Lokales

Für Familien deutlich teurer

Bei der Frage, Miete zu hoch, zu niedrig oder angemessen ist, gehen die Meinungen von Hauseigentümern und Mietern oft auseinander. Eine objektive Einschätzung liefert der qualifizierte Mietspiegel, der jetzt neu aufgelegt wurde.

KORNELIUS FRITZ

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ESSLINGEN Die Höhe der Miete hängt von den unterschiedlichsten Faktoren ab. Der neue Mietspiegel versucht, möglichst viele davon zu berücksichtigen. Neben Größe und Alter der Wohnung fließt deshalb auch die individuelle Ausstattung vom Laminatboden bis zur Gegensprechanlage über ein Punktesystem in die Berechnung ein. So erhalten beide Parteien eine ziemlich exakte Auskunft darüber, welche Miete ortsüblich ist. Grundlage dieser Werte ist eine Befragung, die das Regensburger Institut für Empirische Marktforschung (EMA) durchgeführt hatte. Rund 10 000 zufällig ausgewählte Esslinger Haushalte wurden angeschrieben. 800 zurückgesandte Fragebögen kamen schließlich in die Auswertung und bilden die Basis für den qualifizierten Mietspiegel.

Im Vergleich zu den Werten, die vor vier Jahren ermittelt wurden, sind die Mieten in Esslingen im Schnitt um rund zehn Prozent gestiegen. "Das liegt über dem Landesdurchschnitt von 6,6 Prozent", sagt Udo Casper, Kreisvorsitzender des Deutschen Mieterbundes. "Das zeigt, dass wir eine Mangelsituation haben." Vor allem größere Mietwohnungen seien deutlich teurer geworden: "Familiengerechte Wohnungen stehen nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung", schließt Casper.

Eine Entwicklung, die auch Esslingens OB Zieger mit Sorge sieht: "Esslingen wird ein angespannter Markt bleiben", prophezeit er. Es finde so gut wie kein Mietwohnungsbau mehr statt, weil das Land diesen nicht mehr fördere und Mietwohnungen für private Investoren deshalb nicht attraktiv seien. Der OB saß bei der Präsentation des Heftes auch diesmal wieder mit am Tisch. Dabei hatte er vor drei Jahren noch den Ärger des Deutschen Mieterbundes auf sich gezogen, weil die Stadt kein Geld mehr für den neuen Mietspiegel zur Verfügung stellen wollte. Dieser wurde deshalb erstmals zum größten Teil durch private Sponsoren finanziert. 45 000 Euro hatte eine Initiative, der neben den beiden Esslinger Mietervereinen auch der Hauseigentümerverein Haus und Grund sowie die Baugenossenschaft Esslingen und die Esslinger Wohnbau angehören, für die Finanzierung des Spiegels aufgetrieben.

Zieger lobte die Initiative als modellhaft und betonte die Bedeutung eines Mietspiegels: "Dieser hat sich in den vergangenen Jahren bewährt, um den Mietfrieden in der Stadt sicherzustellen." Auch die Stadt hat schließlich doch noch ihren Beitrag geleistet und einen Zuschuss von 1 500 Euro beigesteuert. Der Mietspiegel 2006 kann kostenlos auf der Homepage der Stadt (www.esslingen.de) heruntergeladen werden.