Lokales

Gastwirte befürchten Umsatzeinbußen

Sollte man das Rauchen im öffentlichen Raum gestatten oder verbieten? Auf der Straße, am Bahngleis, in der Kneipe, in Restaurants oder Büros. Kürzlich verhängte Irland für all seine Pubs ein Rauchverbot. Italien hat jetzt mit der EU-Richtlinie bereits ernst gemacht, in den Lokalen darf es keinen blauen Dunst mehr geben.

RUDOLF STÄBLER

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KIRCHHEIM Die Gastronomie bekommt "innerhalb von zehn Jahren, wenn nicht früher" ein gesetzliches Rauchverbot auferlegt. "Das ist unabwendbar", sagen die EU-Experten. Sie erwarten gleichzeitig, dass die meisten Gastronomieunternehmer auf eigene Initiative Raucher aus ihren Lokalen "vertreiben". Auch wenn es nur darum geht, teuren, schleppenden Rechtsverfahren von "mitrauchenden" Nichtrauchern zuvorzukommen. Bei der Kneipe, so wird vermutet, wird es wohl auf ein gesetzliches Verbot ankommen, bei Speiselokalen rechnet man mit der Einsicht der Besitzer. Das Rauchen soll sozusagen auf freiwilliger Basis zurückgedrängt werden.

Und obgleich die Bundesregierung derzeit nichts Entsprechendes plant, bringen Amerika- und Irland-Reisende die Diskussion auch in unsere Breiten.

Seit Oktober 2002 haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Nur in Betrieben mit Publikumsverkehr ist der Arbeitgeber zum Schutz nur insoweit verpflichtet, "als die Natur des Betriebs und die Art der Beschäftigung es zulassen." Damit ist die Gastronomie bisher (noch) vom Nichtraucherschutz ausgeschlossen. Die EU-Kommission erwägt allerdings ein absolutes Rauchverbot in Cafes und Restaurants durchzusetzen. So stellt sich die Frage, was für Konsequenzen würde dieses Verbot für die Wirtschaft haben. Obwohl insgesamt nur zehn Prozent der Deutschen rauchen, befürchten die meisten Gastronomen einen Rückgang ihrer Umsätze, wobei die Gastronomie sowieso schon unter der derzeitigen "Flaute" zu leiden hat.

Rudolf Kübler vom Kirchheimer Hotel Fuchsen glaubt nicht, dass es in Deutschland zu einer solchen Regelung kommen wird. "Eine Gaststätte lebt von der Freizügigkeit für alle Gäste." Als Problemlösung kann er sich vorstellen, in Hotels und Restaurants rauchfreie Zonen zu schaffen. Im Übrigen erinnert der Chef des "Fuchsen" daran, dass die Gastronomie bereits jetzt schon in Schwierigkeiten stecke und es sich wohl kaum leisten könne, die Raucher aus den Lokalen zu verbannen.

Die Familie Reichart vom Hotel Schwarzer Adler orientiert sich am Hotel- und Gaststättenverband. Dieser lehnt bisher das generelle Rauchverbot in Lokalen ab und wird ihrer Meinung nach dies auch weiterhin tun. Außerdem gebe es im Lokal schon seit geraumer Zeit Zonen für Nichtraucher und auch beim Hotelbetrieb sind Nichtraucherzimmer ausgewiesen.

Im Stadthotel und Restaurant Waldhorn wurden die meisten Zimmer als Nichtraucherzimmer konzipiert. Chefin Traudel Öchsle ist eine engagierte Gegnerin des blauen Dunstes und versucht mit kleinen "Tricks" dies auch ihren Gästen klarzumachen. Im Frühstücksraum des Hotels darf nicht geraucht werden, was, wie sie zugibt, manchen Gästen nicht so gefällt, aber das will sie "verteidigen." Im Lokal sind keine Aschenbecher auf den Tischen, nur wer einen verlangt, der bekommt ihn dann auch. So appelliert die Chefin an die Selbstbeherrschung der Raucher. "Es kann nicht sein, dass ein Gast sein Essen einnimmt und der andere Gast daneben eine Zigarette qualmt." Sie weist auch darauf hin, dass in ihrem Lokal relativ wenig junge Leute verkehren und so "die Raucherei sowieso etwas geringer ist." Nicht verhindern will und kann sie die Raucher bei geschäftlichen Besprechungen in ihrem Lokal. Und gleich hat sie einen Trost für die Nichtraucher parat: "Wir haben eine hervorragende Klimaanlage."

