Lokales

Fußball-EM mit kommunalpolitischer Note

Michael Schlecht erreichte mit der Bürgermeister-Elf den vierten Platz

Der Traum von der Titelverteidigung ist geplatzt: Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht erkämpfte sich mit seinen Team-Kollegen bei der Fußball-Europameisterschaft der Bürgermeister im polnischen Tychy den vierten Platz.

Lenningen. „Keine Frage, der dritte Platz wäre schön gewesen – aber wir haben einen respektablen vierten Platz erreicht“, zieht Michael Schlecht eine positive Bilanz, vor allem auch im Hinblick auf das Geschehen außerhalb des Fußballplatzes, das so manche Überraschung bereit hielt – auch was die Unterbringung im Hotel anging.

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Der Teamgeist der deutschen Bürgermeister-Elf ist allen Teilnehmern positiv aufgefallen, was dem polnischen Generalkonsul gar einen Besuch wert war. Im Gegensatz zu manch anderen Mannschaften schau­ten sie sämtlichen Spielen ihrer Kollegen zu. „Wir waren ein tolle Truppe. Schon deshalb hat es Riesenspaß gemacht“, sagt Michael Schlecht. Äußerst interessant sei beispielsweise die Begegnung mit den Bürgermeistern aus der Ukraine gleich in mehrfacher Hinsicht gewesen. Die Verständigung funktionierte dank Händen und Füßen, ein paar Brocken Deutsch und Englisch auf ukrainischer Seite sowie den noch in Teilen vorhandenen Russisch-Kenntnissen eines Mitspielers aus den neuen Bundesländern. So erfuhren die Deutschen, dass von offizieller Seite in der Ukraine nichts von einem Boykott der Fußball-EM bekannt ist. „Die ukrainischen Kollegen haben auch klar zum Ausdruck gebracht, dass Julija Timoschenko zu Recht wegen Korruption in Haft sei. Hände aufhalten ist dort jedoch nicht unüblich“, erzählt Michael Schlecht. Gleichzeitig kritisieren die Ukrainer jedoch die Haftbedingungen der einstigen Ministerpräsidentin. Ihr wurde lange Zeit die medizinische Versorgung versagt.

Auch was die äußeren Rahmenbedingungen in den osteuropäischen Kommunen anbelangt, wurden die Deutschen schnell auf den Boden der Tatsachen gebracht. So erzählte beispielsweise ein polnischer Kollege, dass in seiner Schule in einem Klassenzimmer das Wasser aus dem Rohr schießt. Geld für eine Reparatur gibt es nicht, weshalb die Klasse jetzt im Rathaus unterrichtet wird. „Solche Begegnungen waren es, die diese Reise zu etwas Besonderem gemacht haben“, sagt Michael Schlecht. Außerdem legten er und seine deutschen Kollegen im knapp 30 Kilometer vom Spielort entfernten Au­schwitz einen Kranz nieder. „Ich war schon in anderen Konzentrationslagern, aber noch nie in Auschwitz – diese Zahlen lassen einen schaudern“, fasst er seine Eindrücke zusammen. „Aus sportlicher Sicht war dieser bedrückende Besuch nicht sinnvoll, aber er zeigt, dass es bei solch einer EM nicht nur um Fußball geht“, sagt Michael Schlecht. Das Pensum – zwei Spiele pro Tag mit nur einer kurzen Pause dazwischen –, das die doch etwas gesetzteren Herren zu absolvieren hatten, ging an die Substanz.

Zu Beginn des Turniers lief alles nach Plan. Das erste Spiel gegen die Ukraine gewannen die Deutschen mit vier zu eins, und Polen fegten sie gar mit zehn zu null vom Platz. Gegen Tschechien mussten sie dagegen eine Niederlage mit eins zu drei einstecken, gewannen das letzte Gruppenspiel gegen Österreich jedoch wieder mit einem klaren sieben zu zwei. Somit war das Halbfinale gegen die Slowakei erreicht. Das verlor die deutsche Elf jedoch mit null zu vier. „Das war umso bedauerlicher, weil wir zehn Chancen hatten und das Tor nicht getroffen haben“, so Michael Schlecht. Die Slowaken waren deutlich effizienter: Bei sechs Torschüssen trafen sie vier Mal. Beim Spiel um Platz drei hatten die Italiener die besseren Nerven. Nach der regulären Spielzeit stand es eins zu eins. „Uns wird eine Verlängerung erspart, deshalb kam es gleich zum Neunmeterschießen, da unser Feld kleiner ist“, erklärt der Lenninger Schultes. Drei zu eins hieß es dann am Ende für die Azzurri.

„Tschechien war klar die beste Mannschaft und ist zu Recht Europameister. Die Truppe war aber auch deutlich jünger als wir“, sagte er zur Ehrenrettung seiner Mannschaft. Das Finale gegen die Slowakei gewann Tschechien mit vier zu eins.

Ganz ohne Blessuren konnte Michael Schlecht die Heimreise nicht antreten. „Ich bekam einen ordentlichen Schlag gegen das Sprunggelenk. Um derartigen rüden Attacken ausweichen zu können – diese katzenartige Beweglichkeit von einst habe ich nicht mehr“, meint er augenzwinkernd. Dank dieser Verletzung sei er derzeit „staatsmännischen Schrittes“ unterwegs. „Ich bin aber auf dem guten Wege der Besserung“, zeigt sich Michael Schlecht optimistisch.