Lokales

Gefährliches Wochenende für junge Fahrer

Die Gefährlichkeit von Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss wird von vielen Autofahrern immer wieder unterschätzt. Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert geistige und körperliche Fitness. Diese wird durch den Konsum von Alkohol oder Drogen erheblich eingeschränkt.

KREIS ESSLINGEN Wer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss fährt, gefährdet sich selbst und andere macht die Polizei deutlich. Er riskiert ein Straf- oder Bußgeldverfahren, den Verlust seines Führerscheins, ein Fahrverbot sowie empfindliche Geldstrafen. Eine weitere Folge können ein Eintrag ins Strafregister oder Punkte in Flensburg sein. Außerdem sind hohe Schadensersatzforderungen, Schmerzensgeld oder Rückzahlungen an die Versicherungen möglich.

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Im vergangenen Jahr war im Kreis Esslingen bei einem Drittel der Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang Alkohol im Spiel. Insgesamt ist die Zahl der Alkoholunfälle um knapp neun Prozent auf 339 angestiegen. Die alkoholbedingten Unfälle ereigneten sich hauptsächlich an den Wochenenden in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Dabei sind junge Fahrer häufig die Unfallverursacher. Folgen des Alkoholkonsums sind beispielsweise verändertes Bewusstsein, gestörte Wahrnehmung, Teilnahmslosigkeit, verminderte Reaktionsfähigkeit bis hin zu körperlichen Aggressionen. Diese Reaktionen können schon bei einem geringen Blutalkoholwert auftreten und beeinträchtigen das Fahrverhalten einer Person negativ. Die Promillegrenze liegt in Deutschland bei 0,5 Promille. Ab diesem Promillewert Alkohol im Blut begeht man eine Ordnungswidrigkeit. Aber auch mit weniger als 0,5 Promille kann man sich nicht beruhigt hinters Steuer setzen.

Ab 1,1 Promille nimmt der Gesetzgeber absolute Fahruntüchtigkeit an. Der betrunkene Autofahrer muss mit einer empfindlichen Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Außerdem wird ihm die Fahrerlaubnis für mindestens sechs Monate (bis zu mehreren Jahren) entzogen und sein Punktekonto in Flensburg wird um sieben Punkte aufgestockt. Wer 1,6 Promille oder mehr im Blut hat, muss sich zu den oben genannten Folgen noch einer medizinischen-psychologischen Untersuchung (MPU) unterziehen. Erst dann kann die Fahrerlaubnis wiedererteilt werden. Auch wer ein Fahrrad im Verkehr fährt, obwohl er aufgrund von Alkohol- oder Drogenkonsum fahruntüchtig ist, begeht eine Straftat. Die absolute Fahruntüchtigkeit liegt hier bei 1,6 Promille.

Ein immer größer werdendes Problem stellt der Konsum illegaler Drogen im Straßenverkehr dar. Im vergangenen Jahr starb bei einem Unfall in Plattenhardt ein junger Mann, der unter dem Einfluss von Drogen stand. Anders als beim Alkohol gibt es bei den Drogen noch keine Grenzwerte. Eine Fahrt unter Drogeneinfluss, geregelt im Straßenverkehrsgesetz, stellt ein abstraktes Gefährdungsdelikt dar, eine mögliche Einschränkung der Fahrtüchtigkeit ist hier ausreichend. Allein die Feststellung bestimmter Stoffe im Blut reicht aus, sich mindestens einer Ordnungswidrigkeit strafbar zu machen. Cannabis, Heroin, Kokain, Amphetamine und Designer-Drogen sind solche verbotene Substanzen. Letztes Jahr zählten die Beamten der Polizeidirektion Esslingen insgesamt 26 Verkehrsunfälle, bei denen die Autofahrer unter dem Einfluss von Drogen standen. Ein junger Mann wurde getötet, zwei Personen zogen sich schwere Verletzungen zu und neun Verkehrsteilnehmer wurden leicht verletzt.

Von speziell geschulten Teams bei der Verkehrspolizei und den Polizeirevieren wurden im vergangenen Jahr intensive Kontrollen durchgeführt. 340 Verkehrsteilnehmer, bei denen der Verdacht auf Drogenbeeinflussung bestand, mussten eine Blutprobe abgeben. Ein positiver Befund stellte sich in 241 Fällen heraus. Die Betroffenen erhielten ein Fahrverbot oder ihnen wurde sogar die Fahrerlaubnis entzogen. Wer als Führerscheinbewerber oder Fahranfänger in Verdacht gerät, Drogenkonsument zu sein, kann von der Führerscheinstelle aufgefordert werden, durch eine behördlich angeordnete Untersuchung seine Drogenfreiheit nachzuweisen.

Beamte des Verkehrserziehungsdienstes, des Rauschgiftdezernats sowie ihren Rauschgifttrupps führten im vergangenen Jahr viele Präventionsveranstaltungen im Landkreis durch. Mit dem Alkohol- und Drogenstand, dessen Zielgruppe "Junge Fahrer" sind, veranstalteten Beamte der Verkehrserziehung an insgesamt zwölf Berufsschulen oder Gymnasien Verkehrssicherheitstage. Sie informierten die Fahranfänger über die Gefahren von Drogen- oder Alkoholkonsum im Straßenverkehr. Außerdem beteiligten sich die Verkehrserzieher an Sicherheitstagen bei einigen Firmen im Kreis.

Seit Ende letzten Jahres bereisen die Beamten der Verkehrserziehung zudem mit ihrem neuen Alcopops-Stand Schulen im ganzen Landkreis. Jugendliche können sich an dem Stand und anhand von Broschüren über die hochprozentige Wirkung dieser alkoholhaltigen Mixgetränke informieren. Beamte des Rauschgiftdezernats und der Rauschgiftfahndungstrupps der Reviere führten im vergangenen Jahr insgesamt 59 Präventionsveranstaltungen durch. Ziel ist es, junge Erstkonsumenten rechtzeitig in ein Präventionskonzept zu bringen, um so dem Übergang vom so genannten "Probierverhalten" zur Abhängigkeit entgegenzuwirken.

lp