Lokales

Frühes Früchtchen Annabelle

Erstmals erntete der Owener Landwirt Andreas Munk Frühkartoffeln bereits im Mai

Das ist rekordverdächtig: Am 30. Mai holte Andreas Munk auf einem Acker in Owen die ersten Frühkartoffeln aus dem Boden. Damit eine solch frühe Ernte gelingt, brauchen die Erdäpfel optimale Bedingungen.

Andreas Munk erntet bereits seit Ende Mai Frühkartoffeln unter der Teck.Foto: Deniz Calagan
Andreas Munk erntet bereits seit Ende Mai Frühkartoffeln unter der Teck.Foto: Deniz Calagan

Owen. „Das gab es noch nie, dass wir schon im Mai die ersten Frühkartoffeln geerntet haben“, freut sich Andreas Munk. Regelrecht ins Schwärmen kommt der Landwirt aus Owen bei seiner Annabelle. „Das ist eine tolle Frühkartoffel: fest, gelb, länglich – genauso, wie es sich die Verbraucher bei einer Salatkartoffel wünschen. Das gibt keinen weißen, wässrigen Salat, wie manche bei den frühen Kartoffeln befürchten“, zählt er die Vorteile auf.

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Wer früh ernten will, muss auch früh stecken. Bereits am 13. März kamen die Kartoffeln in die Erde. Seitdem hat Andreas Munk ein wachsame Auge auf seine verborgenen Schätze. Ihre Pflege gleicht mitunter einem Vabanquespiel und das gleich in mehrerer Hinsicht. „Eigentlich sollten sie in flache Erde kommen, damit sie schnell ihre grünen Triebe bekommen und Kraft sammeln können. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo sie angehäufelt werden müssen – und dann kann man oft tagelang wegen der nassen Witterung nicht auf den Acker“, beschreibt der Landwirt die Tücken. Deshalb ist es stets Abwägungssache, die Steckkartoffeln flach oder schon angehäufelt auszubringen.

Die Kartoffel mag es gern beständig bei ihrem Wasserhaushalt. Zu viel ist nicht nur bei der Feldbearbeitung von Nachteil, auch beim Wachstum. Aber auch zu wenig Wasser macht sich beim Ertrag bemerkbar. „Eine Trockenperiode zum falschen Zeitpunkt im Frühling kann den Kartoffeln schwer zu schaffen machen“, so Andreas Munk. Ein guter Start nutzt deshalb recht wenig, wenn die Pflanze danach mangels Wasser quasi „verhungert“. Aus diesem Grund entschloss sich der Owener Landwirt, eine Beregnungsanlage zu installieren. Die kam prompt gleich zwei Mal zum Einsatz. „Jeder gießt seine Pflanzen im Garten – warum also auch nicht wir Landwirte?“, begründet er seine nicht unerhebliche Investition.

„Die Bedingungen müssen stimmen. Wer beim Frühkartoffelmarkt mitmachen will, muss gewisse Spielregeln beachten“, sagt Andreas Munk, für dessen Betrieb der zeitige Kartoffelverkauf ein immer wichtigeres Standbein ist. Damit sich der Boden schneller erwärmt, wird er mit einem Vlies abgedeckt. Dies ist auch gleichzeitig Kälteschutz für die Pflanzen. Dank des Vlieses können die Kartoffeln auch Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt trotzen. Zwei Mal war Andreas Munk in diesem Frühjahr „in Alarmstellung“, doch dann haben aufziehende Wolken den Frost verhindert.

Unerlässlich neben guter Witterung und Pflege ist aber die Bodenqualität. „Das Albvorland bietet ein sehr günstiges Klima für Frühkartoffeln. Was kaum einer weiß: Wir können locker mit dem Heilbronner Unterland mithalten“, so die Erfahrung von Andreas Munk. Die kiesigen und leichten Böden lassen sich gut bearbeiten, werden schnell warm – aber auch schnell trocken, deshalb die Bewässerungsanlage.

„Die Schale ist jetzt noch recht dünn. Eigentlich müssten die Kartoffeln noch etwa drei bis vier Wochen im Boden bleiben, um ausreifen zu können. Deshalb ernten wir gerade laufend Kartoffeln – immer nur so viel, wie wir brauchen“, sagt Andreas Munk. Zur Schonung der dünnen Haut werden die Erdfrüchte schon auf dem Vollernter in 25 Kilo-Säcke verpackt. Von dort kommen fast alle Kartoffeln in lichtdichte, 2,5-Kilo-Papiertüten. Damit soll das Ergrünen der Kartoffel und somit die giftige Solaninbildung durch Licht verhindert werden. 90 Prozent seiner Kunden sind kleine Einzelhändler in der Region, aber auch auf den Fildern, in Tübingen oder Stuttgart. Neben Rewe- und Edeka-Märkten beliefert er auch Bäckereien und Metzgereien mit entsprechendem Sortiment, sowie den einen oder anderen Hofladen.

Insgesamt 15 Tonnen Saatkartoffeln hat er auf Äckern in Owen, Dettingen und Balzholz gesteckt. Um die Fruchtfolge einhalten zu können, tauscht er mit Kollegen regelmäßig die Flächen. „Diesen Winter gab es keine Bodengare. Ab Januar war es unglaublich trocken und hat diesem Mangel entgegengewirkt. Der Boden ist vor lauter Trockenheit selbst zerfallen“, erklärt Andreas Munk. Dank dieser optimalen Bedingungen konnte er am 30. Mai den Vollernter zum ersten Mal an den Traktor hängen. „Der Ertrag mit Übergröße ist faszinierend. Wir rechnen mit 340 bis 350 Doppelzentner je Hektar. Das ist sehr gut für Annabelle“, freut sich Andreas Munk. Bei ihm und seiner fünfköpfigen Familien kommen übrigens Kartoffeln zur Freude aller mehrmals in der Woche auf den Tisch.