Lokales

Furcht vor nächtlichem Lärm durch Güterzüge

WENDLINGEN Jahrelang hatte sich der Wendlinger Gemeinderat mit der von der Bahn geplanten Schnellbahntrasse südlich der A 8 beschäftigt. Die DB ProjektBau wartete immer wieder mit neuen Plänen auf. Knackpunkt ist die Güterzugeinschleifung von der bestehenden Strecke Plochingen-Tübingen auf die neue ICE-Trasse, die das Neubaugebiet Steigäcker/Hinter den Gärten tangiert. Vertreter der Bahn stellten sich nun der betroffenen Bevölkerung.

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Unter Abwägung aller Faktoren habe man sich für die kostengünstigste und effektivste Variante entschieden, so Thomas Zieger von der DB ProjektBau. Vorgabe für die Güterzugstrecke sei die künftige Verknüpfung mit der S-Bahn nach Kirchheim gewesen. Ingenieur Rolf Uhrig erläuterte die Pläne, die ins Planfeststellungsverfahren gehen: Hinter dem Bahnhof in Wendlingen sollen die Güterzüge von Plochingen kommend die bestehende Strecke verlassen, oberirdisch am Neubaugebiet vorbeigeführt und anschließend unter der A 8 bis zur ICE-Strecke geleitet werden. Dafür muss die Landesstraße nach Oberboihingen weichen. Der Verkehr rollt dann auf der ausgebauten Heinrich-Otto-Straße auf der anderen Seite der Gleise. Das Neubaugebiet wird durch eine Unterführung auf Höhe der Sportanlagen Unterboihingen angebunden. Damit fällt der Bahnübergang Schützenstraße weg.



Rund 40 Güterzüge sollen Horst Märtterer von der ProjektBau zufolge künftig zwischen 22 und 6 Uhr mit Tempo 80 am Wohngebiet vorbeirauschen. Es würden aber keine konventionellen Züge, sondern nur die leiseren ICE-Frachtversionen mit Scheibenbremsen eingesetzt. Eine bis 2,5 Meter hohe Schutzwand sowie Gebüsch entlang der Gleise soll den Lärm dämmen. "Die Grenzwerte für die Schallimmission werden für das Neubaugebiet nicht überschritten", so der Gutachter der Bahn, Peter Fritz. Allenfalls sei das bestehende Wohngebiet betroffen, daher der Schallschutz. Das sieht der von der Stadt Wendlingen bestellte Gutachter Ulrich Möhler ganz anders. Heute schon herrschten nachts entlang der Strecke möglicherweise gesundheitsgefährdende Lärmbelästigungen. Zwar seien entlang der Schienen nur fünf Wohnhäuser betroffen. Mit der neuen Güterzuganbindung seien es dann aber 35 und der Lärm erhöhe sich. Eine längere Schutzwand müsste her. Immerhin rollen nachts dann auch auf der Bestandsstrecke mehr Züge. Nun machte sich Empörung unter den Zuhörern breit. Warum ist die Bahn von der ursprünglich angedachten unterirdischen Strecke abgerückt? Immerhin gibt es einen Gemeinderatsbeschluss, der diese Lösung fordert. Man müsse in zehn Meter Tiefe einen Tunnel bauen, außerdem sei die Ausfädelung für die S-Bahn, die auch über die Güterzuganbindung fahren könnte, zu teuer, sagte Zieger.



Trotz mehrmaligen Nachfragens hat Wendlingens Bürgermeister bis heute keine Zahlen über die Mehrkosten für die Tunnellösung bekommen. Wann der Bau beginnt, steht noch in den Sternen. Immerhin haben die Bohnackerhöfe, die der ICE-Trasse weichen müssen, eine Gnadenfrist erhalten. Erst zwei Jahre nach Baubeginn müssen die Eigentümer ihre Sachen packen.

Eine Unterführung ersetzt den Bahnübergang Schützenstraße. Güterzüge und S-Bahn verlassen hinter dem Bahnhof die bestehende Strecke, fahren unter der A 8 durch und fädeln dann in die ICE-Neubaustrecke ein. Die Landesstraße wird auf die andere Seite der Neckartalbahn verlegt. Von ihr zweigt ein Feldweg ab, der als Rettungszufahrt zur ICE-Strecke dient.