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"Für Familien attraktiv sein"

Schon in der Sitzung im März hatte der Lenninger Gemeinderat der Einführung einer Ganztagesgruppe im Kindergarten Unterlenningen zugestimmt. Dieses Angebot wurde um eine tageweise Betreuung ab zwei Tagen erweitert.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Mit dieser Entscheidung trägt der Gemeinderat dem speziellen Bedarf in der Gemeinde Rechnung. Fünf Eltern haben ihre Kinder nicht für eine Betreuung die ganze Woche über, sondern für einzelne Tage angemeldet. "Diesen Eltern reicht es, zwei bis drei Tage ihre Kinder in die Ganztagesgruppe zu geben, da ein Elternteil in Teilzeit arbeitet", erklärte Lenningens Bürgermeister Schlecht. Er ist ganz zufrieden mit den Anmeldungen, nichtsdestotrotz strebt er eine komplette Belegung der Ganztagesgruppe an.

Nach dem derzeitigen Stand der Anmeldungen wird es eine Mischgruppe geben. Zehn Kinder besuchen die Gruppe mit der Regelöffnungszeit, dazu kommen noch acht Ganztageskinder, ein weiteres Ganztageskind wird ab Januar dazu stoßen. "Es sind keine zehn Anmeldungen eingegangen wie anfangs angenommen, da entweder die versprochene Arbeitsstelle doch nicht angeboten wurde oder aber der Arbeitsplatz verloren ging", nannte Michael Schlecht die Hintergründe.

"Es freut mich, dass es gelungen ist, Eltern für dieses Projekt zu gewinnen. Sie wagen einen Schritt, ohne dass sie wissen, wie es tatsächlich funktioniert", freute sich Georg Zwingmann. Für ihn besteht bei acht Anmeldungen klar ein Bedarf in Lenningen, auch wenn Karl Boßler gegenteiliger Meinung ist. "Viele Eltern müssen einen Betreuungsnachweis erbringen, sonst können sie sich erst gar nicht für einen Arbeitsplatz bewerben", weiß Georg Zwingmann. Die Bedürfnisse von Familien müsse Lenningen erfüllen, zumal ein entsprechender Entschluss des Gemeinderats vorliegt. "Die Eltern brauchen Sicherheit, dass es dieses Angebot auch über Jahre gibt", sprach er sich auch gegen eine vorübergehende Lösung aus, nicht zuletzt deshalb, weil die Kommunen mittelfristig gesetzlich zu einem solchen Angebot verpflichtet werden.

Für die Einführung sprach sich auch Karl Sigel aus. "Eltern müssen planen können und wir sollten sie dabei unterstützten, dass auch die Mutter zwei oder drei Tage in der Woche arbeiten kann", erklärte er und vermutete, dass die Nachfrage steigen wird, wenn erst einmal die Ganztagesgruppe besteht. "Wir haben einen Entschluss gefasst, den wir uns nicht leicht gemacht haben. Deshalb müssen wir dazu auch stehen und den Eltern die Möglichkeit geben, dass sie ihre Kinder anmelden können", sagte Wolfgang Tröscher.

"Wir können jetzt nicht sagen: ätschagäbale. Ich stelle mir die Einführung einer Ganztagesgruppe wie ein Fluss vor. Es beginnt mit einer kleinen Quelle und wird dann größer", sprach sich Inge Kodera klar für das Angebot aus, zumal über dieses Thema schon seit Jahren diskutiert werde. "Die Eltern rechnen mit dieser Gruppe. Ich habe jetzt schon zwei Anmeldungen für 2007", konnte Michael Schlecht berichten. Gleichzeitig freut er sich, dass in Lenningen noch familiäre Gefüge bestehen, weshalb der Bedarf an Kinderbetreuung nicht übermäßig groß ist.

Enttäuscht über die wenigen Anmeldungen sind dagegen Ronad Sailer, Jürgen Rau und Kurt Hiller. Da es jedoch einen Gemeinderatsbeschluss gibt, wollen sie diesen nicht kippen. "Wir alle wissen, dass die Kinderzahlen rückläufig sind. Wenn sie noch weniger werden, müssen wir darüber reden", ist Kurt Hiller der Ansicht.

"Im Gesamten betrachtet ist das Ergebnis nicht schlecht, die Betreuung ist gut im Ort", meinte Michael Schlecht abschließend. Mit der Einführung der Ganztagesgruppe möchte er Lenningen attraktiv für junge Familie machen. "Zwischen 1995 und 2004 ist Lenningen um 2,4 Jahre gealtert das müssen wir uns vor Augen halten", gab er zu bedenken. Gerade in finanziell schwierigen Zeiten müsse Platz für zukunftsweisende Projekte sein, so seine Überzeugung. Dieser Ansicht schloss sich der Gemeinderat bei zwei Enthaltungen an.