Lokales

Gaudi, Schabernack und Halli Galli

"Hecka-Heala" und "Gischbl-Weiber" die Wernauer Innenstadt war am Samstag beim großen Fasnetsumzug fest in Narrenhand. Rund 40 000 Zuschauer waren bei der Gaudi mit von der Partie.

ANKE KIRSAMMER

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WERNAU Kräuterhexen Veringenstadt, Köngener Sau Glogg Gugga, Goischter Weisau, Bad Dürrheimer Urviecher und wie die Narrenzünfte, Guggamusikgruppen und Fanfarenzüge alle hießen sie sorgten dafür, dass in Wernau bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Stimmung überkochte. "Ihr seid bollamäßig sauguat drauf", bescheinigte Zunftmeisterin Rita Zink den närrischen Zuschauern und den "Spitzbuabafängern", die in einem Polizeiwagen sicher verwahrt den Gaudi-Wurm anführten.

Wernaus Bürgermeister Roger Kehle hatte das Regiment bereits am Schmotzige Doschtig an die Narren übergeben und beobachtete mit Zylinder ausstaffiert das bunte Treiben vor seinem Amtssitz. "Hecka-Heala, Hecka-Heala, Hecka-Heala, hoi, hoi, hoi!" Mit dem Narrenruf feuerte Rita Zink nicht nur den Wernauer Büttel und Till an, sondern auch die "Herrschaft" der Stadt, die im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft verkleideten Stadträte, den örtlichen Ski- und Snowboardverein sowie die übrigen Wernauer Gruppen.

Verstärkung hatten die einheimischen Narren von teils weitgereisten Hästrägern bekommen, darunter Gruppen aus der Schweiz wie die Rapperswiler Guggenmusik Häsfäger. Aber auch Zünfte aus der näheren Umgebung reihten sich in den Zug ein: Mit den Fanfarenzügen Blau Weiß und der historischen Bürgergarde, den Höllahupfer & Rombelesweibla sowie den Karnevalsfreunden kamen aus Esslingen gleich mehrere Abordnungen. Lumpen ließen sich auch nicht die Sai-Soicher aus Bonlanden, D'Gartazwergla aus Unterensingen und die Hexabanner aus Wolfschlugen.

Um auf Betriebstemperatur zu kommen, bückten sich die Clowns, Zauberer und Cowboys auf dem Trottoir eifrig nach Bonbons, die es von den Wagen herunterschneite, andere hielten sich durch Tänze zu den schrägen Tönen der Guggen warm. Besser hatten es da die Hästräger in ihren tierischen Fell-Kostümen. "Heute haben wir wenigstens nicht geschwitzt", meinte eine Närrin aus Ohmenhausen lachend, nachdem sie ihre hölzerne Maske abgenommen hatte. Mit ihren Schellengürteln, handgeschnitzten Larven und dem passenden Fell-, Fetzen oder Schuppenhäs waren die Narren der schwäbisch-alemannischen Fasnet besonders gut vertreten. Mitunter thronten die Hexen auf Reisigbesen, die in die Luft gereckt wurden, andere büchsten aus dem Zug aus, um mit dem Publikum zu feixen. Konfetti landete nicht nur auf den Köpfen der Zuschauer, sondern wurde arglosen Zeitgenossen auch hinterrücks in den Kragen gestopft. So manches Mädchen wurde gepackt und in einen höllisch wirbelnden Käfig verfrachtet, aus dem sie erst zig Meter weiter mit einem ordentlichen Drehwurm wieder befreit wurde. Den hatten sich einige Zuschauer wohl mit dem erhöhten Konsum von Hochprozentigem seit Beginn der "fünften Jahreszeit" eingehandelt. Obwohl an offiziellen Ständen für Nachschub gesorgt war, scharten sich einige Jecken um die eigene Zapfanlage am Straßenrand. Einzelne demonstrierten ihre Vorliebe während der närrischen Tage weithin sichtbar mit einem überschäumenden bajuwarischen Bierkrug auf dem Kopf.

"Machat a bissle mit", scholl es aus den Lautsprechern, und das ließen sich die Narren von Rita Zink nicht zweimal sagen. Rätschen lärmten über den Köpfen, Schlachtrufe wie "Zapfen-Duschder" oder "Gischbl-Weiber" wurden im Chor intoniert. Zungenbrecher a la "Wolfs-Hui, Schellet dr Schelm dr Schelm schellet, Gugga wa goaht!" waren doch eher was für ganz Narrete. Die konnten sich am Samstag warmlaufen für die restlichen Tage der "fünften Jahreszeit". Noch gilt es durchzuhalten bis zum Kehraus mit Schützen-Hellau und Narri-Narro! Denn auch heuer gilt: Erst am Aschermittwoch ist alles vorbei.Mit der Kamera hat sich Oskar Eyb unter die Narren gemischt.