Lokales

Gedankenaustausch mit Architekten

Erstmals hat in Kirchheim ein "Architektengespräch" stattgefunden, bei dem sich Vertreter der Stadtverwaltung und 33 Architekten an einem Tisch versammelten. Fragen zur Stadtentwicklung standen im Mittelpunkt.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Bürgermeister Günter Riemer zeigt sich begeistert über die Resonanz: 50 Architekten aus Kirchheim und Umgebung waren eingeladen, 33 kamen. "Wir wollen mit allen Kollegen im Gespräch sein", sagt der Bürgermeister, der selbst gelernter Bauingenieur ist. Die neue Gesprächsrunde bedeutet auch ein Stück weit Imagepolitur, stand doch die Stadt bisher nicht gerade im regen Dialog mit der Architektenschaft.

Gestaltungsfragen und Überlegungen zur nachhaltigen Stadtentwicklung standen beim ersten Treffen ebenso im Blickfeld wie Organisatorisches. Weiter soll das Gespräch Know-how über das Procedere und die Zwänge bei Genehmigungsverfahren vermitteln. Andererseits kann auch die Stadt wertvolle Impulse erhalten. Riemer nennt ein Beispiel: "Jeder will eine familienfreundliche Stadt. Doch die Frage ist: Was ist das letztlich und vor allem mit welchen Rezepten kann man das erreichen?" Die Themen Stadtentwicklung und, damit verbunden, zunehmende Altbausanierung oder Wiederbelebung und Umwidmung von Industriebrachen beschäftigen auch die Architekten stark, wie Karl-Albrecht Einselen betont, seines Zeichens Vorsitzender der Kammergruppe Esslingen II der Architektenkammer Baden-Württemberg. "Wir müssen das Wohnen wieder mehr in die Stadt hineinholen", offenbart er eine wichtige Erkenntnis aus Architektensicht. Die Weichen entsprechend zu stellen, ist wiederum eine politische Aufgabe. Steigender Wert soll auch auf den Erhalt der "ortsspezifischen Vielfalt" gelegt werden, wovon sich die Architekten weniger Reglementierung erhoffen.

Natürlich ist die Stadt auch als Auftraggeber für die derzeit arg gebeutelte Branche der Architekten attraktiv. "Der Hochbau in Kirchheim hat Nachholbedarf", skizziert Riemer ein Problemfeld, das wegen seiner finanziellen Auswirkungen auf den Nägeln brennt. Rund 30 Millionen Euro, so die vage Schätzung, müssen im Laufe des kommenden Jahrzehnts investiert werden. Viele der etwa 160 städtischen Immobilien sind in die Jahre gekommen. Außerdem spielen die ständig steigenden Energiekosten eine große Rolle und legen Sanierungsmaßnahmen nahe.

Architekten und Verwaltungsvertreter haben sich auch über ganz konkrete Schritte unterhalten, die die gemeinsame Arbeit erleichtern könnten. So sollen langfristig Bebauungspläne ins Internet gestellt werden und somit für jedermann ohne Gang zum Rathaus einsehbar sein.

Das erste Architektengespräch wird bald eine Fortsetzung finden und dann jährlich stattfinden. Die Ergebnisse fließen in die Arbeit des Technischen Ausschusses des Kirchheimer Gemeinderates ein. Außerdem ist langfristig die Einrichtung eines "Gestaltungsbeirats" geplant.