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Gegner von China-Importware beißen auf Granit

Das hatte sich Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer sicher einfacher vorgestellt: Mit 145 Euro pro Quadratmeter präsentierte er dem Gemeinderat der Limburgstadt äußerst preisgünstige Granitplatten für die Platzgestaltung neben dem Rathauserweiterungsbau. Doch erst in einer zweiten Abstimmungsrunde erhielt der Schultes eine äußerst knappe Mehrheit für seinen Vorschlag.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Einige Pfützen neben dem neuen Rathaus erinnerten noch an die wohltuend abkühlenden Schauer aus der vorangegangenen Nacht, doch die hochkochende Stimmung im Ratsgremium passte sich eher den erneut hitzigen Temperaturen an.

In seiner Mai-Sitzung hatte der Gemeinderat lediglich den Grundsatzbeschluss gefasst, die "landschaftsgärtnerischen Arbeiten" für den Platz neben dem Neubau, sprich das Verlegen von Platten samt Materialbeschaffung, an die Firma Krug aus Kirchheim zu vergeben. Ob Beton oder Granit dieser Betrieb hatte in allen Fällen die günstigsten Angebote abgegeben und deshalb bereits vorab den Zuschlag erhalten. Keinen Hehl machten Rat und Verwaltung vor drei Wochen aus ihrer Vorliebe für Naturstein; das günstigste Angebot für Granit belief sich jedoch auf die Gesamtsumme von knapp 556 000 Euro auf der Basis eines Quadratmeterpreises von 201 Euro so viel Geld wollte keiner in die Hand nehmen, zumal lediglich 390 000 Euro auf der Basis von Beton eingestellt sind. Stadtbaumeister Roland Rendler versprach, sich erneut auf die Suche nach einem preiswerteren Granit zu machen. Ein Angebot für 170 Euro pro Quadratmeter zu bekommen, erschien dem Fachmann realistisch.

Nun präsentierte Bürgermeister Hermann Bauer dem Gemeinderat in jüngster Sitzung bei einem Vor-Ort-Termin Natursteinplatten für knapp 145 Euro pro Quadratmeter. Samt Unterbau beläuft sich der Preis auf knapp 169 Euro. "Auch die Qualität der acht Zentimeter starken Platten, also die Biege- und Zugfestigkeit stimmt", betonte Hermann Bauer. Selbst Schwerlastverkehr könne darüber rollen, so der Rathauschef.

Punktlandung hin oder her: Für eine ganze Reihe von Stadträten war das Herkunftsland der günstigen Importware der Stein des Anstoßes. "Dass wir hier einen Naturstein verlegen, ist für mich klar, aber keinen aus China. Ich kann das Geschäft dort nicht unterstützen, wenn ich sehe, unter welchen Bedingungen dort gearbeitet wird", sagte beispielsweise Hans-Peter Sindlinger. Indiskutabel war der Verwaltungsvorschlag auch für Martina Herrlinger. Sie wies unter anderem auf Kinderarbeit in Fernost hin; zudem könne sie sich auf dem neuen Platz auch Platten aus Beton vorstellen. Eva Haußmann stieß sich hingegen am Vorgehen der Verwaltung: "Mir würde die Entscheidung leichter fallen, wenn vor einem Jahr schon klar gewesen wäre, dass Beton nur die zweite Wahl ist. Damals hieß es aber, wir können damit leben."

Hermann Bauer verstand indes die Welt nicht mehr. "Die Chinesen fragen uns doch auch nicht, wie unsere Industrie produziert", gab er zu bedenken. In Zeiten der Globalisierung sei es legitim, weltweit nach dem günstigsten Angebot Ausschau zu halten. "Alles andere ist Mittelalter". Die Rathauserweiterung werde ohne Aufnahme von Schulden finanziert, und die Granitplatten kosteten die Stadt lediglich knapp 64 000 Euro mehr als Betonsteine. Und: "Das ist doch kein Hinterhof, sondern ein wichtiger Platz." Zudem greife Salz Granit nicht an, und das Material reinige sich sozusagen von selbst. Dagegen sähe Beton nach kürzester Zeit verheerend aus; er denke da nur an schwarze Kaugummiflecken. Zu guter Letzt verwies Bauer noch auf einen im Jahr 1980 gefällten Grundsatzbeschluss, wonach innerstädtisch Naturstein zu verlegen sei.

Erwartungsgemäß stärkte Architekt Karl-Heinz Single dem Verwaltungschef den Rücken: "Einen so günstigen Stein zu finden ist ein Glücksfall. Mir gefällt auch der Übergang zum Porphyr im übrigen Städtle." Darüber hinaus habe das Gebäude es verdient, dass man sich für Granit entscheidet. Auch Stadtrat Albrecht Narr fürchtete um den Wert des Neubaus mit einem Plattenbelag auf dem vorgelagerten Platz. "Ich akzeptiere die vorgetragenen Bedenken. Aber wir müssen doch auch an uns denken", so Narr. Für Hans Burkhardt wiederum war die Dauerhaftigkeit von Granit das entscheidende Argument. Der günstige Preis erkläre sich in erster Linie mit den niedrigen Löhnen in China, meinte Stadtbaumeister Roland Rendler. "Die arbeiten dort so schlagkräftig, dass das Material in fünf bis sechs Wochen hier ist."

Petra Leusing wehrte sich dagegen, Beton derart schlecht zu reden. "Wir haben hier doch ein modernes, unkonventionelles Sonderbauwerk. Warum soll Beton da nicht passen?" Gerda Schrägle interessierte sich für die Finanzierung: "Wo kommen die 117 000 Euro her, die wir über dem Kostenrahmen liegen? Wir haben die Einnahmen im Haushalt erhöht und die nehmen wir jetzt für die Platzgestaltung." Laut Bürgermeister Bauer soll die Lücke im laufenden und im kommenden Haushalt geschlossen werden. Er wies darüber hinaus auf ein Plus an 300 000 Euro bei der Gewerbesteuer und auf einen um 200 000 Euro verbesserten Rechnungsabschluss 2005 hin.

Wie die Diskussion ahnen ließ, ging die erste Abstimmung mit acht Stimmen für Granit und sieben Gegenstimmen denkbar knapp aus. Den aus China stammenden Naturstein wollten bei acht Enthaltungen jedoch nur sechs Räte im Städtle unter der Limburg haben ratlose Mienen und ein sichtlich verärgerter Rathauschef. "Wenn die Mehrheit für den teureren Belag ist, dann kann das gar nicht akzeptiert werden", meinte Bauer. Auf seinen Vorschlag hin votierten zehn Räte für eine erneute Abstimmungsrunde, in der die Fronten bröckelten: Letztlich bekam der chinesische Granit laut Ausschreibung mit acht zu sieben Stimmen den Zuschlag.