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Gehen, wenn‘s am schönsten ist

Alfred Bidlingmaier war 25 Jahre lang Feuerwehrkommandant von Notzingen

Nach 25 Jahren gibt Alfred Bidlingmaier das Amt des Notzinger Feuerwehrkommandanten an die nächste Generation ab. Bei einem Fest in der Notzinger Gemeindehalle am Samstagabend wurde er für seine ehrenamtliche Arbeit geehrt – mit Grußworten, dem deutschen Feuerwehrkreuz in Gold und dem Titel des Ehrenkommandanten.

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Antje Dörr

Notzingen. „Es gibt viel zu tun – packen wir’s an.“ Das soll der junge Alfred Bidlingmaier gesagt haben, als er mit gerade 23 Jahren zum Feuerwehrkommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Notzingen gewählt wurde. Damals, 1983, durchlebte die Wehr gerade eine Führungskrise. Im Jahr zuvor hätte ein neuer Kommandant gewählt werden sollen, doch keiner wollte das Amt übernehmen. Schließlich erklärte sich Bidlingmaier, der bereits als 11-Jähriger in die Jugendfeuerwehr eingetreten war, zur Kandidatur bereit. „Durch den jugendlichen Elan kam auch frischer Wind in die Feuerwehr“, so Notzingens Bürgermeister Jochen Flogaus in seiner Begrüßungsrede.

Frischen Wind brauchte die Wehr auch, denn sie befand sich 1983 in keinem guten Zustand. Aber mit Bidlingmaier ging es bergauf. In den letzten 25 Jahren sei es ihnen gelungen, die Feuerwehr zu einer „motivierten, gut ausgerüsteten und ausgebildeten Truppe“ zu machen, so Alfred Bidlingmaier stolz. Auch Jochen Flogaus wies darauf hin, „dass unsere Wehr etwas über dem Durchschnitt gut ausgerüstet ist“. Besonders lobte der Bürgermeister Bidlingmaiers zupackende Art, seine Zuverlässigkeit und seine Fähigkeit, zu delegieren. „Sie haben nicht den einsamen Leitwolf gespielt, sondern vorbildlich mit dem Ausschuss und den anderen Führungskräften zusammengearbeitet“, lobte Flogaus.

Dieser Fähigkeit ist es zu verdanken, dass die Notzinger Feuerwehr im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen keine Nachwuchsprobleme kennt. Denn Bidlingmaier war es immer wichtig, „geeignete Führungskräfte“ auszubilden. Bei seinem Nachfolger Benjamin Lay, der am Samstagabend zum neuen Feuerwehrkommandanten ernannt wurde, hatte er „gespürt, dass er für die Position geeignet ist“, und ihn dann gezielt auf das Amt vorbereitet. Auch die neuen Stellvertreter waren schnell gefunden. Sie heißen Ralf Krammer und Jörg Gutekunst und sind beide seit langen Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Beim Spielmannszug gab es ebenfalls einen Führungswechsel. Der bisherige Stabführer Andreas Benedickt übergibt sein Amt nach neun Jahren an Dieter Grolig. Neuer Zugführer wird Rolf Farion.

Damit auch in Zukunft keine Nachwuchsprobleme auftreten, hat Alfred Bidlingmaier vor zwei Jahren ein im Landkreis einzigartiges Projekt ins Leben gerufen: eine Kinderfeuerwehr, die „Little Red Hot Chillies“. Kinder ab sechs Jahren sollen darin spielerisch an das Ehrenamt herangeführt werden. Mit dem Angebot wollen die Notzinger mehr Kinder in die Jugendfeuerwehr, die Vorstufe zur aktiven Wehr, holen. „Denn wenn man erst für 11-jährige Kinder etwas anbietet, sind viele schon in anderen Vereinen“, weiß Bidlingmaier. „Deshalb fangen wir jetzt früher an.“

Die Verantwortung hat Bidlingmaier nun an die Jüngeren abgegeben. Völlig lassen von seiner Feuerwehr will er aber nicht. Er wird sich weiterhin einbringen und zu Einsätzen mit ausrücken. Sein Ehrenamt habe ihn erfüllt, sagt er: „Ich konnte in meiner Gemeinde Menschen helfen, andere motivieren, etwas bewegen und gestalten.“ Dennoch ist er erleichtert, das Amt nun abzugeben. Denn 25 Jahre lang, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr auf Abruf bereit zu stehen und für die Einsätze gesetzlich verantwortlich zu sein, sei auch belastend. „Manchmal kam ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause und habe nur gehofft, dass jetzt kein Einsatz kommt“, erzählt er.

Nun will er sich in seiner Freizeit mehr seiner Familie widmen, die allzu oft zu kurz gekommen sei, und auch seinem großen Hobby, dem Fahrradfahren. Demnächst wird Bidlingmaier aber erst mal abheben. Seine Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr haben ihrem Kommandanten zum Abschied einen Flug mit einem Fesselballon geschenkt – nebst Landeerlaubnis im Wellinger Himmelreich.