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"Ganz oder gar nicht", lautet die Devise für die Bücherei

Seit September ist die Owener Stadtbücherei geschlossen, weil die bisherige Leiterin Elfriede Tews ihre Aufgabe altershalber nicht mehr wahrnehmen kann. Jetzt befasste sich der Gemeinderat mit einem Gutachten zur Neukonzeption der Bibliothek.

ANDREAS VOLZ

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OWEN "Wir können unsere Bücherei entweder geschlossen lassen oder sie entsprechend dem Gutachten der Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen neu ausrichten", sagte Bürgermeister Siegfried Roser zu Beginn der Beratungen über die Zukunft der Owener Bibliothek und ließ dabei keinen Raum für eventuelle Kompromisse. "Ganz oder gar nicht", lautete seine Devise. Das nüchterne Ergebnis, zu dem die Diplom-Bibliothekarin Kirsten Wieczorek von der Stuttgarter Fachstelle nach ihrer Besichtigung vor Ort kam, fasste Roser folgendermaßen zusammen: "Wir können ungefähr 100 Bücher behalten, alles andere müssen wir aussortieren."

Die Konzeption, die Kirsten Wieczorek nach ihrer Bestandsaufnahme erstellt hat, geht von Öffnungszeiten zwischen vier und sechs Stunden in der Woche aus sowie von Vorlese-, Mal und Spielnachmittagen, von Ausstellungen und Autorenlesungen. Bis der Medien-Soll-Bestand von etwa 7 000, zu denen auch audiovisuelle und elektronische Medien gehören, erreicht ist, würden rund vier Jahre vergehen. Die Gesamtkosten für Personal, EDV-Einrichtung und Neuanschaffungen bezifferte Siegfried Roser anhand des Gutachtens auf etwa 200 000 Euro innerhalb dieser vier Jahre.

Das Hauptproblem am aktuellen Bestand der Owener Stadtbücherei ist die Tatsache, dass in den vergangenen zehn Jahren keine Neuanschaffungen mehr getätigt wurden. "Wir haben zehn Jahre lang nichts mehr investiert, und das holt uns jetzt ein", bemerkte Marie-Luise Ritter im Ratsrund. Trotz der hohen Kosten machte sie sich dafür stark, die Bücherei auch als Begegnungszentrum im Ort wiederzubeleben.

Günther Diez dagegen fragte sich, wer die Einrichtung überhaupt besuchen würde. Überwiegend handle es sich dabei um Mütter mit Kindern. Das eigentliche Zielpublikum sei also zwischen drei und zwölf Jahren alt. Erwachsene, die ohne Kinder in die Bücherei kämen, ließen sich pro Jahr an einer Hand abzählen, und da gelte es zu bedenken, ob die hohen Investitionen sinnvoll seien. Dem widersprach Gabriele Horer vehement: Erwachsene könnten sehr wohl wieder in die Stadtbücherei geholt werden mit einem entsprechenden Angebot an aktuellen Zeitschriften oder Reiseliteratur. Dringend erforderlich sei allerdings eine Fachkraft.

Bürgermeister Roser verteidigte Kirsten Wieczoreks Konzept, das einen Schwerpunkt bei Kindern und Jugendlichen setzt und nur etwa 30 Prozent des Medienbestands als Angebot für Erwachsene vorsieht: "Wir können keine komplette Bibliothek für Erwachsene aufbauen." Über die Kosten, die das Gutachten aufweist, sei er selbst erschrocken. Dennoch bezog er klar Stellung zu Gunsten der Bücherei: "Das ist ein Angebot, das die Bevölkerung dringendst benötigt."

Die Konsequenz einer Entscheidung für den Erhalt und die Neuausrichtung der städtischen Bibliothek bringt für Siegfried Roser eine mögliche Umgewichtung in der Maßnahmen-Rangliste der kommenden Jahre mit sich. So könnten beispielsweise gewisse Straßensanierungsarbeiten zurückstehen: "Wir müssen uns fragen, ob uns ein Straßenstück oder eine Bücherei wichtiger ist."

Wegen ihrer Tragweite hat der Gemeinderat die Grundsatzentscheidung über die Zukunft der Bücherei bis zur nächsten Klausurtagung im April verschoben. Bis dahin können sich die betreffenden Arbeitsgruppen noch eingehend mit dem Konzeptionspapier befassen.