egal, ob es sich dabei um ganz einfache Gespräche oder sogar um Flirts und Partnersuche handle. Zudem sei es für viele Teenies unvorstellbar, samstagabends eine Party im Jugendhaus zu besuchen. "Die meisten Jugendlichen gehen zu großen Events und in Discos nach Esslingen oder Stuttgart", beschreibt Spätling, was "in" ist.

Der Wandel hat auch vor der gemeinde Lenningen nicht Halt gemacht: Aufgrund mangelnder Akzeptanz wurde das Jugendhaus in Brucken diesen Sommer geschlossen. "Das Modell ist am Ende angekommen", stellt Spätling fest diese Form des Jugendhauses habe ausgedient. Um die Jugendlichen zu erreichen, um ihnen soziale Kompetenzen, gesellschaftliche Kontakte und Bildung zu vermitteln, sind jetzt neue, innovative Formen der Jugendarbeit gefragt wie eben das Lenninger Konzept, Schule und Jugendarbeit zu verbinden. "Lenningen ist da ein echter Vorreiter", lobt Spätling den Ansatz. Jugendarbeit an einem Bildungszentrum mit unterschiedlichen Schularten ermögliche zudem wesentlich besser als Jugendhäuser die Integration und und den Austausch von jungen Menschen unterschiedlicher Bildung und Herkunft.

"Früher waren Jugendarbeit und Schule wie Feuer und Wasser" blickt Spätling zurück. Heute ist eine Partnerschaft erwünscht und zwar auch von den Jugendlichen selbst, wie die Ergebnisse eines Workshops belegen. In einer "Ideenwerkstatt" hatten Lenninger Schüler der Klassen drei bis zehn unter der Leitung von zwei KJR-Mitarbeiterinnen Ideen und Anregungen zur Jugendarbeit geäußert. "Der Workshop hat gezeigt, dass die Wünsche der Befragten eher bescheiden und realistisch sind", sagt Spätling. So können sich viele Schüler beispielsweise gut vorstellen, ihre Freizeit im Schulgebäude zu verbringen. Die Jugendlichen wünschen sich vor allem Sportangebote, Musik und Tanz sowie Computerspiele, gemütliche Sitzecken und Möglichkeiten, auszuruhen und sich zu unterhalten.

"Fast alle Freundschaften werden an Schulen geschlossen", unterstreicht Spätling, dass die Schule immer mehr zu einem Ort wird, an dem Jugendliche ihre Freizeit gerne verbringen. Insbesondere in Zusammenhang mit der künftigen Ganztagesschule in Lenningen können sich daher Synergieeffekte zwischen Schule und Jugendarbeit ergeben. "Die Kooperation der Schulen mit der offenen Jugendarbeit in Lenningen ist eine einmalige Chance", glaubt Spätling. "Davon können alle profitieren", ermuntert er dazu, den neuen Weg zu beschreiten.