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Ganztagesangebot an der Waldorfschule?

Der Gedanke passt in die Konzeption. Eine Schule als Ort des Zusammenseins, als Ort der Kreativität. Das Kollegium der Nürtinger Rudolf-Steiner-Schule will künftig eine Ganztagesbetreuung anbieten. Gefördert werden könnte die bauliche Umsetzung der Idee durch ein milliardenschweres Bundesprogramm. Den Antrag hat der Vorstand schon gestellt, bis Mitte des Monats müssen Entwürfe nachgereicht werden.

ANDREAS WARAUSCH

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NÜRTINGEN Die Jury der Waldorfschule wird am Samstag über die sieben Architektenvorschläge entscheiden. Eine Million Euro würde die Realisierung kosten Zuschüsse von bis zu 90 Prozent könnte das Regierungspräsidium bewilligen. Doch auch wenn die Mittel fließen: Die Entscheidung über den Einstieg der freien Schule in die Ganztagesbetreuung muss die Schulgemeinschaft erst noch treffen.

Mit einer Turnhalle fing alles an. Eigentlich mit dem Wunsch, eine zu bauen. Doch dafür gibt's kein Geld. Auch das Investitionsprogramm Zukunft, Bildung und Betreuung (IZBB), das sich der Bund bis 2007 vier Milliarden Euro kosten lassen wird, kann da nicht helfen. Bezuschusst werden nur bauliche Maßnahmen, die ausschließlich der Ganztagesbetreuung und nicht dem regulären Unterricht dienen, erklärt Stefan Trepel. Der Lehrer ist Mitglied des Vorstands der Nürtinger Waldorfschule.

Das Kollegium sprach sich für eine Ganztagesbetreuung aus. Der Vorstand hatte dann die Aufgabe, die Sache anzuleiern, wie Ingrid Dolde berichtet. Sie ist ebenfalls Mitglied des Gremiums. Zusammen mit dem Oberschulamt ging es an die Ausarbeitung eines zuschussfähigen Raumprogramms. "Das wird ganz streng rechnerisch ermittelt", sagt Ingrid Dolde. Es basiert auf dem Bedarf der Schule, die gerade 420 Schüler besuchen.

Eine Küche, in der frisch gekocht werden kann, ist vorgesehen, ebenso ein Speise- und Multifunktionsraum. Zwei Stillarbeitsräume kommen dazu, ein Bewegungsraum und ein Projektraum. Auch ein Internetcafé soll es geben und einen Spielraum. WC und Hausanschlussraum sind selbstverständliche Notwendigkeit. Die Architekten, die "quasi aus dem Stegreif", so Ingrid Dolde, ihre Beiträge beisteuerten, sind allesamt Eltern von Schülern oder von ehemaligen Schülern. Der Neubau soll sich ins bestehende Ensemble einfügen, zwischen dem Roten Haus und den Feldern.

Im Mai oder Juni entscheidet das Regierungspräsidium des Landes über die Vergabe. Mittel wurden in Aussicht gestellt, eine Zusage gab es keine. Ingrid Dolde: "Das kommt darauf an, wie voll der Topf noch ist." Deshalb war auch Eile geboten. Für den Start der Bauarbeiten hätte man ein Jahr nach der Bewilligung Zeit, bis 2008 müsste alles fertig sein. Doch selbst wenn der größtmögliche Zuschuss von 90 Prozent fließen sollte, bliebe an der Schule selbst noch eine stattliche Summe zur Eigenfinanzierung hängen. Dabei ist die finanzielle Lage der Schule nicht ganz einfach. Und: Selbstverständlich bezuschusst der Staat nur die Baukosten. Die Kosten des laufenden Betriebs müssen ebenfalls selbst getragen werden. Und wenn zusätzlicher Personalbedarf entsteht? "An eine Aufstockung des Personals ist nicht zu denken", weiß Stefan Trepel. Aber Ressourcen böten Eltern und Lehrer Letztere über ihr Deputat hinaus.

Die Schulgemeinschaft muss die endgültige Entscheidung treffen, wenn klar ist, wie viel Zuschüsse kommen. Das Kollegium indes setzt sich für die Idee ein. Überlegungen, die in Richtung eines Ganztagesangebots zielten, gab es schon länger. Nun hat man sie konkretisiert.

"Eine Ganztagesbetreuung bietet zum Beispiel mehr Möglichkeiten zur persönlichen Betreuung", sagt Stefan Trepel. Schüler und Lehrer hätten mehr Zeit, auch für persönlichen Kontakt. Auch Projektarbeiten wären unkomplizierter und in vermehrter Zahl zu realisieren. Schnelle Schüler helfen langsameren zum Beispiel im Zuge der Hausaufgabenbetreuung, einzelne Schüler könnten gezielt betreut und gefördert werden. Letztlich glauben Trepel und Co. auch, dass die Ganztagesbetreuung zu einer besseren Identifikation der Schüler mit ihrer Schule führen wird. Das soziale Klima könne sich so verbessern. Die Schule als Lebensraum ist da angedacht. Das hätte auch positive Auswirkungen auf das Verhältnis der Eltern zur Schule.

Die Zielsetzung des Kollegiums ist klar. Trepel: "Wir wollen die Kinder mit dem Ganztagesangebot nicht nur aufheben, sondern einen wirklichen pädagogischen Nutzen haben." Die Überlegungen seien also pädagogisch motiviert, nicht finanziell. Denn vom Zuschuss bleibe ja nichts übrig, stellt Trepel klar.