Lokales

"Gegen aggressive Ausweitung"

Die Nürtinger Verantwortlichen sagen es ganz deutlich: "Es muss Schluss sein mit der aggressiven Ausweitung der Metzinger Fabrikverkäufe beziehungsweise mit immer größerem Angebot für die Firmen." Der "Wahnsinn an Flächenexpansion im Handel muss verhindert werden".

HORST DIENING

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NÜRTINGEN "Was zu viel ist, ist zu viel." Joerg Hauber, Geschäftsführer von der Kaufhaus Hauber GmbH & Co. KG, früher über viele Jahre hinweg Chef des Nürtinger Werberings und vor Jahrzehnten auch Inhaber von Geschäften in Metzingen und in Wendlingen, brachte es in einer CDU-Diskussion auf dem Podium auf den erwähnten Punkt.

Im Panoramasaal der Stadthalle K3N kamen rund einhundert Politiker, Geschäftsleute und sonstige politisch Interessierte zusammen, um über die neueste Situation in Metzingen informiert zu werden. Auf dem "hochkarätig besetzten" Podium begrüßte und moderierte Thaddäus Kunzmann, der als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes eingeladen hatte (Kunzmann ist auch CDU-Kreisvorsitzender und Regionalrat).

Mit Dank besonders willkommen geheißen wurden: aus Metzingen Oberbürgermeister Dieter Hauswirth, Dr. Dieter Gust, Direktor vom Regionalverband Neckar-Alb, Dr. Bernd Steinacher, Direktor vom Verband Region Stuttgart, und Thomas Bopp, Sprecher der CDU im Planungsausschuss des Verbands Region Stuttgart.

Die aktuellste Konstellation in Metzingen sei folgende (OB Hauswirth trug das vor): Man verfüge bereits über 20 000 Quadratmeter Fläche für die Fabrikverkäufe, wollte eigentlich vier neue Projekte hinzufügen, habe sich aber auf zwei geeinigt (eines mit 2500 und das andere mit 2600 Quadratmetern Fläche) und die Zielvorstellung reduziert. Konkret: Rund 25 000 Quadratmeter habe man nach den beabsichtigten Erweiterungen (eine in der Innenstadt, die andere auf dem Lindenplatz), für die derzeit das Raumordnungsverfahren laufe. Im Regierungspräsidium Tübingen werde nun entschieden, was rechtens sei und verwirklicht werden dürfe.

Verbandsdirektor Dr. Gust ergänzte: Die Region Neckar-Alb stehe voll zu den Metzinger Planungen, unterstütze entsprechend die neuesten Erweiterungen, auch wenn es beim Kongruenzgebot Diskrepanzen gebe. Bei diesem Gebot geht es darum, "großflächigen Einzelhandel zu verhindern, der seinen Umsatz zu mehr als 30 Prozent außerhalb des unmittelbaren Einzugsgebiets erzielt". Dr. Gust: Nicht der in Metzingen gut integrierte Handel bilde eine Gefahr für Umsätze im Umland, "sondern die Firmen auf der grünen Wiese".

Der Sprecher der Region Neckar-Alb außerdem und betont: "Wir stehen zum Landesentwicklungsplan und zum Einzelhandelserlass der Landesregierung. Es geht um den Schutz von Ortszentren, und wir unterstützen die Chancen Metzingens. Im Regierungspräsidium ist wohl ein Kompromiss drin."

Beide, sowohl OB Hauswirth als auch Dr. Gust, plädieren für Zusammenarbeit mit anderen Orten; der Handel könne gemeinsame Ziele verfolgen und von Kooperation profitieren. Man könne etwa anstreben, in der Werbung mehrere Orte mit einzubeziehen: Man kann dort ins Museum, hier gut essen (etwa in Neuffen profitiere man davon schon), in jener Stadt oder Gemeinde das oder jenes einkaufen.

In Nürtingen und in der Region Stuttgart (VRS) sieht man die Dinge größtenteils anders: Zwar ist man auch und vor allem für Fairness, Chancengleichheit und Kooperation, wo das möglich ist, aber ansonsten prallten die Meinungen hart auf die Metzinger Vorstellungen und die der Region Neckar-Alb, teilweise frontal.

Ob BM Siebert, Dezernent Hajek, die Branchenkenner Ernst Geil und Frieder Henzler oder Dr. Steinacher und Thomas Bopp: Sie alle beklagten Verstöße in Metzingen gegen Landesentwicklungsplan, Einzelhandelserlass (etwa auch Beeinträchtigungsverbot), oder Kongruenzgebot. Die Nahversorgung sei gefährdet, die Metzinger Entwicklung sei ungünstig für andere Ortskerne. Was in Oberzentren Sinn habe, könne nicht einfach ins Mittelzentrum übernommen werden.

Von "Umkehrung des Rechtsprinzips" war die Rede (Hajek zu D. Gust: "Ich bin sprachlos, wie Sie argumentieren"). Dritte: Man suggeriere günstige Schnäppchen, habe aber überwiegend schon längst keine Fabriken mehr in Metzingen zu den Firmen. In der Aussprache wurden aus dem Publikum die Formulierungen "Betrugspraxis" und "Henkersmentalität" gebraucht. Man "wildere" besonders stark an der Grenze des Kreises Reutlingen zum Kreis Esslingen, gefährde den Handel nicht nur in Nürtingen, sondern auch etwa in Kirchheim; aber ebenso in Tübingen oder Reutlingen. In einem Brief an Wirtschaftsminister Pfister habe man um Hilfe gebeten (Dr. Steinacher). "Der Branchenmix" stimme sonst nicht mehr. Im Regierungspräsidium in Tübingen möge man das beim Entscheid berücksichtigen, wurde akzentuiert.

Resümee: In Nürtingen habe man schon mehrere Arbeitsplätze verloren. Jetzt könne man sich keine weiteren Umsatzverluste erlauben (Hauber). Dazu OB Hauswirth: Es stimme ihn bedenklich, wenn man Zweifel an der Rechtstaatlichkeit des Metzinger Vorgehens habe. So weit solle man nicht gehen. In Metzingen sei alles gewachsen; seit Jahrzehnten.