Lokales

Frühlingserwachen in der Eichhalde

Zu einer pflanzenkundlichen Nachmittagswanderung mit Marlis Götz hatte der Schwäbische Heimatbund in die Eichhalde nach Bissingen eingeladen.

BISSINGEN Die Eichhalde wurde schon 1969 auf Grund ihrer landschaftlichen und botanischen Besonderheiten unter Naturschutz gestellt. Sie besteht größtenteils aus Kalkschottern, durch die das Niederschlagswasser schnell versickert, ideal für trockene bis halbtrockene Standorte liebende Pflanzen. Dazwischen finden sich immer wieder Einsprengsel von wasserstauenden Braunjuraschichten, sodass es dort zum Auftreten einer nässeliebenden Flora kommt. Treffpunkt war der Parkplatz beim Bissinger Schützenhaus. Von dort ging es leicht aufwärts, wobei die Gruppe zunächst von den Allerweltsblüten des Löwenzahns und des Wiesenschaumkrauts begrüßt wurde. Kurz danach, an einer kleinen Feuchtstelle, begegnete die Gruppe der kraftstrotzenden Sumpfdotterblume. Pappelbäume mit kugelförmigen Mistelbüschen säumten nun den Weg.

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Die Eichhalde, früher in viel umfangreicherem Maße als Schafweide benutzt, ist reich gegliedert mit Einzelbäumen, Baum- und Gebüschgruppen, gelegentlich ist auch mal ein kleiner Hain mit Altholz dazwischen zu sehen. Kurz danach begrüßte die duftende Schlüsselblume die Wanderer und etwas weiter bergan gab es die ersten, tief azurblauen Frühlingsenziane, im Volksmund Schusternägele genannt, zu sehen. Da ihre Blütenkelche alle offen waren, hofften die Teilnehmer, dass trotz der grauen Wolken die alte Wetterregel gelten möge: "Wenn der Enzian sich schließt, bist du sicher, dass es gießt."

Bald danach wurden Gold- und Silberdistel, Zypressenwolfsmilch und Frühlingshungerblümchen entdeckt und kurz darauf zeigten Binsen wieder eine Feuchtstelle an. Als die Gruppe darauf einen Pferchacker passierte, wurden dort neben der farbgebenden purpurroten Taubnessel die Blüten von Frühlingsehrenpreis (Katzenäuglein), Vogelmiere und Hirtentäschel entdeckt.

Eine Begegnung mit einem Schäfer zeigte, dass die Eichhalde auch heute noch als Viehweide genutzt wird, wenn auch die einjährigen Schößlinge der Schlehe, zwischen denen die Schafe ihr Futter rupften, erkennen ließen, dass eine intensivere Weidennutzung erforderlich wäre, um ohne zusätzliche menschliche Pflegemaßnahmen auszukommen.

Bevor es weiter aufwärts in den waldbedeckten Talschluss ging, wurden das leuchtende Blau des Enzians und das Kanariengelb der Schlüsselblume immer zahlreicher und intensiver, so dass Hellerkraut und Stinkende Nieswurz am Wegesrand fast nicht auffielen.

Auf dem weiteren Aufstieg im Wald empfingen viele frühlingshafte Waldbewohner die Gruppe: Lungenkraut und Buschwindröschen, Bingelkraut und Waldveilchen, Scharbockskraut und Aronstab, Waldmeister, Haselwurz und die mandelblättrige Wolfmilch.

Immer Neues gab es nun bis zum Bissinger Wasserfall, der an diesem Tag reichlich Wasser führte, zu entdecken: Judassilberling und Frühlingsblatterbse, Salomonsiegel und Einbeere, wobei einige Einbeerpflanzen eine Mutation aufwiesen und fünf statt der üblichen vier Blätter hatten. Beim Wasserfall waren dann noch das wechselblättrige Milzkraut und die zwiebeltragende Zahnwurz zu sehen. Der Hohle Lerchensporn in rot und weiß, das gelbe Buschwindröschen und der weiß blühende Sauerklee rundeten dann die reiche Ausbeute an botanischen Beobachtungen ab.

Über den Sattelbogen, mit einem kurzen Blick ins Lenninger Tal, ging der Weg dann wieder talwärts, entlang einer Linden- und Kastanienallee, zurück zum Ausgangspunkt. Bei einem geselligen Vesper las Marlis Götz zur Abrundung der floralen Eindrücke einige köstliche Blumenlegenden vor und damit fand die interessante botanische Führung noch einen literarischen Abschluss.

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