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"Gefiederte Blätter Egrische Federbilder"

Anlässlich des 55. Vinzenzifestes und dem 32. Egerländer Landestreffen gibt es auch in diesem Jahr wieder ein besonderes Schmankerl für alle Kunstinteressierten.

RUDOLF STÄBLER

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WENDLINGEN Vom 25. August bis 28. September ist in den Fluren des Wendlinger Rathauses die Ausstellung "Gefiederte Blätter Egrische Federbilder" zu sehen. Die Ausstellung wird am kommenden Freitag, 25. August, 11 Uhr, im Rathaus feierlich eröffnet. Dr. Ralf Heimrath, Leiter des Oberpfälzer Freilandmuseums Neusath-Perschen, führt in die Ausstellung ein.

Die Einzigartigkeit der seltenen Federbilder, die Vögel aus Federn abbilden, liegt darin, dass ihre Entstehung und Herstellung an einen ganz bestimmten Ort gebunden sind, nämlich an die Stadt Eger.

Als "Erfinder" des Federbildes gilt der 1742 vermutlich in Eger geborene Pater Hieronymus Trötscher. Vielleicht hat er in einer Kunstkammer einmal eins der berühmten mexikanischen Federbilder gesehen oder er besuchte das Schloss Moritzburg in Dresden, in dem es ein ganzes Federzimmer gibt. Auf jeden Fall nahm die Egerer Malerzunft die Idee auf und mehrere Familienbetriebe spezialisierten sich ganz auf die typisch biedermeierlichen Kunstwerke, deren Blütezeit vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts reichte. Händler und Hausierer haben diese Werke in Umlauf gebracht. Die Kurgäste in den böhmischen Bädern waren natürlich Abnehmer der Bilder, aber sie lassen sich sogar in Skandinavien, Ägypten und Russland nachweisen.

Für die Ausstellung im Wendlinger Rathaus konnten eine Vielzahl dieser Federbilder zusammengetragen werden. Exponate aus dem frühen 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert zeigen einen Querschnitt durch die böhmische Kunstrichtung. Aktuelle Federkunstwerke von Helene Benedikt sowie mexikanische Exponate runden die Ausstellung ab. Ralf Heimrath stellt heraus, dass die Einzigartigkeit der Federbilder als Gegenstände der Volkskunst darin liege, dass man hier eine Genre vorfinde, dessen Entstehung und Entwicklung an einem bestimmten Ort festgemacht und zeitlich eingegrenzt werden kann. Wenn auch Federbilder in Sammlungen und als Handelsware über ganz Westeuropa bis nach Amerika und in den Nahen Osten verstreut auftauchen, so haben sie doch alle einen gemeinsamen Ursprung, nämlich die Stadt Eger, und sie haben einen gemeinsamen Entstehungszeitraum, nämlich das 19. Jahrhundert mit wenigen Jahren davor und danach. Zwischen 1860 und 1870 berichtete der Egerer Archivar Heinrich Gradl in den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen von dem relativ unbedeutenden Geschäftszweig in Bezug auf die Gesamtheit des böhmischen Wirtschaftslebens, jedoch auch wieder von einem bedeutenden, "weil er auf einem einzigen Fleck des ganzen Erdbodens, in der ehemals freien Reichsstadt Eger blüht."

Doch zu jener Zeit war dieser Geschäftszweig schon im Niedergang begriffen, und Schuld daran hatten laut Gradl einerseits die nachlassende Qualität der Waren, andererseits die geänderten "Anforderungen der Zeit", im Klartext also die Kundennachfrage in der Aera der geschmacklichen Umorientierung nach dem Biedermeier und gleichzeitig des aufkommenden Massenbilddrucks. Hier erleidet das Federbild ein ähnliches Schicksal wie andere Bildgattungen, zum Beispiel das Hinterglasbild oder das Haarbild. Die Blütezeit des Federbildes ist genau wie die des Haarbildes sehr eng mit der Epoche des Biedermeier verbunden.

Die Einzigartigkeit des Herstellungsortes ist sicherlich auch entscheidend dafür, dass Federbilder heute im Vergleich zu Hinterglasbildern bei weitem nicht so häufig zu finden sind. Auch sie wurden zwar mit dem Ziel großer Stückzahlen in Arbeitsteilung produziert, doch während es für die Hinterglasbilder eine Fülle von Fabrikationszentren gibt, stammen die Federbilder des 19. Jahrhunderts ausschließlich aus Eger und auch hier waren es deutlich weniger Personen die mit der Herstellung beschäftigt waren, als in den Hinterglaswerkstätten der gleichen Zeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Federbilder gelegentlich zum Gegenstand des Interesses bei Wissenschaftlern und Sammlern sowie in einigen Museen. So nahm sie Heribert Sturm in seine Darstellung der Geschichte der Stadt Eger auf und Claus Nissen berücksichtigte sie in seinem Buch über illustrierte Vogelbilder. Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien gestaltete 1977 eine Ausstellung über alte Volkskunst aus dem Egerland und räumte darin den Federbildern aus der Stadt Eger den, wie Dr. Heimrath betont, gebührenden Platz ein. Das Thema taucht anschließend in Sammlerzeitschriften und kunsthistorischen Journalen vereinzelt auf.

Eine übersichtliche Darstellung bietet der Beitrag des 1904 in Fleißen bei Eger geborenen Joseph Müller aus dem Jahr 1988. Er stellt eine Zusammenfassung des Forschungsstandes her und zeigt in acht Abbildungen aus den Beständen des Egerlandmuseums Marktredwitz, des Österreichischen Volkskundemuseums in Wien, des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und aus Privatbesitz insgesamt zehn ausgewählte und sehr schöne Beispiele dieser einzigartigen Volkskunst.

Gleichzeitig sind in den Vitrinen im Wendlinger Rathaus ausgewählte Exponate aus der Egerländer Heimatstube zu sehen.