Lokales

"Gefühl, nicht willkommen zu sein"

Seit zehn Jahren setzt sich der Verein "Türkisches Volkshaus" in Kirchheim für die interkulturelle Zusammenarbeit ein. Den auf Muslime ausgerichteten Gesinnungstest zur Einbürgerung empfindet er als Skandal und Schlag ins Gesicht der um Integration bemühten Menschen.

KIRCHHEIM "In den letzten Jahren haben wir uns vor allem in Kirchheim und Umgebung sehr um das Zusammenleben Einheimischer und ausländischer Menschen bemüht", sagt der Vorsitzende des Vereins, Hasan Savas. Das "Türkische Volkshaus" beteiligte sich mit verschiedenen kulturellen, sozialen und politischen Angeboten am öffentlichen Leben. "Vor allem im Bereich Integration, Erziehung und Menschenrechte sind wir auf viel Resonanz gestoßen", so Hasan Savas.

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Deshalb ist es für den Vereinsvorsitzenden völlig unverständlich, dass die Landesregierung unter Ministerpräsident Günther Oettinger einen Fragenkatalog zur Einbürgerung erarbeiten ließ, der in der Hauptsache die Gesinnung von muslimischen Ausländern überprüft. "Ich und viele türkische Mitbürger haben dadurch das Gefühl bekommen, wir seien nicht willkommen", sagt Hasan Savas. Eine solche Einstellung fördere die Integration nicht. "Die Fragen pauschalieren und scheren alle Türken über einen Kamm", beschwert sich Savas. "Uns stört, dass so getan wird, als seien wir alle potenzielle Terroristen."

Der Verein "Türkisches Volkshaus" sieht darin eine neue Dimension der Diskriminierung. "Wir Türken müssen durch die Fragen den Eindruck gewinnen, wir seien unzivilisiert und kennen die demokratischen Werte nicht." Wobei Hasan Savas an die Brandanschläge von Solingen, Mölln und Rostock erinnert.

Das "Türkische Volkshaus" kann sich des Eindrucks nicht erwehren, das Land will die Einbürgerung von Muslimen stoppen. "Dann soll die Landesregierung aber auch so ehrlich sein und sagen, wir wollen keine Bürger islamischen Glaubens", sagt Hasan Savas. Mit einem Vorgehen, wie es die baden-württembergische Regierung in ihrer neuen Verwaltungsvorschrift anlegte, könne man keine Parallelgesellschaften aus der Welt schaffen, ist sich Savas sicher. Wer dies wolle, müsse gezielt Sprachförderung, Hilfe bei schulischen Problemen ausländischer Kinder und Jugendlichen, Betreuung bei Ausbildungsplätzen und Qualifizierung ausländischer Arbeiter betreiben.

Das "Türkische Volkshaus" ist überzeugt, dass der Gesinnungstest bei der Einbürgerung gegen das europäische Antidiskriminierungsgesetz verstößt. Deshalb will die Dachorganisation der Migrantenvereine vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Diskriminierung klagen.

KulturabendTrotz gedrückter Stimmung wird sich das "Türkische Volkshaus" Kirchheim das Fest anlässlich des zehnjährigen Bestehens nicht nehmen lassen und lädt alle politischen Parteien, den Integrationsausschuss sowie Freunde des Vereins zum Kulturabend am morgigen Samstag, 28. Januar, um 19 Uhr in die Eduard-Mörike-Halle nach Ötlingen ein. Im Rahmenprogramm werden neben zwei Künstlern aus der Türkei auch lokale Künstler auftreten. Außerdem präsentiert die Volkstanzgruppe aus Stuttgart Folklore pur. Der Abend soll jedoch nicht nur kulturellen Angeboten dienen, sondern neben Köstlichkeiten des Orients auch das Gespräch zwischen den Gästen und den in Kirchheim lebenden Türken fördern.

pm