Lokales

Gegen den Wettbewerb

Als "kontraproduktiv" für die medizinische Versorgung im Kreis wertet Verdi-Chef Martin Gross das Vorpreschen der Esslinger Klinken nach der "Marktführung" in der Krankenhauslandschaft.

CLAUDIA BITZER

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ESSLINGEN "Es ist jetzt nicht an der Zeit, eine neue Führungs-, sondern eine neue Versorgungsstruktur zu schaffen", kritisiert der Verdi-Geschäftsführer des Bezirks Fils-Neckar-Alb den Esslinger Alleingang. "Der Gemeinderat beschäftigt sich mit der neuen Namensgebung und das Haus brennt", appelliert auch Personalratsvorsitzende Beate Müller an die politisch Verantwortlichen, sich mit der Situation am Esslinger Krankenhaus gründlicher auseinanderzusetzen.

Martin Gross sieht in der angestrebten Vorreiterrolle des neu getauften Klinikums Esslingen "eine hochproblematische Entwicklung für die integrative Gesamtversorgung im Kreis Esslingen". Die Gewerkschaft sei überzeugt davon, dass es trotz Gesundheitsreform nicht zwangsläufig zur Schließung eines Krankenhauses im Kreis kommen müsse. Allerdings nur, wenn sich die politisch Verantwortlichen endlich zu einem Gesamtkonzept für die Kliniken durchringen könnten und man den Mut zur Schwerpunktsetzung habe. Ansonsten befürchtet die Gewerkschaft, dass in diesem "Wettbewerb des gegenseitigen Unterbietens" sowohl die Patienten als auch die Klinik-Beschäftigten den Kürzeren ziehen könnten.

"Fakt ist, dass in unserem Hause eine ziemliche Wettbewerbseuphorie herrscht. Die läuft jedoch ins Leere, wenn die Belegschaft nicht mitzieht", schildert die Esslinger Personalratsvorsitzende Müller die Sorgen der rund 800 betroffenen Klinik-Mitarbeiter, darunter knapp 730 Krankenschwestern. Die Mehrheit wolle die von oben übergestülpte Neuorganisation des Pflege- und Funktionsdiensts sowie der Verwaltung nicht. Damit würden gewachsene Strukturen zerschlagen, ohne die Betroffenen an der Neugestaltung beteiligt zu haben.

Laut Gewerkschaftssekretär Klaus Biener will man in Esslingen unter anderem Stationen und Abteilungen zusammenlegen und Stationsleitungen abschaffen. Dabei befürchtet die Gewerkschaft auch durch die geplante Neuzuordnung der Budgets eine weitere Verlagerung der Kompetenzen und der Finanzhoheit auf die Ärzte zu Lasten des Pflegebereichs. Als positiv hat Beate Müller jedoch das Signal der Geschäftsführung zu weiteren Verhandlungen aufgenommen.