Lokales

Geburten, Hochzeiten und Todesfälle im "hochfürstlichen" Schloss

KIRCHHEIM Bisher nicht oder nicht mehr bekannte Archivalien und die genaue Durchsicht des von Sönke Lorenz und anderen herausgegebenen Biografischen Lexikon des Hauses Württemberg sowie des mehrbändigen Werks "Hie gut Wirtemberg allewege" von Gerhard Raff machen uns bewusst, dass die Kirchheimer Zitadelle mehr war als eben

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KARL-GEORG SINDELE

nur eine der sieben gewaltigen Landesfestungen mit martialischen Mauern oder auch als ein gelegentlicher Sitz einer alten Herzogswitwe. Die Wechselfälle des täglichen Lebens begegnen uns auch hier, wenngleich in Relation zu den rund 300 Jahren "hochfürstlicher" Nutzung des Schlosses doch recht spärlich.

Teilweise finden sich in der Zusammenschau längst bekannte Namen und Vorgänge, aber eben zuweilen auch weitgehend Unbekanntes, wobei mit weiteren Überraschungen bei der Aufarbeitung der lokalen Vergangenheit immer wieder gerechnet werden muss.

Todesfälle im SchlossBisher am bekanntesten waren auf Grund der Witwensitzfunktion die Todesfälle im Schloss. Kein heimatgeschichtliches Buch, das nicht das Sterben einer Magdalena Sybilla, einer Franziska von Hohenheim, einer Henriette oder ihres Gemahls Ludwig erwähnt hätte. Zeitlich eröffnet den Todesreigen jedoch die hier völlig unbekannte Gräfin Eva Christina.

Die 1558 in Mömpelgard geborene Tochter des Grafen Georg von Württemberg-Mömpelgard und der Landgräfin Barbara von Hessen verdankte ihr Dasein im Grunde der Angst des Herzogs Christoph vor dem denkbaren Aussterben des Hauses Württemberg und dem Übergang des Landes an Österreich. Christoph hatte seinen bald sechzigjährigen Onkel, einen Bruder seines Vaters Ulrich, nahezu genötigt, die 38 Jahre jüngere Barbara von Hessen zu heiraten. Der Ehe entstammten zwei Söhne und eine Tochter, eben Eva Christina, die zusammen mit dem noch einzigen lebenden Bruder Friedrich 1568 von der Grafschaft Mömpelgard an den Stuttgarter Hof gebracht wurde, da der Vater noch vor ihrer Geburt verstorben war und die wieder vermählte Mutter Barbara auf Grund ihrer amourösen Abenteuer als nicht sehr erzieherisch galt.

Warum sich Eva Christina 1575 in Kirchheim befand, wissen wir nicht. Es ist jedoch belegt, dass sie am 30. März 1575 zwischen 14 und 15 Uhr im Kirchheimer Schloss an einer Brustfellentzündung starb, gerade einmal 16 Jahre alt. Im Chor der Tübinger Stiftskirche wurde die christlich Erzogene und Demütige, Gottesfürchtige so die Leichenpredigt am 5. April des gleichen Jahres von Hofprediger Lucas Osiander beigesetzt. Noch heute kann man dort ihr kunsthistorisch bedeutsames und aufwändig gearbeitetes Renaissance-Grabmal bewundern.

Sie muss im württembergischen Herzogshaus folglich durchaus ge- und beachtet worden sein, zumal ihr Bruder Friedrich ja eben auch als eventueller Anwärter auf den Thron galt und schließlich 1593 auch einer der bedeutendsten Regenten Württembergs wurde und damit die oben erwähnte Sicherheitsheirat mehr als rechtfertigte.

Magdalena Sibylla

Erst 127 Jahre später ist im Kirchheimer Schloss wieder ein fürstlicher Todesfall zu beklagen. Am 11. August 1712 starb die überaus bekannte Herzogswitwe Magdalena Sibylla hier im Alter von 60 Jahren an einer ruhrähnlichen Erkrankung mit Kopfgeschwulst, nachdem sie erst 14 Tage zuvor von ihrem Remstäler Hauptwitwensitz Stetten in Kirchheim eingetroffen und wenig später auch noch von ihrem Sohn Eberhard Ludwig auf dem Sterbebett besucht worden war. Ihrem testamentarischen Wunsch, in der Kirchheimer Schlosskapelle zu ebener Erde bestattet zu werden, konnte und wollte der Hof nicht entsprechen. Stattdessen fand wie üblich eine Überführung in die Stuttgarter Stiftskirche mit Beisetzung am 1. September 1712 statt.

