Lokales

Ganztagesbetreuung zunächst ganz ohne Gebühren

Die Stadt Kirchheim steigt in die Ganztagesbetreuung an Grundschulen ein: zu Beginn des kommenden Schuljahres an der Alleenschule, ein Jahr später dann an der Konrad-Widerholt-Schule. Mit im Boot sitzt jeweils die Familien-Bildungsstätte (FBS), die als Kooperationspartner für die außerunterrichtliche Betreuung die Zustimmung des Gemeinderats erhalten hat.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM "Wir müssen uns trennen vom herkömmlichen Familienbild", sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker im Gemeinderat, um in das Thema Ganztagesschule einzuführen. Die Geburtenrate gehe zurück. Zugleich machten schulische Anforderungen täglich eine längere Verweildauer in der Schule erforderlich: "Dem müssen wir uns stellen. Die Kommunen sind hier gefordert auch wenn ich meine, dass Bund und Land genauso in der Pflicht stehen."

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Mit Zuschüssen aus dem IZBB-Fördertopf des Bundes sollen die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass der Ganztagesbetrieb sowohl an der Alleen-Grundschule zum Schuljahr 2006/2007 als auch an den beiden KW-Schulen (der Grundschule und der Förderschule) zum Schuljahr 2007/2008 beginnen kann. Um auch personell auf die anstehenden Aufgaben vorbereitet zu sein, hatte die Verwaltung vorgeschlagen, mit der Familien-Bildungsstätte Kirchheim zu kooperieren.

In Vaihingen/Enz werde eine solche Zusammenarbeit mit einem externen Partner bereits erfolgreich praktiziert, führte Schulamtsleiter Steffen Weigel aus. "Wir sind dadurch deutlich flexibler", nannte er den entscheidenden Vorteil dieses Modells. Weder könne er bislang die tatsächliche Nachfrage richtig einschätzen noch sei die Haltung des Landes bezüglich der Lehrerstellen klar. Obwohl die ehrenamtlichen Betreuer, die nach dem Jugendbegleiter-Programm fest eingebunden werden sollen, "hervorragende Arbeit" leisten würden, brauche es zusätzlich Fachpersonal: "Nur mit dem Ehrenamt funktioniert es nicht." Die Familien-Bildungsstätte könne die erforderlichen pädagogischen Fachkräfte zur Verfügung stellen.

An diesem Punkt hatten die Gemeinderatsfraktionen nichts auszusetzen, weshalb sie der Zusammenarbeit mit der FBS auch nahezu einmütig zustimmten. Elmar Müller (CDU) meldete zwar Bedenken an, der Kooperationspartner könne verstärkt seine eigenen Angebote einbringen und sich eher weniger um ehrenamtliche Mitarbeiter bemühen. Aber er räumte dennoch ein: "Die Lösung kann Zukunft haben."

Was die Finanzierung des Ganztagesangebots betrifft, taten sich vor allem die Freien Wähler schwer mit dem Verwaltungsvorschlag, auch an der Konrad-Widerholt-Grundschule auf Gebühren zu verzichten. An der Alleenschule als Brennpunktschule sind Gebühren gar nicht möglich, und an der Konrad-Widerholt-Förderschule würden sie wohl ebenfalls der Idee zuwiderlaufen, die hinter dem Betreuungskonzept steckt.

Stadtrat Ralf Gerber (Freie Wähler) sprach von einem besonderen Glücksfall für diejenigen, die im Einzugsbereich der KW-Grundschule wohnen: "Andere können nur bei freien Plätzen aufgenommen werden." Außerdem befürchtete er, dass manche Eltern ein kostenloses Angebot wahrnehmen könnten, auch wenn sie es nicht unbedingt bräuchten. Auf diese Weise würden sie Plätze für Kinder aus anderen Stadtteilen blockieren, die dringend darauf angewiesen sind. Deshalb forderte Gerber, eine Gebühr von 37,50 Euro pro Kind und Monat zu erheben und die Einnahmen zweckgebunden zur Senkung der Kindergartengebühren oder auch für die Hausaufgabenbetreuung einzusetzen.

Schulamtsleiter Steffen Weigel erwiderte darauf, dass keine "Blockade" durch vorschnelle Anmeldungen zu befürchten sei. Wenn sich Eltern für das Angebot entscheiden, ist das Kind nämlich zur regelmäßigen Teilnahme verpflichtet. Angelika Matt-Heidecker verwies zudem darauf, dass schon jetzt Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet bei Bedarf die Konrad-Widerholt-Grundschule besuchen, wegen der Nähe zur Kindertagesstätte. Diese Möglichkeit bestehe auch weiterhin. Abschließend stellte die Oberbürgermeisterin fest, dass die Ganztagesbetreuung finanziell einen "enormen Kraftakt" bedeute: "Wir sind keine Kommune, die sich das so einfach leisten kann. Aber die Notwendigkeit ist da." Leider habe die Stadt nicht das Geld, um an allen Schulen ein solches Angebot machen zu können. Trotzdem werde es in Zukunft soweit kommen müssen, zeigte die Rathauschefin klar auf, wohin der Weg führen wird.

Bei der Abstimmung folgte eine Mehrheit dem ursprünglichen Verwaltungsvorschlag, zunächst auch an der Konrad-Widerholt-Grundschule auf Gebühren zu verzichten. Auf zwei Jahre wurde die Gebührenfreiheit vorerst befristet, bevor das Thema erneut auf der Tagesordnung steht. Vielleicht kommt dann bereits zum Tragen, was Andreas Kenner für die SPD als mittelfristiges Ziel formulierte: "Einkommensabhängige Gebühren an allen Schulen."