Lokales

Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs

KIRCHHEIM Am Sonntag, 19. Juni, führt um 19 Uhr der Chor der Martinskirche zusammen mit dem Orchester "arcademia sinfonica" von Johann Sebastian Bach die Kantate "Gloria in excelsis" sowie Frank Martins Oratorium "In terra pax" aus dem Jahre 1944 auf. Die Solisten sind Silke Schwarz, Sopran, Kathrin Koch, Alt, Andreas Weller, Tenor, David Pichlmaier, Bariton, und Ulrich Maier, Bass. Mit diesem Konzert verabschiedet sich Bezirkskantor Samuel Kummer von seinem Kirchheimer Publikum.

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"In terra pax", ein Zentralwerk des Schweizer Komponisten Frank Martin, erklingt nach 60 Jahren erstmalig in der Martinskirche. Das vierteilige Werk (11-Sätze, Dauer 50 Minuten) für groß besetztes Orchester wurde 1944 als Antwort auf die Schrecken und Feindseligkeiten des Zweiten Weltkriegs komponiert. Mit allen klanglichen Raffinessen, die das große Orchester aufzubieten hat ausgehend von Ravelscher und Debussyscher Tonsprache greift das Werk behutsam in die Moderne über werden Texte aus Jesaja, der Apokalypse des Johannes und aus den Evangelien verlebendigt.

Das Affektive steht im Vordergrund. Die Hörerinnen und Hörer sollen unmittelbar gepackt werden. Frank Martin belässt es nicht bei der Schilderung der Schrecken aus der Apokalypse (Erster Teil). Der zweite Teil ist der Bitte um Erbarmung und Hoffnung auf Frieden gewidmet. Die Musik wird versöhnlich. Der dritte Teil basierend auf Texten aus Jesaja, Matthäus und Lukas weist auf den Friedensbringer, den Messias hin. Er endet mit der vielleicht tiefgehendsten Vaterunser- Vertonung der Spätromantik und Moderne. Der vierte Teil (Texte aus der Apokalypse) ist eine Vision der himmlischen Stadt. Sie gipfelt in dem Lobgesang "Heilig, heilig, heilig".

Europa 1944 die Amerikaner sind in der Normandie gelandet, Frankreich wird befreit. In der neutralen Schweiz wird das Zeitgeschehen aufmerksam beobachtet. Ein Waffenstillstand scheint so greifbar nah, dass der Direktor von Radio Genf ein Vokalwerk in Auftrag gibt, das zu diesem Ereignis gesendet werden soll. Komponist ist der Schweizer Frank Théodore Martin, ein gleichermaßen humanistisch gebildeter Weltbürger wie tiefgläubiger Mensch.

In nur drei Monaten schreibt er das Oratorium "In terra pax", das er später sein persönlichstes Werk nennen wird und das ihn zu einer der zentralen Persönlichkeiten des europäischen Musiklebens nach 1945 macht.

Auch in Johann Sebastian Bachs lateinischer Kantate für den ersten Weihnachtsfeiertag "Gloria in excelsis deo" ein Auszug aus dem Gloria der Messe in h-Moll begegnet dem Publikum die unablässige Bitte um Friede.

Vorverkaufskarten für das Abschiedskonzert von Bezirkskantator Samuel Kummer sind ab sofort erhältlich bei der Evangelischen Kirchenpflege, Widerholtplatz 4, Telefon 0 70 21 / 92 03 00.

pm