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Gedankenaustausch bringt "Hexendrähte" im Nu zum Glühen

Der "Durchmarsch der Stöckelschuhe" steht zwar noch aus, doch machte Gundula Englisch im Kirchheimer Schloss ihren Zuhörerinnen Mut: "Frauen sind die Gewinner der nächsten Wirtschaftsepoche!" Mit einem visionären Vortrag voll Witz und Optimismus stärkte die Münchner Filmemacherin das Selbstbewusstsein der Unternehmerinnen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Das Kirchheimer Schloss bot als einstiger Witwensitz den geeigneten Rahmen für die Unternehmerinnen-Gespräche, zu denen die Stadt Kirchheim gemeinsam mit der Volksbank Kirchheim-Nürtingen und dem Wirtschaftsministerium des Landes geladen hatte. Stefani Korn vom Ministerium freute sich über das große Interesse in der Teckstadt. Sie betreut das Projekt Unternehmerinnen in Baden-Württemberg, das nun schon im vierten Jahr Frauen im ganzen Land Impulse und Starthilfe auf dem Weg in die Selbstständigkeit gibt.

An die hundert Frauen waren der Einladung ins Kirchheimer Schloss gefolgt und lauschten dem Vortrag des Münchner Multitalents Gundula Englisch über Erfolgsfaktoren der Zukunft, ehe sie sich dem "Netzwerken" widmeten. Dass diese Aktivität des intensiven Kontakte-Knüpfens unter Männern schon immer als Erfolgsrezept galt, jedoch bei Frauen kritisch beäugt wurde, hat Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker im Rahmen ihrer politischen Aktivitäten erfahren, wie sie in einer Anekdote am Rande zum Besten gab. So sei sie einstens nach schnell erfolgter Kommunikation unter Frauen von einem Mann gefragt worden, ob denn der "Hexendraht" geglüht habe. Dass die Hexendrähte möglichst intensiv glühen mögen, war denn auch der Wunsch, den die Oberbürgermeisterin den Anwesenden mit auf den Weg gab. Selbstbewusst betonte sie, dass Kirchheim dafür beste Voraussetzungen biete. Die Tradition des Witwensitzes, die Existenz einer Oberbürgermeisterin, demnächst einer Wirtschaftsförderin und einer Volkshochschulleiterin führte sie als Belege dafür an, dass hier durchaus eine "weibliche Sprache" herrsche.

Gundula Englisch spann den Bogen weiter über ganz Deutschland, das nicht nur über eine Bundeskanzlerin, sondern auch über eine Damenfußballmannschaft mit Weltmeistertitel verfüge. Die Stärken der Frauen bergen ihrer Meinung nach die zukunftsentscheidenden Fertigkeiten, nämlich Wissen, Neugier, Leidenschaft, Kommunikation und Emotion. Geschäftsideeen müssten den Menschen wirklich nützen, und die beste Innovation sei die, die Kompliziertes vereinfache. Das komme weiblichem Denken entgegen. Die Zukunft sei geprägt vom "She-Business", was kooperieren statt verdrängen, teilen statt raffen bedeute. Dass sich viele Frauen im aktuell rauen Wind der Wirtschaft in "weibliche Komfortzonen" zurückzögen und vor unternehmerischem Engagement zurückschreckten, sei vielleicht verständlich, aber nicht klug: "Wir Frauen sollten unsere Trümpfe einsetzen."

Abschließend machte die Journalistin, die auch Geschäftsführerin der Future Live GmbH ist, deutlich, dass Spaß und Lebensfreude auch einen hohen Stellenwert haben müssen. "Die Zukunft ist eine Tanzfläche, auf der sich mit Lust das unternehmerische Tanzbein schwingen lässt!"

Flugs entwickelte sich im Anschluss an den Vortrag eine angeregte Diskussion über Führungsstile und viele andere Aspekte. Die "Hexendrähte" färbten sich schon rot, ehe noch die zweite Runde der Thementische mit verschiedenen Fachfrauen startete. Die Gelegenheit zum Gedankenaustausch wurde eifrig genutzt. Zu abendlicher Stunde wurden die Teilnehmerinnen von Ulrich Weiß, dem Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Kirchheim-Nürtingen, zur Besichtigung der Ausstellung "Unternehmerinnenportraits" in den Räumen der Volksbank empfangen. Die Ausstellung ist noch bis zum 2. März in Kirchheim zu besichtigen.