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Geld für kulturelle und soziale Projekte

Vier Projekte unterstützt die Bürgerstiftung Kirchheim in diesem Jahr: Die dahinterstehenden Institutionen sind in der Teckstadt allesamt Garanten für nachhaltige Ideen: Der Verein Bürgerbüro, der club bastion, der Arbeitskreis Museumspädagogik sowie das Jugendhaus Linde.

ANKE KIRSAMMER

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KIRCHHEIM Rund 20 000 Euro fließen in diesem Jahr in vier Projekte, die gestern im Kirchheimer Rathaus vorgestellt wurden. "Das Geld soll eine Anschubfinanzierung darstellen", erklärte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker dazu. Insgesamt beträgt das Vermögen des Stiftungsfonds rund 550 000 Euro. "Seit 2001 wurden insgesamt 163 000 Euro ausgeschüttet", so Kämmerer Herbert Sedlaczek-Kohl. Jedes Jahr wurden damit jeweils mehrere Vorhaben unterstützt. "Projekte auf sozialem, kulturellem oder sportlichem Gebiet, von denen wir hoffen, dass sie erfolgreich umgesetzt werden", sagte die Rathauschefin.

"40 Jahre Bastion", so könnte die Überschrift über dem ersten "Projekt" lauten. Der runde Geburtstag ist für den Club Grund, ein noch umfangreicheres und anspruchsvolleres Programm auf die Beine zu stellen als sonst. Fulminant ist der Verein im Januar bereits gestartet: "An Frank Muschalle und Axel Zwingenberger, Chris Farlowe und die Hamburg Blues Band hätten wir uns sonst wohl gar nicht rangewagt", sagte Vorstands- und Ausschussmitglied Martin Mauser. Aus dem Topf der Bürgerstiftung fließen 8000 Euro an den Verein. Eine Kultnacht auf dem Rollschuhplatz unter dem Titel "40 Jahre club bastion" ist für Freitag, 27. Juni, einen Tag vor Beginn des Haft- ond Hoka-Feschts, geplant. Mit "The Rattles" und "The Sweet" konnten die Programmgestalter zwei Kultbands der 1960er- beziehungsweise 1970er-Jahre verpflichten. Dabei kündigte Martin Mauser das "eigentliche Jubiläumsprogramm" erst für die zweite Jahreshälfte an: Ein Highlight wird eine Ausstellung im Kornhaus vom 20. Juli bis 12. September zum Thema "Die 68er und die Folgen" sein. Angedacht ist, die Finnissage im Kornhaus eventuell mit einem Umzug in die Bastion zu verbinden. Vom 12. bis 14. September, genau 40 Jahre nach der Gründung, soll ein Festwochenende steigen. Für Oktober bis Dezember sind schließlich "geballt Veranstaltungen geplant", für die auch etwas kostspieligere Akteure verpflichtet werden sollen. "Wir denken auch an Musiker, die Ende der 60er, Anfang der 70er bereits in der Bastion aufgetreten sind und ihr Niveau bis heute gehalten haben", so Martin Mauser. Am 8. November wird das Domizil des Clubs für einen weiteren Abend verlassen: Mit den "Fertigen Fingern" treten zehn Zauberkünstler aus ganz Deutschland in der Stadthalle auf.

Ebenfalls eine Finanzspritze von 8000 Euro erhält ein neues Angebot des Kirchheimer Bürgerbüros: das im November vergangenen Jahres angelaufene Projekt "Leihoma/Leihopa". Es wendet sich vorrangig an Ehepaare mit Kindern, deren Großeltern nicht in der Nähe wohnen. "Das Projekt bringt kein Geld ein", machte die Vorsitzende des Vereins, Marlies Hinderer, klar. Für die Vermittlung wurde Christiane Hanke für 15 Stunden pro Woche als Fachkraft eingestellt. Die Hälfte der Lohnkosten bezahlt das Bürgerbüro, die andere Hälfte schießt ein Jahr lang das Arbeitsamt zu. Erreichbar ist Christiane Hanke dienstags von 16 bis 18 Uhr im Bürgerbüro unter der Nummer 0 70 21/4 77 46, sonst unter 0 70 21/28 59. "Meine Hauptaufgabe ist derzeit, Omas und Opas zu suchen", erklärte die Fachkraft. Anfragen von Familien gibt es aus Kirchheim genauso wie aus Owen, Weilheim, oder Köngen. Die Gründe, warum die "Großeltern" angefragt werden, sind ganz unterschiedlich: Sei es, dass die Eltern sich regelmäßig einen Kinoabend gönnen, die Mutter von drei Kindern das Jüngste von Zeit zu Zeit abgeben möchte, um mit den älteren Sprösslingen etwas zu unternehmen in den ersten zehn Wochen hat die Fachkraft bereits sieben "Omas" und "Opas" in Familien vermittelt. Auch wenn ihre Arbeit zeitintensiv ist Christiane Hanke ist überzeugt davon, dass sie für jeden "Topf" einen "Deckel" findet. Wenn Familien mit vier bis sechs Kindern allerdings eine "Ersatzoma" suchen, was offenbar nicht selten der Fall ist, muss die Fachkraft passen: "Da kann ich keine Senioren hinschicken."

Der Arbeitskreis Museumspädagogik möchte mithilfe der Unterstützung in Höhe von 3000 Euro durch die Bürgerstiftung neben seinen bisherigen Aktivitäten wie offenen Angeboten für Kinder und Jugendliche oder für Familien künftig kostenlose Aktivitäten für Schulen von der zweiten bis zur fünften Klasse und für Kindergärten organisieren. "Wir wollen dabei auf individuelle Wünsche eingehen", sagte Bernd Neugebauer, Mitglied im Arbeitskreis. Mögliche Themen wären beispielsweise "Rulaman, der Steinzeitheld", "Alemannen in Kirchheim" oder "Der große Stadtbrand". Der ehemalige Rektor könnte sich vorstellen, Museumsbesuche mit einem Stadtrundgang und dem Blick vom Martinskirchturm zu verbinden. Interessenten können ihn telefonisch unter 0 70 21/4 60 44 erreichen. "Wir müssen uns mehr an das Museum anlehnen und es als einen lebendigen Ort darstellen", so Neugebauer. Für die weitere Zukunft regte er einen Museumsbeirat, einen Museumsshop oder ein -cafe an "das Museum als Servicestation für den Bürger, in der Geschichte erlebbar werden kann".

Wie die Diplom-Sozialarbeiterin Peggy Stier darlegte, möchte das Jugendhaus Linde mit dem ihr zugedachten Geld von knapp 820 Euro einMedienprojekt starten. "Es geht unter anderem darum, die soziale Kompetenz Jugendlicher zu stärken," so die pädagogische Mitarbeiterin. Die Gesellschaft biete zum einen immer weniger Sicherheit, zum anderen gestalteten sich Übergänge in andere Lebensphasen immer schwieriger, so die Suche nach einem Ausbildungsplatz. Schlagworte wie Kritikfähigkeit, Selbst- und Fremdwahrnehmung spielten eine immer größere Rolle. Hier setzt das Projekt an, das sich an Jugendliche ab 13 Jahren richtet und von Sozialpädagogen begleitet wird. Mit ins Boot geholt werden sollen außerdem Ruheständler, die wiederum fachliche Kompetenz im Umgang mit neuen Medien erwerben können. Eine Videokamera für Rollenspiele, die die Selbstreflexion der Jugendlichen erleichtern sollen, wurde bereits angeschafft.