Lokales

Gefälschter TÜV

Die Kripo Göppingen führt seit Wochen ein umfangreiches Verfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung gegen eine Tätergruppe aus dem mittleren und unteren Filstal. Ihnen wird vorgeworfen, massenhaft TÜV-Gutachten gefälscht und damit einen schwunghaften Gebrauchtwagenhandel betrieben zu haben.

GÖPPINGEN/ESSLINGEN Die Ermittler sind sich sicher, dass noch eine große Zahl von Autos mit derartigen Zulassungen in den Kreisen Göppingen, Esslingen und der Region unterwegs sind. Es ist zu befürchten, dass diese Fahrzeuge erhebliche Mängel haben und ein Gefahrenpotenzial im Straßenverkehr darstellen könnten. Auf die Spur der sieben Männer im Alter zwischen 19 bis 33 Jahren, darunter zwei Gebrauchtwagenhändler aus dem unteren Filstal, ist die Polizei nach einem Schadensfall gekommen.

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In einem Ford Fiesta, den sich ein 18-Jähriger im März gekauft hatte, platzte plötzlich ein Bremsschlauch. Den Wagen hatte er bei einem Gebrauchtwagenhändler in Holzmaden allerdings nicht bei einem Fachhändler mit angeblich frischem TÜV für 2 000 Euro erworben und beim Landratsamt in Göppingen zugelassen. Die aufkommenden Zweifel des jungen Mannes an der Qualität seines Kleinwagens nach dem "Schlauchplatzer" waren berechtigt. Um sicher zu gehen, führte er schließlich den Fiesta bei einer TÜV-Prüfstelle vor, die erhebliche Mängel feststellte.

Außerdem wurde der ursprüngliche Untersuchungsbericht, den er von dem Gebrauchtwagenhändler erhalten hatte, als Totalfälschung entlarvt. Die daraufhin von der Kripo Göppingen eingeleiteten Ermittlungen führten zu den sieben Männern, die sich mit der Fälschung von Prüfbescheinigungen eine zusätzliche Einnahmequelle verschafft hatten. Dieser Tage wurden zwölf Objekte, die im unteren Filstal und in angrenzenden Städten und Gemeinden im Kreis Esslingen liegen, durchsucht. Dabei konnten umfangreiche Beweismittel wie weitere gefälschte TÜV-Berichte, Computer und Drucker sichergestellt werden. Die PCs dienten zur Herstellung der Fälschungen.

Als Hauptbeschuldigter stellte sich ein 30-jähriger Türke aus Göppingen heraus, der die falschen Dokumente mit seinem Computer ausdruckte. Die erforderlichen Stempel ließ er sich im Urlaub in Istanbul herstellen. Der 30-Jährige arbeitet bei einem Autohaus in einer Stadt im unteren Filstal. Nach seiner Festnahme räumte er rund 100 Fälle ein, in denen er für seine Auftraggeber aus den Landkreisen Göppingen und Esslingen TÜV-Berichte, Gutachten, Teilegutachten und TÜV-Abnahmen fälschte. Die anderen Tatverdächtigen sind ebenfalls rund um den Kfz-Handel tätig. Die Ermittlungen bei den Autohändlern dauern noch an. Die Zulassungsstellen der Landratsämter sind von der Polizei informiert worden.

Jetzt ruft die Göppinger Polizei Fahrzeughalter, die in den letzten zwei Jahren ein gebrauchtes Auto gekauft und nicht selber beim TÜV vorgeführt haben, zu erhöhter Vorsicht auf. Sie sollten die Prüfbescheinigungen auf folgende Fälschungsmerkmale prüfen: Ausstellungsort ist "TÜV Esslingen", der "TÜV-Rundstempel" trägt die Nummer 67398 und als Prüfer ist ein "Herr Lange" eingetragen. Auf dem Kfz-Schein ist der rechteckige TÜV-Stempel ebenfalls mit der Nummer 67398 versehen. Personen, die im Besitz solcher Fälschungen sind, werden gebeten, sich umgehend mit der Polizeidirektion Göppingen unter der Telefonnummer 0 71 61/63-20 50 in Verbindung zu setzen.

Polizei und Staatsanwaltschaft betonen ausdrücklich, dass sich bei den Ermittlungen keinerlei Anhaltspunkte für etwaige Versäumnisse bei TÜV-Prüfstellen oder Zulassungsstellen der Landratsämter ergeben haben.

lp