Lokales

Fünf Jahre Trial im Wächterheim

Die Stiftung Wächterheim in Kirchheim ist eine Einrichtung mit zwei Dienstangeboten: Betreuung von pflegebedürftigen, meist alten Menschen und erzieherische Betreuung und Begleitung von sozial gefährdeten Jugendlichen.

KIRCHHEIM Im Rahmen der Jugendhilfe ist ein differenziertes Angebot entstanden. Dieses gliedert sich in ambulante Angebote, teilstationäre und vollstationäre Maßnahmen. Wichtige Voraussetzung für gelingende Betreuungen sind Angebote, die langfristig eine Verhaltensänderung bewirken können.

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Die Defizitanalyse der Jugendlichen lässt den Schluss zu, dass eine sport- und erlebnispädagogisch ausgerichtete Maßnahme bei vielen der Jugendlichen etwas bewirken könnte. Im Frühjahr 2000 machte sich Hansel Siegel, langjähriger Mitarbeiter einer Wohngruppe, auf, nach neuen Betreuungsangeboten für Jugendliche zu suchen. Die Methode sollte attraktiv und umsetzbar sein. Inspiriert durch das langjährige Hobby Motorradfahren, begegnete er eher per Zufall dem Motorradsport Trial.

Trial beschränkt sich nicht nur auf das reine Bedienen eines Motorrades. Die gestellten Aufgaben sind nur zu bewältigen, wenn ein Zusammenspiel von der richtigen koordinierten Körperbewegung und der entsprechenden, durch die Gashand gesteuerten Unterstützung des Motors fehlerfrei erfolgt. Darüber hinaus ist das überlegte Ausnützen der physikalischen Grenzen zu beachten. Die Beherrschung stellt erhebliche Ansprüche an den Fahrer. Alle Körperregionen sind aktiv und die Sinne aktiviert. Trial spricht das technische Interesse von Jugendlichen an. Es bringt Lernprozesse in Gang, die Einsicht in den umfangreichen Funktionsablauf eines Kraftfahrzeuges erlauben.

Kurzum: Die Idee war geboren. Kontrolliertes Motorradfahren mit Jugendlichen das wäre was. Die Finanzierung wurde auch unter schwierigsten Bedingungen ermöglicht, dank einer großzügigen Spende. Bald konnten von den Geldern drei passende Trialmaschinen angeschafft werden. Neben dem Wächterheimgelände konnte das Gelände des MSC Schorndorf und des AMC Salach für die Zwecke des Trialprojekts genutzt werden. Jochen Bader von Motorsport-Salach unterstützte die Einrichtung bei Ausstattungsproblemen aller Art. Helm, Knieschützer und Handschuhe und feste Schuhe gehören zum Standard.

Inzwischen haben 40 Jugendliche teilgenommen. Sie bekommen umfassende Infos zum Trialsport. Parallel zum Training, dienen Informationen zum Erwerb der Wächterheim- Trial-Fahrerlizenz. Diese Lizenz sichert einen gemeinsamen Standard im Tun und Verstehen. Freiwillig können die erlernten Fähigkeiten mit der Teilnahme an offiziellen Wettkämpfen überprüft werden. Auch die Teilnahme an Clubläufen des MSC Schorndorf sind möglich.

Inzwischen hat eine Wohngruppe ihre Osterfreizeit in ein Trialtrainingslager umgewandelt. Auch der Einsatz als Punkterichter bei Veranstaltungen gehört zu den festen, alljährlich wiederkehrenden Aufgaben. Auch der Stamm der "Instruktoren" wuchs im Laufe der Jahre. Das Programm ist stimmig und wird von verschiedensten Jugendlichen sehr positiv angenommen. Der intensive persönliche Kontakt fördert die Beziehungsarbeit und eröffnet vielerlei Möglichkeiten zur Bewältigung der Alltagsproblematik. Der Transfer in den Alltag muss begleitet und geleistet werden. Trial dient als sinnvolles Medium. Ohne Hilfe wäre es trotzdem nicht möglich dieses Projekt zu betreiben. Die Kfz-Werkstatt Rainer Seinemayer in Kirchheim hilft bei all den kleinen Problemen des Motorradalltags. Freunde und Bekannte unterstützen das Projekt mit ihrem persönlichen Engagement und ihrem beruflichen Fachwissen. Finanziell ist das Projekt weiterhin auf Spenden und Zuwendungen dringend angewiesen. Der Jugendhilfeetat sieht solche attraktiven, aber doch kostenintensiven Angebote nicht vor. Die Bemühungen um Spenden dauern an.

Nähere Infos über das Projekt gibt es bei Hansel Siegel, E-Mail: gruppe-vergiss@waechterheim.de. Infos Internet: www.waechterheim.de.

pm