Lokales

Funktionales Haus für Jung und Alt

Evangelische Kirchengemeinde Nabern weiht ihr Gemeindehaus ein – Neubau neben Pfarrhaus

Dass eine Dekanin mitten in ihrer Predigt bei der Gemeinde nachfragt, kommt selten vor. Doch Renate Kath wollte es in der Johanneskirche wissen: Wann kam in Nabern das erste Mal der Gedanke auf, ein ­Evangelisches Gemeindehaus zu bauen? Es war 1972. Doch noch 36 weitere Jahre mussten sich Gruppen im kleinen „Gemeinderaum“ im Pfarrhaus, in der Schule und anderswo treffen. Nun hat die Platznot ein Ende, der gelungene Neubau im ­Pfarrgarten ist fertig.

PETER DIETRICH

Kirchheim. „Ich freue mich mit Ihnen“, sagte Kath zur Gemeinde. „Nutzen Sie, was Sie sich so lange ersehnt haben. Ich weiß, Sie werden es mit anderen teilen.“ Sehr lange hat die Kirchengemeinde treu für ihr Gemeindehaus gespart und gesammelt, für ihr großes Ziel Frühlingsmärkte veranstaltet und Adventskränze verkauft. Ein Anbau an die Kirche wurde genauso diskutiert wie die Nutzung des ehemaligen Kindergartens. Doch dann entschied sich die Gemeinde für den Pfarrgarten, direkt neben dem Pfarrhaus und gegenüber der Kirche. Am 1. September 2007 gab es den ersten Spatenstich, gemeinsam mit der Investitur von Pfarrer Paul Bosler.

Ein funktionales Haus, das nicht protzig ist: So beschrieb Architekt Helmut Kapp sein Ziel für den Neubau, der die Baugrenzen voll ausnützt, sich aber dennoch gut in die Umgebung einfügt. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die das fertigbekommen hat“, freute sich Kapp bei der gestrigen Einweihung. Noch zwei Wochen vorher war von der behindertengerechten Rampe, dem großen Glasdach und der großen Beschriftung im kirchlichen Violettton HKS 33 noch nichts zu sehen. Doch die äußerst knappe Zeit reichte, neben den Handwerkern waren bis Samstagnachmittag zahlreiche Ehrenamtliche im Einsatz. Kapp, der in der Gemeinde im Posaunenchor spielt und im Kirchenchor singt und in den Neubau viel Freizeit investierte, mittendrin.

Insgesamt 710 000 Euro, so hatte es der Kirchengemeinderat beschlossen, durfte das Gemeindehaus höchstens kosten. Durch die vielen ehrenamtlichen Einsätze, vom Baumfällen über das Dachdecken bei miserablem Wetter bis zum Verlegen des Parkettbodens, konnte diese Summe eingehalten werden. Das Geld reichte sogar für eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Sie erzeugt mehr Strom als die Pumpe verbraucht, die das Gemeindehaus per Geothermie mit Wärme versorgt.

Das Erdgeschoss des Neubaus wird vom Saal und der geräumigen Küche dominiert, deren Einrichtung günstig von einem ehemaligen Gasthaus übernommen wurde. Wenn Kirchen- und Posaunenchor künftig im Saal üben, wird sie die spezielle Akustikdecke erfreuen. Im Dachgeschoss sind zwei kleinere Gruppenräume untergebracht, von einem davon sieht der Besucher durch Fenster hinunter in den Saal – ideal für eine parallele Kinderbetreuung. Die Jugendräume sind im Untergeschoss untergebracht, sie haben eine eigene kleine Terrasse und einen eigenen Eingang. An der Theke im Foyer wurden bei der Einweihung die ersten coolen Drinks serviert.

Der symbolische Schlüssel, den Pfarrer Bosler vom Architekten in Empfang nahm, war ebenso wie das passende Schlüsselloch als Hefezopf gebacken. Beides wurden von den Besuchern mit Begeisterung verspeist. Kapps persönlicher Stil habe nicht nur das Gemeindehaus, sondern auch die Atmosphäre beim Bau geprägt, betonte Bosler: „Mit Ihnen zusammenzuarbeiten, war ein Vergnügen.“ Als kleinen Dank überreichte er Kapp ein Krawatte, gestaltet in den Farben Schwarz und natürlich HKS 33. Für das Mittagessen hatte die Gemeinde das benachbarte Gasthof Rössle um Rat gefragt, wie man denn für so viele Menschen am besten kochen könne. Daraufhin entschloss sich die Wirtsfamilie, für die Einweihung selbst Rinderbraten, Geschnetzeltes und Bratlinge zuzubereiten und die Essen komplett zu spenden.

Im Obergeschoss gab es bei der Einweihung Fotos aus der Bauphase zu sehen, später kam das Kasperle zu Besuch. Ob die Nutzfläche des neuen Gemeindehauses bei 1 032 evangelischen Gemeindemitgliedern rechnerisch für jeden die Größe einer Streichholzschachtel, eines Taschentuchs, eines Handtuchs oder eines Betttuchs ergibt, war eine von zehn kniffligen Fragen beim Gemeindehaus-Quiz. Der Gewinner darf im neuen Haus ein Fest feiern. Dieses bietet dafür rund 320 Quadratmeter Nutzfläche.

Gar nicht einfach war es für die Ehrenamtlichen der Gemeinde, beim Bau einen tonnenschweren Betonblock aus dem Garten zu entfernen, doch schließlich gelang es. Die Spuren der Außenarbeiten sind im verbliebenen Pfarrgarten noch deutlich zu sehen. Bis er ebenfalls so einladend ist wie das neue Gemeindehaus, sind noch ein paar Arbeiten nötig. Doch kein Zweifel, dass die Gemeinde diese noch erfolgreich abschließen wird. Wie war es doch im Bautrupp kurz vor der Einweihung zu hören? „I kann’s nemme sehe. Komm, mache mir des bissle au no.“

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