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"Gegessen wurde, was auf den Tisch kam"

Ungewohnte Essensgerüche empfingen die Besucher des Freilichtmuseums in zwei Museumshäusern, Wärme drang aus den Küchen. Wo sonst Schilder Auskunft geben über das Leben vergangener Generationen, führten Museumspädagogen vor, wie die Hausfrauen einst auf den mit Holz beheizten Herdstellen kochten.

UTE FREIER

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BEUREN "Das war die Zeit der Eintöpfe", berichtete Museumspädagogin Heidi Schubert in der rußgeschwärzten, dunklen Küche im so genannten Doster-Haus, dessen Einrichtung der Zeit um 1800 entspricht. "Um Holz zu sparen, kochte man alles in einem Topf." So genügte es, in dem gemauerten Herd unter einer der insgesamt drei Kochstellen das Feuer zu schüren. Doch sowohl das Feuer als auch den Topf musste man ständig im Auge behalten: einen Holzscheit nachlegen, wenn das Feuer auszugehen drohte, im Topf rühren oder ihn von der Herdstelle ziehen, um Anbrennen zu verhindern. Bequemes Herunterschalten der Temperatur, wie heute bei Gas- und Elektroherden, war damals nicht möglich.

So rührte auch Heidi Schubert ständig mit einem Holzlöffel in dem großen Messingtopf, in dem ein dunkler Getreidebrei köchelte: Schwarzes Mus. "Die Getreidekörner, die zur Verfügung standen, Weizen, Dinkel oder Gerste, wurden nach dem Backen in einer Pfanne im noch warmen Backofen geröstet und dann grob gemahlen. Das Rösten gab dem Mehl einen nussigen Geschmack. Aus diesem dunklen Mehl kochte man Brei, entweder nur mit Wasser oder mit Wasser und Fett." Dieser sättigende, nahrhafte Brei kam bereits morgens zum ersten Frühstück auf den Tisch, weil er lange vorhielt, aber auch mittags. "Brot zu backen, war viel aufwändiger und kostete mehr Energie", erklärte Heidi Schubert die Vorzüge des Breis. "Und das Mus aßen alle mit ihren Holzlöffeln aus einem Topf."

Auch die Museumsbesucher konnten sich mit einem Holzlöffel ein "Versucherle" aus dem großen Topf nehmen. "Schwarzes Mus musste ich als Kind immer essen," erinnerte sich eine der Besucherinnen. Eine Vorstellung, die einigen der anwesenden Kindern nicht gefiel, schmeckte ihnen doch nicht einmal die in Milch gekochte und mit Honig gesüßte Variante des dicken, dunklen Breis. "Gegessen wurde, was auf den Tisch kam", so der Kommentar eines älteren Besuchers, "da wurde nicht lange gefragt, ob es auch schmeckt."

Auf mehr Zuspruch stieß die Suppe, die auf dem gusseisernen Herd im einstigen Wohnhaus der Schreinerfamilie Walz brodelte. In der Küche, eingerichtet wie um 1920, bereiteten die Museumspädagogen Mirjam Maus und Wolf Rühle Gemüsebrühe und Flädle zu. "Flädlesuppe gehörte zu jedem Festessen dazu, da wurden die Gäste gleich mal bei der Vorspeise schon satt", informierte Wolf Rühle, während er Pfannkuchen in der Pfanne wendete.

Warm war es in der Küche, denn der Herd beheizte den ganzen Raum. "So einen Herd hat meine Großmutter noch gehabt", erzählte eine der Besucherinnen, "da stand immer eine Emailkanne mit Kaffee darauf." Etwa 45 Minuten vor dem Kochvorgang muss der Herd angeheizt und während des Kochens das Feuer ständig geschürt werden. Holzscheite lagen deshalb immer in einem Korb bereit. "Früher war das Holz holen Aufgabe der Kinder", erklärte Wolf Rühle mit Blick auf die anwesenden Jugendlichen.

Wandelbarer Herd"Im Vergleich zu den einstigen gemauerten Herdstellen wie im Doster-Haus hatte dieser eiserne Herd einen großen Vorteil, er verbrauchte weniger Holz, denn er ist innen mit Schamottsteinen ausgekleidet und speichert dadurch länger die Wärme. Sparherd nannte man deshalb diese Herde", informierte Mirjam Maus, während sie die Pfannkuchen in Streifen schnitt. Weitere Vorteile des Herds erklärte Wolf Rühle: Die Größe der Kochstellen konnte verändert werden, indem man Einsatzringe herausnahm, im "Schiffle", einem in den Herd eingehängten Metallbehälter, wurde ständig Wasser erhitzt, und in der Backröhre konnte gebacken werden. "Man musste nur einen Hebel umlegen. Gebacken hat man abends, da war der Herd schön warm. Und nachts schob man die Glut in einer Ecke zusammen oder legte ein Brikett hinein, das in nasses Zeitungspapier eingewickelt wurde. Dann gab es am Morgen noch Glut, die man durch blasen entfachte. So brauchte man nicht neu anzuzünden." Dass die auf dem Herd gekochten Speisen auch schmeckten, zeigte die rege Nachfrage der Besucher nach der fertigen Flädlesuppe.