Kirchheim hat Magdalena Sibylla zu verdanken, dass die Franzosen die Stadt schonten und sie sich um den Wiederaufbau der abgebrannten Stadt samt Einführung einer landesweiten Steuer zu Gunsten der brandgeschädigten Kommune kümmerte.

Franziska von Hohenheim

Wiederum fast 100 Jahre später trauerte man in Kirchheim um die Witwe des Herzogs Carl Eugen, die am 1. Januar 1811 zwischen 9 und 10 Uhr nach einer schweren Unterleibs- erkrankung an einem "Nervenschlag" im Alter von fast 63 Jahren gestorben ist. Die im Lande wie auch in Stadt und Amt sehr populäre Franziska von Hohenheim wurde in einem schwarz drapierten Zimmer des Schlosses aufgebahrt unter Ehrenbewachung des Schorndorfer Regiments, das den Sarg auch zur Martinskirche eskortierte.

Ausgehend von Psalm 90, 2 und 13 hielt Dekan Pfeiffer am 6. Januar die Trauerrede und bestattete die hohe Verstorbene zwischen 3 und 4 Uhr im Chor der Martinskirche in einem zu diesem Zweck erstellten Grabgewölbe. Ihr angeheirateter Neffe, König Friedrich I., hatte die gewünschte Beisetzung in der offiziellen Grablege des Ludwigsburger Schlosses bei Carl Eugen geschickt zu verhindern gewusst, da er die gebürtige Franziska von Bernerdin als "nicht ebenbürtig" ansah.

Sie ist dadurch aber auch die einzige fürstliche Schlossbewohnerin, die in Kirchheim ihre letzte Ruhestätte fand. Doch mangels Denkmal geriet die Grabstätte bald in Vergessenheit und wurde mehr durch Zufall 1885 wieder entdeckt. Seit 1906 erinnert ein vom württembergischen Geschichts- und Altertumsverein gestiftetes rotes Carrara-Medaillon in der Martinskirche an Franziska, die 1962 in einen neuen Sarg umgebettet werden musste, da man bei einer handwerklich bedingten Öffnung der Gruft den stark zerfallenen Sarg von 1811 gesehen hatte. Im Jahre 2003 schließlich wurde mit finanzieller Hilfe des Landeshistorikers Gerhard Raff eine Bronzeplatte im Fußboden des Chores angebracht, um die Örtlichkeit der Gruft etwas genauer zu bezeichnen.

Ludwig

Bereits sechseinhalb Jahre nach Franziskas Bestattung starb Herzog Ludwig (Louis), der Gemahl der Herzogin Henriette, am 20. September 1817 in seinem Kirchheimer Alterssitz an mehreren Schlaganfällen und Brustwassersucht. Sein Leichnam wurde in einem Trauerkondukt unter Beteiligung des Louis-Jäger-Regiments, dessen Inhaber er war, nach Stuttgart überführt und am 24. September 1817 in der Württemberger Gruft der Stiftskirche beigesetzt. Anschließend war strengste Hoftrauer von sechs Wochen angesetzt, die nur durch die Feierlichkeiten zum 300. Reformationstag am 31. Oktober 1817 unterbrochen wurde. Selbst das Stuttgarter Hoftheater blieb eine ganze Woche für diesen Onkel von König Wilhelm I. geschlossen.

Henriette

Herzog Louis starb nach nur sechsjährigem Residieren in Kirchheim. Seine damals erst 37-jährige Witwe Henriette lebte und wirkte dagegen zum großen Vorteil von Stadt und Amt Kirchheim noch nahezu vier weitere Dekaden im Kirchheimer Schloss. Als letzte fürstliche Bewohnerin des Schlosses überhaupt starb sie im Alter von fast 77 Jahren ebenfalls an einem wiederholten Schlaganfall am 2. Januar 1857 in Anwesenheit ihrer Tochter Pauline, der württembergischen Königin.

Die Trauer und dies kommt auch im damaligen Teckboten schon deutlich zum Ausdruck war im königlichen Haus wie in Kirchheim und Umgebung unermesslich groß. Die königliche und die herzogliche Familie sowie die Bevölkerung konnte im Schloss am Sarg der hochverehrten Verstorbenen Abschied nehmen, bevor sie wiederum in Begleitung des früheren Louis-Jäger-Regiments ihres längst verschiedenen Mannes in einem großen, vom Stuttgarter Hof minutiös geplanten Trauerkondukt unter Glockengeläut in allen berührten Gemeinden wie Kirchheim, Plochingen oder Esslingen in die Stuttgarter Stiftskirche überführt und dort als vorletzte Angehörige des Hauses Württembergin dessen 1860 geschlossenen Gruft beigesetzt wurde.

