Lokales

Geduldig einen soliden Beruf erlernen

„Schule und Wirtschaft als Partner“: Informationsbörse des BDS an der Teck-Realschule zum Thema „Ausbildung“

Dass die Schule durchaus auf das spätere (Berufs-) Leben vorbereitet, zeigte sich bei der Informationsbörse an der Kirchheimer Teck-Realschule: BDS-Mitglieder informierten Neuntklässler und deren Eltern über Ausbildungsberufe, die sich im Anschluss an die Schulzeit anbieten könnten.

Andreas Volz

Kirchheim. „Voraussetzung ist ein gutes Hauptschulzeugnis oder ein guter Realschulabschluss“ – „Realschulabschluss, gerne ein guter“: Solche Äußerungen zeigten den Neuntklässlern der Teck-Realschule, dass es für den weiteren Lebensweg von enormer Bedeutung ist, was sie in der Schule lernen und wie sie dort abschneiden. Der Umgang mit verschiedenen Materialien und Stoffen in handwerklichen Berufen, das Arbeiten am PC, das Schreiben von Briefen oder der direkte Kontakt mit Kunden – für alle diese Anforderungen der späteren Arbeitswelt legt die Schule Grundlagen.

Schule und Wirtschaft arbeiten somit schon immer Hand in Hand, auch wenn vonseiten der Wirtschaft in letzter Zeit immer öfter Klagen zu hören waren, wie schlecht Schulabgänger auf das Arbeitsleben vorbereitet seien. In Kirchheim sucht die Wirtschaft dagegen die konstruktive Zusammenarbeit: Der Stadtverband des Bunds der Selbständigen (BDS) hat den Arbeitskreis „Schule und Wirtschaft als Partner“ (SWaP) ins Leben gerufen, um Schulen und Betriebe stärker miteinander zu verzahnen und um den Übergang von der Schule zur Berufsausbildung zu erleichtern.

Bei der Informationsbörse an der Teck-Realschule stellten fünf unterschiedliche Betriebe – AOK Neckar-Fils, Heimisch Kommunikation, Metzger Ingenieure, Schreinerei Leibiger und Auto Schmauder – eine Vielzahl unterschiedlicher Ausbildungsberufe vor: kaufmännisch, handwerklich oder eher gestalterisch orientierte. Die Referenten nannten wichtige Eckdaten wie Ausbildungsdauer, Ort und Organisation der Berufsschule, Voraussetzungen oder Tätigkeitsfelder. Auch Aufstiegschancen spielten eine Rolle.

Was wahrscheinlich in allen Berufen gleichermaßen von Bedeutung ist, auch wenn es die Schule nicht wirklich lehren kann, brachte Thomas Oßwald von der Schreinerei Leibiger auf den Punkt: „Man muss geduldig sein, das ist oft ein Problem bei der Jugend.“ Zum Dienst am Kunden gehöre es, Arbeiten möglichst zügig auszuführen. Ein verlässlicher Feierabendtermin gelte deshalb nicht für jeden Arbeitstag: „Auszubildende müssen dann eben noch etwas fertig machen und können nicht sofort zum Fußball rennen.“

Außerdem komme es durchaus vor, dass Auszubildende über Wochen hinweg immer dieselben Tätigkeiten ausüben müssen, die sie eher als langweilig einstufen. Davon berichtete auch Bettina Schmauder, als sie von der Ausbildung für Fahrzeuglackierer sprach. Die Berufsbezeichnung könnte in diesem Fall leicht in die Irre führen: „Die Azubis lackieren nur wenig.“ In der Ausbildung gehe es vielmehr um die Vorbereitung der eigentlichen Lackierarbeit. Schleifen und Grundieren stünden dabei im Vordergrund.

Generell brauchen Auszubildende im Kfz-Handwerk einen längeren Atem und mehr Geduld als in den meisten anderen Berufen. Das erste Ausbildungsjahr ist für sie nämlich ein reines Berufsschuljahr. Praktisches Arbeiten im Betrieb steht erst vom zweiten Ausbildungsjahr an auf dem Programm, zu dem auch erst der eigentliche Ausbildungsvertrag in Kraft tritt. Im ersten Ausbildungsjahr gibt es deshalb auch nur eine Art Taschengeld. Letzteres können sich die Azubis aber mitunter durch ihre Leistungen in der Berufsschule aufbessern, weil manche Betriebe Prämien für gute Noten zahlen. Ohnehin betonte Bettina Schmauder in der Teck-Realschule: „Wie man sich im Betrieb anstellt, ist wichtig. Aber auch in der Schule muss sich ein Lehrling engagieren. Es liegt in erster Linie am Azubi selbst, wie gut seine Übernahmechancen sind.“

In der Werbebranche wiederum, die Gerd Heimisch in der Teck-Realschule als „Branche mit Zukunft“ bezeichnete, gebe es auch gute Chancen für Quereinsteiger. Trotzdem riet der Werbe-Fachmann zur Bodenständigkeit: „Ich halte es für richtig und wichtig, einen Beruf gelernt zu haben. Man kann später trotzdem alles Mögliche machen und versuchen. Aber einen ,soliden‘ Beruf zu erlernen, das schadet auf keinen Fall.“

Den Nutzen der soliden Ausbildung teilen sich Betriebe und Auszubildende. „Die Firmen suchen ja Leute. Ausbildung ist ein wichtiges Thema und ein Wirtschaftsfaktor“, meinte Matthias Bankwitz in einem ersten Resümee zur Informationsbörse. Sein Architektur-Büro ist einer der BDS-Patenbetriebe für die Teck-Realschule. Das SWaP-Ziel, Schule und Wirtschaft zusammenbringen, sieht er durch diese Informationsveranstaltung auf jeden Fall schon erreicht. Durch persönliche Bekanntschaft lasse sich nämlich vieles leichter regeln, was sonst eher umständlich ist – beispielsweise wenn eine Schule noch dringend Stellen für BORS- oder BOGY-Praktika sucht.

Die Idee des BDS bestehe darin, einmal im Jahr an allen Kirchheimer Schulen in ähnlicher Weise präsent zu sein, sagte Matthias Bankwitz. Das Konzept lässt sich weiterentwickeln, sodass künftig noch mehr Schüler mit ihren Eltern teilnehmen. Schulleiter Wolfgang Wörner zumindest hätte sich schon jetzt eine größere Teilnehmerquote für die erste Informationsbörse an seiner Schule gewünscht.

Anzeige