Lokales

Für Israel beten

Morgen wird in vielen Kirchengemeinden der Israelsonntag gefeiert. Traditionell ist dieser Sonntag, der zehnte nach Trinitatis, der christliche Gedenktag an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer im Jahr 70 nach Christus. In den jüdischen Gemeinden wird der entsprechende Trauertag, der neunte Av, Mitte August begangen. Diesem Datum hat die Kirche sich angeschlossen. So fällt der Israelsonntag immer in die sommerliche Urlaubszeit und ist daher vielen Christen weniger bekannt.

Mit diesem Gedenktag erinnern Christen an die gemeinsamen Wurzeln von Christen und Juden, dem Alten Testament, und wissen sich auch nach dem Holocaust des Dritten Reiches in besonderer Weise mit Israel verbunden und ihm gegenüber in besonderer Verantwortung. Bis in die 1960er-Jahre hinein, galt dieser Sonntag noch als Sonntag der Judenmission und hatte so unterschwellig eine judenfeindliche Prägung. Von diesen falschen Missionsgedanken hat man nun Abstand genommen.

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Wir sind als Christen und als Deutsche mit Israel in besonderer Weise verbunden. Wollen einander gute Partner, wenn nicht gar Freunde sein. Das kann aber nicht heißen, dass wir für alle Zukunft zum Tun des Partners, des Freundes schweigen und blindlings zusehen, was im Nahen Osten geschieht. Wenn wir zum Beispiel sehen, dass bei den jetzigen kriegerischen Auseinandersetzungen die Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht gewahrt ist und der Libanon durch Bomben zerstört und der Tod von vielen, vielen Zivilisten "in Kauf" genommen wird.

Ja, wir wollen für Israel beten, dass es trotz seiner Bedrohung durch terroristische Gruppierungen und Staatsführer Augenmaß behält im Kampf um eigene Sicherheit, und dass es bereit ist, noch mehr Wege des Friedens auf diplomatischem Wege zu suchen. Wir wollen auch für das palästinensische Volk beten, dass es sein Recht und seinen Frieden erhält und die gemäßigten Kräfte, die nicht auf Waffengewalt setzen, Oberhand gewinnen. Und schließlich wollen wir auch für den Libanon beten: dass Friede werde. Dass der Wiederaufbau gelinge. Wir denken an all die toten Angehörigen, die Verletzten, die seelisch Verwundeten dieses Krieges. Wir beten, dass unter diesen Völkern der Hass gegeneinander weiche, politische und diplomatische Vernunft einkehre, der nicht auf Waffengewalt setzt und dass wir als Christen und als Deutsche in unserer besonderen Verantwortung dabei mithelfen können.

Pfarrer Walter Veil

Evangelische Kirchengemeinde

Weilheim