Heiraten im SchlossViel zu wenig machte man sich bisher bewusst, dass Kirchheims Fürstensitz auch viel freundlichere Vorgänge als nur Todesfälle erlebte. Mit Recht hat die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württembergs in diesem Jahr einen Vortrag mit Schlossführung angeboten, in dem eine auch schon früher im Teckboten gewürdigte Kirchheimer Fürstenhochzeit vor 185 Jahren in den Mittelpunkt gestellt wurde.

Maria Dorothea

Die älteste Tochter von Herzogin Henriette, die nachmalige Erzherzogin Maria Dorothea (1797-1855), heiratete am 24. August 1819, den 21 Jahre älteren Habsburger Erzherzog Joseph von Österreich, seines Zeichens Palatin von Ungarn mit Sitz auf der Budapester Burg. Joseph hatte bereits zum zweiten Mal eine Frau im Kindbett verloren und suchte nun auch eine Mutter für seine zwei Jahre alten Zwillinge seiner zweiten, aus Nassau stammenden Frau, die im Übrigen eine Nichte Henriettes war.

Da der Bräutigam ein strenger Katholik und Maria Dorothea eine überzeugte Protestantin war, zuletzt mit dem förmlichen Titel einer Äbtissin des Damenstifts Oberstenfeld, musste ganz modern eine ökumenische Trauung durchgeführt werden. Der im Jahre 1819 ranghöchste katholische Würdenträger in Württemberg, Titularbischof Keller, im Übrigen der spätere erste Rottenburger Bischof, segnete das Brautpaar nach katholischem Ritus ein; Oberhofprediger Prälat d'Autel vollzog den evangelischen Trauakt in der Kirchheimer Schlosskapelle, zu dem auch König Wilhelm I. als Vetter der Braut aus Stuttgart angereist war.

Manche heben vielleicht auch übertreibend die eventuell gesteuerte politische Bedeutung dieser Verbindung des Hauses Württemberg und des habsburgischen Kaiserhauses hervor. Genealogisch bedeutsam war diese Heirat allemal, stammen doch eine Fülle heutiger Hochadelsfamilien von dem Ehepaar Joseph und Maria Dorothea ab, so beispielsweise das spanische Königshaus, die Häuser Napolon, Bayern, Sachsen, Thurn und Taxis, Croy, Arenberg, Österreich-Toscana oder Brasilien.

Amalie

Für Kirchheim unter Teck und die herzogliche Familie war es zu dieser Zeit nicht das erste Hochzeitsereignis. Auch wenn Maria Dorothea die älteste Tochter Henriettes war, hatte doch am 24. April 1817 noch zu Lebzeiten des Vaters Louis die zweitälteste Amalie (1799-1848) den Erbprinzen Joseph von Sachsen-Hildburghausen (seit 1826 Sachsen-Altenburg) geheiratet. Das Zeremoniell ähnelte dem Ablauf von 1819, nur dass hier keine Mischehe geschlossen werden musste und die Trauung in der Martinskirche öffentlich stattgefunden hat, nachdem die beabsichtigte Heirat bereits am Sonntag Misericordias domini durch Dekan Pfeiffer von der Kanzel verkündet worden war.

Beim Trauungsakt, der von Oberhofprediger d'Autel nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr vollzogen wurde, waren König Wilhelm I. und bisher weitgehend unbekannt auch die im Lande so geschätzte und so früh verstorbene Königin Katharina zugegen; ein deutliches Zeichen der großen Verbundenheit des Königspaares mit der Kirchheimer Verwandtschaft. Wie auch 1819, so musste das Brautpaar vor den zwei im Schloss anwesenden Staatsministern von Zeppelin und von der Lühe auf die Thron- und Erbfolge zum Vorteil des Mannesstammes im Hause Württemberg feierlich und schwörend verzichten.

Aus der Ehe gingen im Übrigen sechs Töchter hervor. Drei haben ebenso wie die leiblichen Kinder der Maria Dorothea zu bedeutender Nachkommenschaft beigetragen, so zu den Häusern Hannover, Griechenland (dabei auch Königin Sophie von Spanien), Mecklenburg-Schwerin, Baden, Oldenburg, Schaumburg-Lippe, Rumänien, Hessen-Kassel, Jugoslawien, Bernadotte (Mainau), Großbritannien (Prinz Philipp und seine Nachkommen).

