Lokales

Frühzeitig die richtigen Weichen stellen

"Die demografische Entwicklung zwingt uns alle zum Nachdenken", stimmte Kirchheims Sozialamtsleiter Roland Böhringer den Verwaltungsaussschuss des Gemeinderates auf die Vorstellung eines neuen Projektes ein. Das kollektive Nachdenken war in der Teckstadt von Erfolg gekrönt: Ergebnis ist das neue Angebot "Betreutes Wohnen zu Hause".

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Das Angebot in Kirchheim richtet sich an Menschen, die frühzeitig vorsorgen wollen mit durchdachten Weichenstellungen", fasste der Sozialamtsleiter zusammen. Hintergrund der Initiative ist die Erkenntnis, dass in einer immer älter werdenden Gesellschaft die selbstständige Lebensführung möglichst lange erhalten bleiben soll. Dazu müssen vor allem die Selbsthilfekräfte rechtzeitig mobilisiert werden. Böhringer ging auf Elemente des städtischen Sozialplans "Älter werden in Kirchheim" ein. Demnach gehe es künftig auch darum, die Toleranz zwischen den Generationen zu erhöhen. Nicht nur in Kirchheim zeigt sich immer deutlicher: Das Wohnen als zentrale Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben hat gerade für ältere Menschen einen sehr hohen Stellenwert.

Wo alte Menschen der Schuh drückt, haben die engagierten Mitglieder des Vereins "Buefet" früh erkannt. Es handelt sich bei "Buefet" um einen ehrenamtlichen Zusammenschluss von Vertretern aus pflegerischen und sozialen Bereichen. Gertraud Sieler rekapitulierte kurz die Geschichte des Vereins von der Gründung im Jahr 2001 bis zum Angebot des Betreuten Wohnens zu Hause, das unter dem Dach von "Buefet" im vergangenen Jahr startete. Mittlerweile ist das Projekt mit einer festen Ansprechpartnerin im Haus der sozialen Dienste angesiedelt: Bei Monique Kranz-Janssen laufen die Fäden zusammen. Sie berät Interessierte, koordiniert Hilfsangebote, leitet den Besuchsdienst an und hält Kontakt zu Kooperationspartnern.

Das Ziel des neuen Angebots ist einfach zu verstehen, wie Kranz-Janssen den Stadträten darlegte. Es geht darum, Senioren mit bedarfsgerechten individuellen Hilfen zu ermöglichen, lange in einem Gefühl großer Sicherheit in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Wer sich für diese Lebensperspektive interessiert, kann zunächst eine Anwartschaft erwerben. Diese sichert ihm das Recht zu, jederzeit den Vertrag in eine Mitgliedschaft umzuwandeln, wodurch Hilfe aller Art im Handumdrehen organisiert werden kann.

"Das Angebot kommt aus einer Hand und ist dank einer festen Ansprechpartnerin durch Kontinuität gekennzeichnet", nannte die Sozialpädagogin einige Vorteile. Wöchentliche Besuche gehören fest zur Mitgliedschaft, die natürlich teurer ist als die bloße Anwartschaft. Der Besuchsdienst wird von acht bereits in entsprechenden Seminaren ausgebildeten Frauen versehen. Mit ihrer Hilfe sieht sich "Buefet" gewappnet für einen möglichen Ansturm. Noch bestehen lediglich eine Reihe von Anwartschaften, denn das Projekt ist eben erst dabei, den Kinderschuhen zu entwachsen. Seit gestern hat Monique Kranz-Janssen eine feste 25-Prozent-Stelle.

SPD-Vertreter Andreas Kenner, beruflich im Sozialbereich verankert, wünschte Kranz-Janssen und "Buefet" einen langen Atem bei der Umsetzung ihres Vorhabens. Es gehe nun darum, Geduld zu haben, bis ordentliche Mitgliederzahlen erreicht seien, spielte er darauf an, dass speziell Schwaben nicht unbedingt leichtfertig für etwas zahlten, das sie zunächst nicht bräuchten. Doch das Gefühl der Sicherheit ist viel wert, wie sich in der Entstehung ähnlicher Angebote im ganzen Kreis (siehe unten stehender Artikel) zeigt.

Von allen Seiten im Verwaltungsausschuss kam großes Lob für das neue Angebot in Kirchheim. Damit verbunden wurde die Anregung, im Rahmen zukünftiger Öffentlichkeitsarbeit speziell Angehörigen pflegebedürftiger Menschen das große Potenzial des zukunftsträchtigen Projekts vor Augen zu führen.

INFOWer Kontakt knüpfen will zum Kirchheimer Projekt "Betreutes Wohnen zu Hause", muss die Telefonnummer 0 70 21/502-344 wählen.