Lokales

Für Tobias sämtliche Rekorde gebrochen

"Hand in Hand für Tobias und andere" unter diesem Motto startete eine Initiativgruppe aus Wernau eine Hilfsaktion für den leukämiekranken Tobias und brach damit sämtliche Rekorde: Bei einer Typisierungsaktion im März ließen sich 6469 Menschen registrieren, zehn von ihnen konnten bereits mit einer Stammzell- oder Knochenmarkspende helfen.

WERNAU Mehr als 1,4 Millionen Menschen sind in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), der weltweit größten Datei, als potenzielle Stammzellspender registriert. Darunter befinden sich auch die 6 469 Menschen, die sich in diesem Jahr im Wernauer Quadrium registrieren ließen. Aus der Wernauer Aktion der drittgrößten in ganz Deutschland, die es seit Bestehen der DKMS gab konnten innerhalb der vergangenen acht Monate zehn Spender gefunden werden, die bereits anderen an Leukämie erkrankten Frauen, Männern und Kindern durch ihre Stammzellspende und Knochenmarkspende eine neue Chance auf ein gesundes Leben geben konnten. "Wernau hat mit dieser Aktion sämtliche Rekorde der DKMS gebrochen", freute sich auch Heinke Scholdei-Taut vom Aktionsteam der Tübinger DKMS-Zentrale über den großen Erfolg.

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In Wernau fing alles mit dem kleinen Tobias an, der an Leukämie erkrankt ist und den Pius-Kindergarten besucht. Von dort aus startete die Initiativgruppe eine bisher in Wernau beispiellose Aktion, organisierte Veranstaltungen und sammelte rund 300 000 Euro, um das Engagement zu finanzieren. Schon nach wenigen Wochen, im Sommer 2006, erhielten die Teilnehmer der Wernauer Aktion Briefe von der DKMS mit der Information, sie könnten potenzielle Spender sein. Voruntersuchungen beim Hausarzt folgten und letztendlich kam es bei zehn in Wernau typisierten Frauen und Männern zur Knochenmark- oder Stammzellspende.

"Ich würde es wieder so machen", berichtete Lena Hermann aus Köngen stellvertretend für die anderen Spender, die Bürgermeister Roger Kehle zu einem Empfang eingeladen hatte. Als sie sich mit ihrer Freundin im März auf den Weg nach Wernau machte, wusste sie noch recht wenig über Leukämie. Im Laufe der Zeit erhielt sie von der DKMS umfassende Informationen, und im September setzte sie sich ins Flugzeug, um ins Krankenhaus nach Hameln zu fliegen. "Durch die intensiven Telefonate und Gespräche mit der DKMS fühlte ich mich sehr gut betreut", erzählte sie und von der Operation unter Vollnarkose spürte sie nichts. Erst am nächsten Tag fühlte sie sich "wie vom Auto überfahren". "Die Schmerzen habe ich mir viel schlimmer vorgestellt", erinnerte sich Lena Hermann. Am schlimmsten, so ihre Erfahrungen, seien die zwei Sandsäcke gewesen, auf denen sie die ersten Stunden nach der Operation liegen musste. Besonders gefreut habe sie sich darüber, dass sie mit ihrer Knochenmarkspende einem siebenjährigen Mädchen in Amerika helfen konnte. "Helfen zu können, hat mir ein gutes Gefühl gegeben."

Auch Lars Hettler aus Ditzingen, der Stammzellen spendete, bereut seine Hilfe nicht. Humorvoll berichtete er von seinem Aufenthalt in einer Frankfurter Klinik, in der er "endlich mal daliegen konnte und nichts tun musste". Er selbst sei mehrmals in der engeren Wahl gewesen und musste sich lediglich zwei Tage krank schreiben lassen. Mit seiner Spende konnte er einem 50-jährigen Mann in Amerika helfen. "Die Leukämie kann leider immer wieder kommen", berichtet Lars Hettler. Eine Garantie, gesund zu bleiben, hätten die Empfänger nicht.

Eine besondere Freude war es für Bürgermeister Roger Kehle, dass der kleine Tobias ebenfalls einen passenden Spender gefunden hat. "Ob dies ein Spender aus der Wernauer Aktion ist, wissen wir nicht.

"Das Schicksal von Tobias geht uns allen sehr zu Herzen", sagte der Schultes. Umso erfreulicher ist es, dass die Eltern von Tobias berichten konnten, es gehe ihrem Sohn gesundheitlich gut. Einmal im Monat muss er ins "Olgäle", um sein Blut untersuchen zu lassen.

"Dass so schnell Spender gefunden wurden, ist nicht normal", berichtete Heinke Scholdei-Taut. Üblicherweise könnten die ersten Spender erst nach rund einem Jahr ausfindig gemacht werden. "Mit der großen Hilfsbereitschaft und dem Erfolg hat Wernau sämtliche Rekorde der seit 15 Jahren bestehenden Knochenmarkspenderdatei gebrochen."

Neben Lena Hermann und Lars Hettler haben durch ihre Knochenmark- oder Stammzellspende folgende Menschen geholfen: Jochen Ehnert, Andreas Fuchs, Tanja Lenz, Stefanie Lebmaier, Leszek Mazurkiwicz, Stefanie Müller, Melanie Wisocki und Jennifer Witt.

pm