Sophia Charlotte

Neben diesen beiden "Josephsheiraten" der Henriettentöchter Amalie und Maria Dorothea lässt sich über 130 Jahre früher noch eine Heirat präsentieren: Eine den Kirchheimern im Zusammenhang mit dem Stadtbrand wohl bekannte Witwe des Herzogs Eberhard III., Maria Dorothea (1639-1698), namensgleich mit der vorerwähnten Henriettentochter, hatte sich mit zwei Kindern um 1675 im Schloss Kirchheim niedergelassen. Die 17-jährige Tochter SophiaCharlotte ehelichte hier dann am 30. September 1688 den wettinischen Herzog Johann Georg III., seit 1686 Regent des Herzogtums Sachsen-Eisenach. Auch wird berichtet, dass das so genannte Beilager, die Hochzeitsnacht zu Kirchheim unter Teck "ohne Solennität in der Stille im Nahmen Gottes" stattgefunden hat.

Hochfürstliche Geburten Zu den freudigen Ereignissen zählen aber vor allem die Geburten. Noch in der Renaissance-Zeit kommt es mehr aus Verlegenheit und Not zu einer Kirchheimer Schlossgeburt.

Magnus

Da der württembergisch-mömpelgardische Regent, Herzog Friedrich I. (1557-1608), den Hof vorübergehend wegen der Pestgefahr von Stuttgart nach Kirchheim unter Teck verlegen musste, gebar seine Ehefrau Sibylla von Anhalt-Zerbst-Bernburg am 12. Dezember 1594 ihr dreizehntes Kind beziehungsweise ihren achten Sohn im hiesigen Schloss. Als man in der Kirche zur Taufe versammelt war, wusste der Hofprediger Osiander noch keinen Namen für den Sohn. Der Herzog reichte sodann einen schnell geschriebenen Zettel mit einem bis dahin in Württemberg unüblichen Namen. "Er soll Magnus heißen, Gott gebe, dass er in der That und Dem Namen nach groß werde!"

Prinz Magnus gewann eines Tages in Venedig Konrad Widerholt für die württembergischen Dienste und ist damit für Kirchheim von doppelter Bedeutung. Leider fiel der noch keine 27 Jahre zählende Regentensohn im Mai 1622 an der Spitze seines Regiments im markgräflich-badischen Unionsheer in der Schlacht von Wimpfen, im Kampf gegen Tilly, den berühmten Heerführer der katholischen Liga im Dreißigjährigen Krieg.

Dorothea Amalie

Dieser Dreißigjährige Krieg brachte manche wirkliche oder auch vermeintliche Gefahr für den Stuttgarter Hof mit sich, sodass man teilweise gezwungen war, längere Zeit nach Straßburg auszuweichen, aber auch 1642/43 nach Kirchheim unter Teck. Mehrere Monate hielten sich Herzog Eberhard III. und seine erste Gattin Anna Catharina von Salm-Kyrburgsamt Familienangehörigen, Hofbeamten und Hofprediger im Schloss auf. Und so kommt denn am 13. Februar 1643 zwischen 2 und 3 Uhr das Prinzesslein Dorothea Amalia zur Welt und wird am nächsten Tag bereits getauft. Das Mädchen starb jedoch bereits mit 7 Jahren im April 1650 in Stuttgart und wurde in der dortigen Stiftskirche zu Grabe getragen.

Christiane Charlotte

Auch 1694 waren wieder unruhige Zeiten: die Franzoseneinfälle hatten der oben erwähnten Herzogswitwe Magdalena Sibylla und dem für den unmündigen Eberhard Ludwig die Regentschaft ausübenden Herzogsadministrator Friedrich Carl das Leben schwer gemacht. Friedrich Carl hielt sich wenn er nicht gerade im Felde stand normalerweise am Familiensitz in Winnenden oder in Stuttgart auf. Nachdem sein Mündel Eberhard Ludwig 1693 für volljährig erklärt worden war und die Regentschaft in Stuttgart übernommen hatte, logierte Friedrich Carl und vor allem seine hochschwangere Frau für einige Zeit des Jahres 1694 auf dem partiellen Witwensitz seiner "Widersacherin" Magdalena Sibylla in Kirchheim.

Deren Schwiegermutter Maria Dorothea hatte beim Stadtbrand 1690 das Schloss in der Teckstadt verlassen und als Refugium das Nürtinger Schloss gewählt. Und so geschah es, dass am 20. August 1694 die Frau des Herzogsadministrators, eine geborene Markgräfin von Brandenburg-Ansbach, im Kirchheimer Schloss Christiane Charlotte (1694-1729) das Leben schenkte.

Zur Taufe getragen wurde sie von ihrer Stiefgroßmutter Maria Dorothea. Diese Prinzessin heiratete eines Tages im Übrigen wieder in die Heimat ihrer Mutter nach Ansbach und führte als frühzeitige Witwe viele Jahre höchst anerkennenswert und erfolgreich die Regentschaft in der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach.

