Lokales

Gelbe Karte für große und kleine Müllsünder

Schon ein Jahr vor der Fußballweltmeisterschaft gibt's in Kirchheim Gelbe Karten. Die Stadt mahnt damit keineswegs sportliche Fairness an, sondern appelliert ab sofort öffentlichkeitswirksam an das Bewusstsein

der zahlreichen "Müllsünder".

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Dreck in der Stadt erhitzte in der Vergangenheit immer wieder die Gemüter. "Wenn so viele sagen 'uns ist es zu dreckig', dann muss es ein gemeinsames Aufräumen geben", bilanziert Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Neuestes Mosaiksteinchen im Bemühen um ein sauberes Städtle ist ein Bußgeldkatalog, der akribisch Strafen für das Wegwerfen einer Zigarettenkippe, das Ausleeren eines Aschenbechers oder das Hinterlassen einer leeren Dose auflistet. Das alles war natürlich auch bislang nicht erlaubt, wie Ordnungsamtsleiter Johannes Ehni einräumt, ab September wollen die städtischen Ordnungshüter jedoch massiv dagegen vorgehen. Bis dahin gilt Schonfrist: Ab sofort gibt's die Gelbe Karte, die an die Einsicht der Müllsünder appelliert.

Wann immer sie bemerken, dass beispielsweise Zigarettenschachteln achtlos weggeworfen werden, werden Kirchheims Ordnungshüter künftig den "Übeltäter" freundlich in ein Gespräch verwickeln und ihm die Gelbe Karte in die Hand drücken. Allerdings verfolgt das Kärtchen noch ein zweites, viel wichtigeres Anliegen: "Unsere Zielsetzung ist auch, die Zivilcourage der Bürger zu stärken und die Sensibilität in der Bevölkerung zu erhöhen", erzählt Bürgermeister Günter Riemer. Die Stadt will mit den Gelben Karten also auch diejenigen ansprechen, die nichts wegwerfen. Ein wohl durchdachter Schachzug: Allen, die in der Vergangenheit die Vermüllung der Innenstadt beklagt haben, wird der Rücken gestärkt. Die gelben Kärtchen sollen Mut zum Gespräch vermitteln. Wenn Dreck zum Dauerthema wird, könnte sich ein Bewusstseinswandel einstellen, so die Überlegung.

Dass fehlende Kinderstube Geld kostet, ist übrigens nicht nur in Kirchheim der Fall. Zeitgleich führt beispielsweise Filderstadt Bußgelder für kleine und große Müllsünden ein. Besonderen Wert legt man in Kirchheim allerdings auf die Verursacher des Mülls. Vorbild sind Vereinbarungen mit zwei großen Fastfood-Restaurants am Stadtrand, die einmal täglich selbst in einem genau definierten Umkreis ihrem eigenen Verpackungsmüll zu Leibe rücken. Auch in der Innenstadt ist künftig jeder, der Verpackungsmaterial wie Pappteller oder Plastikbecher ausgibt, dazu verpflichtet, sich im Umkreis von 50 Meter seiner Verkaufsstelle um die Beseitigung dieser Abfälle zu kümmern.

Obwohl wohl niemand etwas gegen Sauberkeit an sich hat, gibt es auch Kritiker des Bußgeldkatalogs. "Hier handelt es sich keineswegs um eine zusätzliche Einnahmequelle der Stadt", verweist Matt-Heidecker all jene Behauptungen ins Reich der Legende, wonach die Stadt durch derlei Maßnahmen Haushaltslöcher stopfen wolle.

Der Bußgeldkatalog wurde anlässlich der Überarbeitung der neuen Polizeiverordnung vom Kirchheimer Gemeinderat mit großer Mehrheit abgesegnet (wir berichteten). Im Jahr zuvor hatte das Gremium dem Ansinnen der Verwaltung eine Abfuhr erteilt, über eine Gesamtkonzeption mit intensiver aber auch kostspieliger Öffentlichkeits-Arbeit dem Dreck in Kirchheim den Kampf anzusagen.

Geblieben ist im Wesentlichen ein dreiteiliges Rumpfprogramm: Im Frühling fand bereits eine Markungsputzete statt, die künftig alljährlich wiederholt werden soll. Jetzt folgte der Bußgeldkatalog, dessen Einhaltung beispielsweise durch die Aufstellung neuer Hundetoiletten erleichtert wird. Mit der Umsetzung des Beleuchtungskonzepts soll über neue Mülleimer, möglicherweise mit integrierten Aschenbechern, nachgedacht werden.

Das Problem gewerbsmäßigen Bettelns will die Stadt über eine Allgemeinverfügung in den Griff bekommen, die einen sofortigen Platzverweis ermöglicht.

Blick in die BußgeldtabelleZigarettenkippe, Kaugummi

10 EuroZigarettenschachtel

20 EuroAusgeleerter Aschenbecher

30 EuroObst- und Lebensmittelreste

10 EuroVerpackungen

25 EuroDose/Flasche

25 EuroHundehaufen

25 EuroSonstige Müllsünden

10 50 Euro