Andreas Schmelz der den "Reichsadler" in Kirchheim und die "Klamotte" in Jesingen betreibt, hält die gesamte Diskussion für eine "Lachnummer". "Die Gäste wissen doch, dass im Lokal geraucht wird und nehmen das auch, gern oder ungern, in Kauf." Im Speiselokal Reichsadler beobachtet er, dass andere Gäste durchaus Rücksicht auf die Esser nehmen, ganz anders stellt sich für ihn die Problematik in seiner "Klamotte" in Jesingen dar. "Das ist ein Feierabendlokal, da kommen die Gäste um ein Bier zu trinken, zu diskutieren und eben auch eine Zigarette zu rauchen. "Wenn die wegen dem Rauchverbot nicht mehr kommen, kann ich meine Kneipe gleich zumachen." Andreas Schmelz macht deutlich, dass er in seinem Leben noch keine Zigarette geraucht hat, "aber deswegen kann ich doch meinen Gästen an der Theke das Rauchen nicht verbieten." Abgesehen davon hat er ein Nebenzimmer, "völlig rauchfrei", in das sich die Nichtraucher zurückziehen könnten, "aber da sitzt keiner, an der Theke spielt sich das Leben ab." Zudem fragt er sich, ob es in Deutschland und Europa denn nichts Wichtigeres zu tun gibt, als in den Schwelbrand zwischen Rauchern und Nichtrauchern auch noch Brandbeschleuniger zu kippen? Gerade in Deutschland wüsste er genügend andere Probleme, unter anderem auch die fünf Millionen Arbeitslosen, um die die Politiker sich kümmern sollten.

Im "Bären" in Kirchheim erzählt Michael Holz, dass er es schon mit rauchfreien Zonen versucht, dass sich dies aber nicht durchgesetzt hat. "Wenn eine Gruppe ins Lokal kommt, dann sind da eben Raucher und Nichtraucher dabei und die kann ich doch nicht einfach trennen." Allerdings habe er auch schon Gäste beobachtet, die das Lokal wegen der "Qualmerei" verlassen haben. Aus seiner jahrelangen Erfahrung weiß er, "zum Feierabendbier gehört für viele einfach auch die Zigarette." Er ist sich sicher, dass mit einem generellen Rauchverbot in seinem Lokal erhebliche finanzielle Einbußen verbunden wären. Als feiner Beobachter hat er aber auch schon festgestellt, dass bei bestimmten Anlässen, zum Beispiel einer Weihnachtsfeier, die Gruppen sich selbst ein Rauchverbot auferlegen. Schließlich ist er froh, wenn er wieder mit der Außenbewirtschaftung starten kann, "da gibt es überhaupt keine Probleme mehr."

Wolfgang Moser, Cafe Moser in Kirchheim, nach eigenem bekunden überzeugter Nichtraucher, stünde einem generellen Rauchverbot in Lokalen positiv gegenüber. "Die Ware leidet unter der Qualmerei" weiß er zu berichten. Er befürchtet auch nicht unbedingt Einbußen beim Umsatz: "Wenn es überall verboten ist, werden die Leute schon wieder kommen." Allerdings will er nicht so rigoros Stellung beziehen. "Es muss doch ein Kompromiss zwischen Rauchern und Nichtrauchern möglich sein", hofft er. Auch er hat schon Nichtrauchertische eingeführt, eine räumliche Trennung ist bei ihm allerdings wegen der räumlichen Enge nicht möglich.

Foto: Jean-Luc Jacques