Lokales

Fünf Wege führen "hochzuhs" auf den Schafhof heim

KIRCHHEIM Die Lokale Agenda Kirchheim hat Anfang April die

Imagekampagne "FahrRad" gestartet. Der werbewirksame Einsatz wird sich bis zu den Goldenen Oktobertagen hinziehen. Mit dieser Kampagne wollen die Initiatoren ein noch besseres Klima für das Fahrradfahren schaffen. Der Teckbote bringt im Rahmen der Aktion eine lockere Serie über Menschen, die im Alltag den Drahtesel und dessen Möglichkeiten längst für sich selbst entdeckt haben.



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RICHARD UMSTADT

"Runnerzuhs" läuft's besser. 20 Minuten benötigt Jürgen Windrich, 37, mit seinem Damenrad vom Schafhof zu seiner Arbeitsstelle im Kruichling. "Hochzuhs" ist's vor allem bei heißem Wetter eine Plag'. Da muss der sympathische Pfälzer aus Heidelberg ordentlich strampeln. Keine Frage, das ist schweißtreibend. Doch der Spezialist für Oberflächentechnik tut's der Gesundheit zu Liebe. Immer öfter sitzt er den ganzen Tag hinterm Schreibtisch, sagt er. Da sind frische Luft und Bewegung wichtig. Außerdem, verrät er schmunzelnd sein heimliches großes Ziel, will er sein Körpergewicht von 100 auf 80 Kilogramm herunter-"biken". Das bucklige Schwabenländle ist für ein solches Vorhaben geradezu ideal. Freilich ist's "für einen Kurpfälzer ungewohnt hügelich", musste Jürgen Windrich auf seinem 18-Gang 26-Zoll-Tourenrad im wahrsten Sinne des Wortes erfahren.



Nicht die schönen Berge und Täler der Schwäbischen Alb führten ihn den Neckar herab in die Teckstadt. Sein Beruf brachte den Heidelberger hierher. Seit 2. Mai arbeitet der 37-Jährige bei der Firma Holder im Kirchheimer Industriegebiet an der Autobahn und wohnt auf dem Schafhof. An den Wochenenden fährt er zurück in die heimatliche Pfalz. Von dort brachte er auch seinen Drahtesel mit, den er seiner Freundin abkaufte.



Jürgen Windrich radelte immer schon zur Arbeit. Von Heidelberg aus waren das 15 Kilometer einfach, erzählt er. Jetzt ist die Strecke zu seinem Brötchengeber etwa um die Hälfte kürzer, dafür aber nicht so eben. Im Laufe der Zeit entdeckte der sportliche Pfälzer fünf Möglichkeiten, um Abends "hochzuhs" und heim zu kommen. Die schönste Variante dabei sei für ihn der Weg über die Alte Schlierbacher Straße und den Sonnensee, in den Wald hinein und von dort zurück zum Schafhof. Der Nachhauseweg über die Steige vom Schlossgymnasium hoch bedeutet für ihn Schinderei.



Wie's dazu kam? An einem schönen Feiertag im Mai überwand der Kurpfälzer seine Furcht vor dem Kirchheimer Hügel und schwang sich auf sein Fahrrad, um den Weg zu seiner Arbeitsstätte zu testen. "S'is gar net so schlimm", stellte Jürgen Windrich danach erfreut fest. Seitdem radelt er regelmäßig in den Kruichling und lässt seinen alten Fiat Uno stehen. Dabei spielt neben der Gesundheit auch das Benzin- und damit Geldsparen eine gewisse Rolle. Nicht, dass er auf den gegenwärtig unter Volldampf stehenden Zug "Geiz ist geil" aufgesprungen wäre. Er rechnete lediglich aus, "pro Woche zehn Euro" ins Sparschwein stecken zu können, wenn er mit dem Rad fährt. Deshalb sagte er sich: "Ich mach' was für mich und die Umwelt". Jürgen Windrich will so lange wie möglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren "wenn's geht, auch im Winter".



Der Heidelberger betätigte sich schon immer sportlich. "Ich bin mit Amis aufgewachsen," damals war für ihn Baseball angesagt. Er spielte aber auch Feldhockey und zog seine Bahnen im Hallenbad. Auch heute noch trainiert er seine Langstreckenkondition über zwei bis drei Kilometer im Wasser. So kommt er Zug um Zug und Kilometer um Kilometer seinem großen Ziel näher.

Tägliche Trainingseinheit: Jürgen Windrich auf dem Weg zur Arbeit vom Schafhof zum Kruichling.