Lokales

Funkenflug im Schloss

Grandioses Konzert zum Abschied von Musikschulleiter Arnold

Kirchheim. Keine Sorge, für die Kirchheimer Diener des heiligen Florian bestand zu keiner Minute ein Anlass zum Eingreifen: Die Funken, die am Sonntagabend durch die

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Gerhard Fink

Kapelle stoben, waren anderer Natur! Thomas Arnold und zahlreiche Kollegen der Kirchheimer Musikschule hatten zu einem Konzert geladen, das dem Abschied des langjährigen Leiters musikalischen Ausdruck verleihen sollte. Es ist eine sieghafte Demonstration kollektiver Musizierfreude geworden, die irgendwelchem Abschiedsschmerz einfach keine Chance ließ. Und an führender Stelle ein werdender Unruheständler, der seinem Temperament, seinem Klangsinn und seiner Virtuosität freien Lauf ließ.

Eröffnet wurde das Programm mit dem Mozart’schen Quintett für Bläser und Klavier, das als absolutes Spitzenwerk der klassischen Kammermusik gelten kann. Die Bläsergruppe Elke Karner-Funk, Kristin Wassmer, Eduard Funk und Ines Kassing sowie Thomas Arnold am Flügel kosteten den Farbenreichtum und die kühne Harmonik dieser Partitur voll aus: Bestens austariert das dicht gefügte Wechselspiel zwischen dem Klavierpart und den Holzbläsern, das frühromantische Flair über dem herrlichen Larghetto behutsam und klangschön ausgesponnen, die souverän bewältigte virtuose Attacke im Finalsatz, der als solcher auch einem großen Klavierkonzert gut zu Gesicht gestanden hätte. Filigranes Passagenwerk in schönstem Klavierbelcanto kontrastierte aufs Trefflichste mit den die Herztöne beisteuernden Bläserstimmen.

Ein schönes Bild ergab allein schon die Platzierung der Musiker um den aufgedeckten Flügel im Klavierkonzert F-Dur, KV 413: Schön, weil es den historischen Bildern von Aufführungen solcher Solokonzerte in der Mozartzeit entsprach, schön aber auch, weil die „Einrahmung“ des schwarzen Kolosses einen so familiären Charakter vermittelte.

Musikalisch dominierte im Kopfsatz ungetrübte Spielfreude, die das Streicherensemble Petra Klausmann, Mariola Müller, Regina Otsuka, Agathe Steiff, Takashi Otsuka, Xaver Paul Thoma, Hartmut Premendra Mayer und Rainer Frank sowie wiederum Thomas Arnold als Klaviersolist freisetzten. Emotional berührend insbesondere der Mittelsatz, der in seinem melodischen Reichtum absolut stimmig erfasst wurde. Dass man zu Beginn des Finalsatzes nicht so ganz eines Sinnes war – das klärte der „Familienrat“ in Sekunden: Ein kurzes Kopfnicken – Da Capo – und der Mozart-Express war wieder auf Kurs.

Nach der Pause dann das Eintauchen in die musikalische Romantik. Dvorˇáks spätes Klavierquintett op. 81 darf als Spitzenwerk im reichen Kammermusik-Schaffen des Meisters gelten. Die Streicherformation Petra Klausmann, Mariola Müller, Xaver Paul Thoma und Hartmut Premendra Mayer fungierten nunmehr als Ins­trumentalpartner für den Pianisten. Die scharfen Stimmungskontraste des einleitenden Allegro-Satzes wurden markant herausgearbeitet, die aufreizenden „Affektstauungen“ der Dumka mit sichtlichem Musiziervergnügen präsentiert. Der Furiant, in tollkühnem Tempo genommen, entfaltete seine unwiderstehliche Wirkung und das Finale eskalierte in einem Wirbel, der mit der lauen Tempobezeichnung Allegro absolut unzutreffend beschrieben wäre. Das Publikum im brechend vollen Saal hielt es nicht mehr auf den Stühlen: Ovationen für eine grandiose Darbietung der „Schlössle-Combo“ in ihren verschiedenen Gruppierungen und ihres virtuosen Impulsgebers am Flügel.