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Futter für wissensdurstige Kinder

Es gibt Kinder, deren Wissensdurst im Regelunterricht manchmal nicht zu stillen ist. In der Nürtinger Kinder- und Jugendakademie werden Angebote entwickelt, um einer Unterforderung dieser Kinder entgegenzuwirken. Volkshochschulleiterin Susanne Ackermann und Heide Unger, verantwortliche Lehrerin der Mörikeschule, ziehen nach einem Jahr positive Bilanz.

UWE GOTTWALD

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NÜRTINGEN Begabt zu sein, kann nicht nur Segen bedeuten. Manche Kinder ragen durch ihre Kenntnisse und ihren Hunger auf neuen Stoff zu sehr über ihre Altersgenossen hinaus. Es droht die Gefahr, zum Außenseiter zu werden, verdeutlichte Heide Unger im Kultur- und Schulausschuss des Nürtinger Gemeinderats die Notwendigkeit, diesen Kindern schon früh spezielle Angebote zu machen.

An der Nürtinger Volkshochschule geschieht dies seit einiger Zeit, und so war es kein Zufall, dass die Mitarbeiter des Amtes für Schule und Bildung die Kooperation mit dieser Bildungseinrichtung suchten. "Die Zusammenarbeit wurde schnell und unbürokratisch in die Wege geleitet", erinnert Bürgermeister Rolf Siebert an den Start im September vergangenen Jahres. Seitdem steht die Nürtinger Kinder- und Jugendakademie auf zwei Beinen.

Susanne Ackermann dazu: "Im Rahmen unseres Volkshochschulprogramms halten wir ein offenes Angebot bereit. An der Nürtinger Mörikeschule wurde die Denkwerkstatt eingerichtet". Dort treffen sich nachmittags Schülerinnen und Schüler, die über den Unterrichtsstoff hinaus in den verschiedensten Themenfeldern etwas erfahren wollen.

Die Mörikeschule ist die Kooperationsschule für das Amt für Schule und Bildung, die Denkwerkstatt ist jedoch offen für alle Grundschüler aus dem Altkreis Nürtingen, in dem auch die Volkshochschule mit zwölf Außenstellen vertreten ist. Lehrerinnen und Lehrer schlagen Kinder vor, die sie für geeignet halten. Die Kurse an der Volkshochschule dagegen werden offen angeboten, jedoch ebenfalls in Absprache mit den Schulen.

Die Nachfrage sei sehr gut und zum Teil nur durch Zusatzkurse oder in manchen Bereichen auch durch Wartelisten abzudecken, betont Susanne Ackermann. Mittelfristig sieht die Volkshochschulleiterin ein Problem darin, dass es keine geregelte Finanzierung gibt. Mit Hilfe des Lions-Clubs Nürtingen-Kirchheim, der Kreissparkassen-Stiftung und dem Energiedienstleister EnBW habe man sich zwar ein kleines finanzielles Polster schaffen können, doch außer einer Anschubfinanzierung von 2 000 Euro habe man vom Land bisher nichts zu erwarten gehabt.

Für die Denkwerkstatt wurde Heide Unger eine Deputatsstunde vom Kultusministerium zugestanden, die Stadt bringt Räumlichkeiten und Lehrkräfte in die Kinderakademie ein. Mit dem jetzigen Umfang sieht Susanne Ackermann das Engagement aber bereits an der Grenze angelangt.

Da setzt auch die Kritik aus den Reihen des Kultur- und Schulausschusses an. Peter Rauscher (Nürtinger Liste/Grüne) sieht das Kultusministerium in der Pflicht: "Wir übernehmen Aufgaben, die eigentlich originär bei der Bildungspolitik des Landes angesiedelt sind." Bürgermeister Siebert wollte dem nicht widersprechen: "Wir werden zu gegebener Zeit immer wieder darauf hinweisen, doch solange unser Aufwand noch in vertretbarem Rahmen ist und die Sponsoren bei der Stange bleiben, sollten wir das Angebot machen."

Dem stimmte auch Peter Rauscher wie alle anderen Ausschussmitglieder zu, denn schließlich steht ein solches Angebot einer Stadt wie Nürtingen gut zu Gesicht. Landesweit gibt es bisher kaum mehr als ein Dutzend solcher Kinder- und Jugendakademien. Im Landkreis Esslingen übernahm Nürtingen die Vorreiterrolle. Das Beispiel macht Schule. Jetzt hat auch die Stadt Esslingen nachgezogen.

Für Volkshochschulleiterin Susanne Ackermann hat sich die Kombination aus Denkwerkstatt und offenem Angebot als fruchtbar erwiesen. Das Kreisamt für Schule und Bildung trage das Thema Kinder- und Jugendakademie in die Schulen hinein und sensibilisiere Lehrerinnen und Lehrer für hochbegabte oder besonders interessierte Kinder. "Bisher hat man sich auf die Förderung Schwächerer konzentriert, was auch weiterhin geschieht, die Problematik besonders Begabter wurde manchmal gar nicht erkannt oder es fehlte an Möglichkeiten zu reagieren", betont Susanne Ackermann.

Positiv sieht sie auch die Kooperation von Schule und außerschulischer Bildung: "Schüler machen Lernerfahrungen nicht nur mit Lehrerinnen und Lehrern". Auch Teamarbeit, soziales Verhalten und interdisziplinäres Herangehen an einen Stoff kennzeichnen die Kursangebote der Volkshochschule ebenso wie der Denkwerkstatt und wirken der Vereinzelung entgegen. Die offenen Angebote der Kinder- und Jugendakademie sind im Volkshochschulprogramm oder unter www.vhs-nuertingen.de zu finden.