Lokales

Gegen Ausdehnung

Alle Register zum Schutz des Einzelhandels und der Innenstadt will Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich ziehen, um eine Ausweitung der Fabrikverkaufsfläche in Metzingen zu verhindern.

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NÜRTINGEN Wie Pilze sind die neuen Fabrikverkaufsflächen in den zurückliegenden Jahren rund um den Metzinger Lindenplatz aus dem Boden geschossen. Was vor Jahrzehnten mit "Zweiter Wahl" der Firma Boss begonnen hat, ist zu einem Mekka namhafter Marken-Fabrikverkäufe geworden. Die Holy-Brüder (früher die Bosse bei Boss und jetzt im Immobiliensektor tätig) haben dem Stadtbild ihren Stempel aufgedrückt. Doch damit nicht genug: Um weitere 10 000 Quadratmeter soll in Metzingen die Fabrikverkaufsfläche erweitert werden.

Bei den Kommunen in der Umgebung haben diese Pläne einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Schon Anfang April hat die Stadt Nürtingen eine Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren für vier großflächige Einzelhandelsvorhaben einschließlich Fabrikverkauf in Metzingen abgegeben.

Die Umsatzleistung der Fabrikverkäufe in Metzingen lag einer Untersuchung zufolge im Geschäftsjahr 2003 bei rund 150 Millionen Euro. 147 Millionen Euro entfielen auf den Warenbereich Bekleidung, Schuhe und Sport. Etwa 50 Prozent dieses Umsatzes werden mit Kunden aus den Regionen Stuttgart und Tübingen erwirtschaftet. "Umsatz, der dem Einzelhandel in den Kommunen der Umgebung verloren geht", weiß Otmar Heirich. Das, so der Nürtinger OB, sei kein Gejammer, sondern nachweisbar und unterstreiche die Problematik.

Höchst ärgerlich findet Heirich diese Entwicklung auch vor dem Hintergrund des Landesentwicklungplans 2002, in dem klar festgeschrieben sei, dass die Verkaufsfläche einer Stadt dem Einzugsbereich angepasst sein solle. "Die verbrauchernahe Versorgung der Bevölkerung im Einzugsbereich und die Funktionstüchtigkeit anderer zentraler Orte darf nicht wesentlich beeinträchtigt werden." Ergänzt werden der Landesentwicklungsplan und der Regionalplan durch den Einzelhandels-Erlass aus dem Jahr 2001. Sowohl das "Integrationsgebot" als auch das "Kongruenzgebot" werden missachtet.

"Die geplanten Vorhaben in Metzingen entsprechen nicht den Zielen der Raumordnung und der Landesplanung wie sie im Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg 2002 und im Regionalplan Neckar-Alb 1993 sowie im Einzelhandels-Erlass Baden-Württemberg 2001 fixiert sind", heißt es in der Stellungnahme der Stadt. "Das Land tritt die eigenen Gesetze mit Füßen", hat Otmar Heirich keinerlei Verständnis für die Entwicklung in Metzingen. Nürtingen, so der OB, bemühe sich, die Innenstadt zu stärken und habe deshalb seit Jahren versucht, zentrumsrelevanten Einzelhandel auf der grünen Wiese zu verhindern. Wenn die Fabrikverkaufsfläche in Metzingen weiter ausgedehnt werde, bestehe die Gefahr einer Verödung der Innenstädte.

Nürtingen, so Heirich, habe rund 250 Millionen Euro private und öffentliche Mittel in die Sanierung der Innenstadt investiert. Zum Schutz der Innenstadt und des Einzelhandels müsse man deshalb alle Wege beschreiten, um zu verhindern, dass das Zentrum ausblute. "Wir wollen in unserer Innenstadt pulsierendes Leben und keine leeren Geschäfte!" Der Kunde, so Heirich, könne aber nicht erwarten, hier vor tollen Schaufenstern zu flanieren und dabei anderswo einkaufen. Heirich appelliert deshalb an die Bürger, im Interesse einer lebendigen Stadt auch den Einzelhandel vor Ort zu unterstützen.

Gleichzeitig richtet sich sein Appell an das Regierungspräsidium, die Ausweitung der Fabrikverkaufsfläche in Metzingen nicht zu genehmigen.