Pauline

Die Reihe der fürstlichen Geburtenereignisse endete am 24. November 1819, in der Zeit der Herzogin Henriette. Deren Tochter Amalie war im August 1819 zur Hochzeit ihrer Schwester Maria Dorothea von Hildburghausen nach Kirchheim gekommen; aber fortgeschritten schwan-ger mit dem zweiten Kind, wagte sie den Rückweg nach Thüringen nicht mehr und blieb in der mütterlichen Obhut in Kirchheim, sodass der Kirchheimer Dekan Dr. Bahnmaier schließlich am 4. Dezember 1819 ein Mädchen taufen konnte, das den Namen der Tante und Taufpatin sowie späteren Königin Pauline erhielt. Das Mädchen wurde nicht sehr alt und starb bei großer Trauer von Mutter und Großmutter bereits 1825; vielleicht auch ein Grund für den geringen Bekanntheitsgrad dieser letzten Schlossgeburt.

Freud und LeidDie Zeit der Herzogin Henriette zeigte also im Unterschied zu früher gehäuft alle Wechselfälle des täglichen Lebens, nicht zu vergessen auch die Konfirmationen der Kinder 1816 und 1820 in der Martinskirche durch den Stuttgarter Oberhofprediger oder die Besuche des verwitweten Königs Willhelm I. bei seiner Cousine und zukünftigen Frau Pauline, die er im April 1820 in Stuttgart heiratete; oder die Teilnahme an der offiziellen Hoftrauer durch entsprechende Kleidung anlässlich des Todes von Verwandten oder auch das Begehen von vielen Geburtstagen.

Verursacht war diese Intensität der Wechselfälle des Lebens vornehmlich durch die Tatsache, dass eben 1811 eine Herzogsfamilie mit vielen Kindern und nicht nur eine Witwe eingezogen war und nun sich doch auch Parallelen zum Normalleben der Kirchheimer Bewohner ansatzweise ergaben.

In der nachfürstlichen Zeit, als im Schloss und seinen Nebengebäuden auch Hausmeisterwohnungen, Beamten- und Lehrerunterkünfte sowie auch Internatsräume eingerichtet waren, gab es natürlich ebenso alle vorgeschilderten Ereignisse, nur sind sie allenfalls bruchstückhaft festgehalten und unterliegen vielfach noch dem Persönlichkeitsschutz von Lebenden und familiär Betroffenen. In der Öffentlichkeit bis heute bekannt waren auf jeden Fall auch auf Grund eines noch vorhandenen Grabobelisken die 21 Soldaten, die im Schlosslazarett und in Zelten des Schlossgartens während des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 verstorben sind und mit Ehrensalven auf dem Alten Friedhof bestattet wurden.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, vor Ort vertreten durch das Pädagogische Fachseminar Kirchheim, seit vielen Jahren die Schlosskapelle zu Heiraten, Geburtstagsfeiern, Trauergottesdiensten, persönlichen Würdigungen, Jubiläen und anderen Anlässen in zunehmendem Maße vermietet. Eines kann auf jeden Fall behauptet werden: Freud und Leid hat es im Kirchheimer Schloss zu allen Zeiten gegeben.Benutzte Quellen: E-und G-Bestände des Hauptstaatsarchivs Stuttgart Kirchliche Register und R-Bestände im Stadtarchiv Kirchheim Teckbote Ausgewählte Literatur: Beiträge zur Heimatkunde des Bezirks Kirchheim, diverse Jahrgänge Decker-Hauff, Hansmartin: Frauen im Hause Württemberg, Leinfelden-Echterdingen, 1997 Lorenz, Sönke...: Das Haus Württemberg, Stuttgart, 1997 Raff, Gerhard: Hie gut Wirtemberg alle wege, Bd. I-III, Stuttgart, 1988, 1993, 2002 Oehler, Eberhard K.: Maria Dorothea v. Württemberg, Metzingen, 2003 Pfister, A. v.: Herzog Magnus v. Württemberg, Stuttgart, 1891 Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck, diverse Jahrgänge Schoepl, H. F.: Die Herzoge von Sachsen-Altenburg, Bozen, 1917, Nachdruck Altenburg, 1992 Schukraft, Harald: Die Grablegen des Hauses Württemberg, Stuttgart, 1989 Sindele, Karl-Georg: Chronologische Geschichte des Kirchheimer Schlosses und seiner Anlagen, Kirchheim unter Teck, 1998 Westermayer, Albert: Die Grabdenkmäler der Stiftskirche zu St. Georg in Tübingen, Tübingen, 1912.