Lokales

Fürsprecher aus der Bevölkerung

BEUREN Nicht anders in Beuren. Mit dem Sonnenwaldhaus aus dem Jahr 1396 (!) gibt es in Beuren das älteste bis dato bekannte Haus im ländlichen Baden-Württemberg. Auch befinden sich in Beuren die meisten Firstständerhäuser überhaupt, darunter das älteste aus dem Jahr 1403! Beuren, so das Landesdenkmalamt, hat somit den ältesten spätmittelalterlichen Hausbestand im ländlichen Baden-Württemberg.

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Aber oftmals sind diese alten Häuser die Sorgenkinder einer Gemeinde und deren Eigentümer. Denn eine Renovierung ist eine oftmals aufwendige Angelegenheit, und leider fehlt auch manchmal das Interesse und die Wertschätzung für die alten Gebäudeveteranen. Dazu gibt es dann noch Differenzen mit den Denkmalschützern, die das Besondere eines solchen Gebäudes erhalten wissen wollen. Da diese Häuser daher leider oftmals vom Verfall oder Abbruch bedroht sind, haben sich in Beuren Anfang Juli 2004 Beurener Bürger getroffen, um diese sehr unbefriedigende Situation zu erörtern. Dabei wurde angeregt, einen Verein zu gründen, um dieses Defizit aufzuarbeiten. Nach Satzungsbeschluss und der Wahl eines kommissarischen Vorstandes, wurde bereits Ende Juli der neu ins Leben gerufene Verein ins Vereinsregister eingetragen.

Diese Vereinigung zur Förderung von ortsbildprägenden und historischen Gebäuden von Beuren und Balzholz, kurz "Verein historisches Beuren e. V. VHB" will nun die Bevölkerung für ihren alten und inte-ressanten Hausschatz sensibilisieren, so der kommissarische 1. Vorsitzende Dr. Dietrich Braun. Dazu sollen Möglichkeiten gesucht werden, um ortsbildprägende und historische Gebäude vor dem Verfall und Abbruch zu retten. Wichtig ist dem VHB aber auch, dass Lösungen zu einer sinnvollen zukünftigen Nutzung solcher Gebäude gemeinsam entwickelt werden. Denn auch daran scheitert auch immer wieder eine gelungene Sanierung. Oftmals genügen auch kleine gestalterische Maßnahmen, die eine Aufwertung des Erscheinungsbildes von Haus und Straße bewirken. Dass das Wohnumfeld durch solche Sanierungen eine qualitative Aufwertung erfährt, ist den Vereinsgründern ebenso ein wichtiges und elementares Anliegen. Der Wohnwert wird gesteigert, die Menschen in den alten Dorfkernen sollen sich darin wieder wohl fühlen, wünscht sich der VHB. Damit einhergehend könne man dann den Ortskern und seine Sozial- und Kulturgeschichte in der Öffentlichkeit darstellen. Gerade in Bezug auf die weitere Kurortentwicklung von Beuren wäre dies ein für Beuren wichtiger Baustein, hin zu einem vielgestaltigen "Bad-Beuren".

Auf die Frage hin, welche Position der Verein im Fall des aus dem Jahr 1594 stammenden, vom Abbruch bedrohten Gebäudes "Rathausstraße 1" einnimmt, glaubt dieser, dass eine sinnvolle Nutzung denkbar ist. Der VHB ist der Überzeugung, dass sich dieses Haus wegen seines zentralen Standorts in der alten Dorfmitte neben dem Rathaus zum Beispiel sehr gut als "Haus des Gastes" eignen würde. Daher und wegen seines besonderen baulichen Charakters lehnt dieser einen Abbruch ab, und hatdies auch dem Petitionsausschuss beim Stuttgarter Landtag bereits kundgetan, wo eine Entscheidung für oder wider dieses Gebäudes im Herbst fallen soll.