Lokales

Führungswechsel in der Kreis-SPD mit Michael Wechsler

Sein Name wurde Programm: Mit der Wahl von Michael Wechsler aus Esslingen vollzogen die Sozialdemokraten im Kreis einen Wechsel an ihrer Führungsspitze. Sie wählten den 33-jährige Büroleiter und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Nürtinger Landtagsabgeordneten Nils Schmid auf der Hauptversammlung in Denkendorf mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden des Kreisverbands.

DENKENDORF Michael Wechsler, der bislang schon Vize war, löst Barbara Sinner-Bartels (50) aus Leinfelden-Echterdingen ab, die das Amt seit 1995 inne hatte. Er kündigte an, das Hauptaugenmerk seiner politischen Arbeit darauf zu richten, "dass die SPD auch in der Regierungsverantwortung ihren Anspruch als diskussionsfreudige, aktive Mitgliederpartei ernst nimmt". Man werde sich deshalb auch im Kreis Esslingen an der laufenden Diskussion über das neue Grundsatzprogramm der SPD beteiligen, das im Herbst auf dem Bundesparteitag in Karlsruhe verabschiedet werden soll.

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Mit der Vorbereitung und Steuerung des Landtags- und Bundestagswahlkampfs im Jahr 2006 kommt auf den jungen SPD-Vorsitzenden gleich eine "organisatorische Bewährungsprobe ersten Ranges" zu, wie Wechsler selbst gestand. Aber der neue SPD-Vormann verbreitete auf der Jahreskreiskonferenz Mut und Aufbruchstimmung: "Wir wollen eine aktive und attraktive Partei sein, die auch neue Mitglieder anspricht. Mit lamentieren geht das nicht. Deshalb gibt es unter meiner Führung ein Jammerverbot."

Der von der Bundesregierung mit der "Agenda 2010" eingeschlagene Reformkurs sei zwar mitunter anstrengend, aber es gebe keine tragfähige Alternative. "Wenn wir Wohlstand auch morgen auf hohem Niveau halten wollen, dann brauchen wir heute Mut zum Wandel: auf dem Arbeitsmarkt, im Gesundheitswesen und nicht zuletzt in der Erziehung und Bildung unserer Kinder", sagte Wechsler. Die SPD bleibe der Garant dafür, dass es dabei sozial gerecht zugehe. "Wer sich dagegen wie die Union vom Solidarprinzip verabschiedet, zertrümmert einen Grundpfeiler unseres Gemeinwesens."

Der frisch gebackene SPD-Kreisvorsitzende dankte seiner Vorgängerin Barbara Sinner-Bartels dafür, "einen organisatorisch und finanziell gut bestellten Kreisverband" zu übergeben. Gut 10 Jahre habe Sinner-Bartels an der Spitze der Kreis-SPD "durch harte Arbeit, menschlichen Führungsstil, taktisches Geschick und strategischen Weitblick Maßstäbe gesetzt", betonte Wechsler. Er werde sich anstrengen müssen, um die "vorgefundenen Fußstapfen auszufüllen". Wechsler bekräftigte indes auch seinen Anspruch, "einen eigenen Stil zu entwickeln". Der neue SPD-Chef zeigte sich davon überzeugt, "dass man ein einmal erreichtes Niveau nur aufrecht erhalten kann, wenn man neue Ideen hat."

Der Trend zur deutlichen Verjüngung setzte sich bei der Wahl der beiden gleichberechtigten stellvertretenden Vorsitzenden fort. Auch hier kam es zu Neubesetzungen: Bettina Frick (46) aus Reichenbach und Bernd Vogel (25) aus Köngen vervollständigen das Führungstrio bei der Kreis-SPD. Der frühere DGB-Kreisvorsitzende Thomas Bittner, der dem Kreisvorstand der SPD als Vize bereits seit Mitte der 80er-Jahre angehörte, hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Die scheidende Kreisvorsitzende Barbara Sinner-Bartels würdigte ihren langjährigen Mitstreiter als "eine den Anliegen der Arbeitnehmer verpflichtete Persönlichkeit, die über Jahre feste und tragfähige Brücken zwischen Gewerkschaften und Sozialdemokratie" gebaut habe. Bittner habe sich in seinem politischen Engagement für die SPD vor allem durch die Fähigkeit ausgezeichnet, "Menschen unterschiedlicher Herkunft und Ausrichtung für ein gemeinsames politisches Ziel zusammenzuführen".

Als Pressesprecher bestätigt wurde der Kirchheimer SPD-Vorsitzende Martin Mendler, der dieses Amt bereits seit 1993 bekleidet. Ebenfalls bestätigt wurde Schatzmeister Walter Baral aus Neckartenzlingen. Für ordentliche Protokolle sorgt in Zukunft die neue Schriftführerin Dagmar Burkert aus Esslingen. Als Beisitzer komplettieren den neu gewählten SPD-Kreisvorstand Karin Büchling, Annemarie Cless (beide Filderstadt), August Fischer (Nürtingen), Sabine Fohler (Reichenbach), Bernd Köster (Esslingen), Alexander Saipa, Barbara Sinner-Bartels (beide Leinfelden-Echterdingen), Sarah Schöll (Denkendorf) und Maik Seidel (Neckartenzlingen).

Auf seiner konstituierenden Sitzung will der neue Kreisvorstand sehr rasch die interne Aufgabenverteilung regeln und ein detailliertes Arbeitsprogramm festlegen.

mm