Lokales

Geld spielt keine Rolle

Erster „Kirchheimer Marktplatz für gute Geschäfte“ in der Kreissparkasse

Beim ersten „Kirchheimer Marktplatz für gute Geschäfte“ im Foyer der Kreissparkasse war Geld absolut tabu. Stattdessen trafen sich Vertreter von Unternehmen und gemeinnützigen Einrichtungen, um Vereinbarungen miteinander zu treffen. Die Währungen: Sachleistungen, Zeit, Arbeitskraft und Kompetenz.

Gute Geschäfte: Im Foyer der Kreissparkasse ging es ausnahmsweise nicht um Geld. Die Währungen, mit denen gehandelt wurde, laute
Gute Geschäfte: Im Foyer der Kreissparkasse ging es ausnahmsweise nicht um Geld. Die Währungen, mit denen gehandelt wurde, lauteten Sachleistungen, Zeit, Arbeitskraft und Kompetenz.Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Was sich der „Aktionskreis für Menschen mit und ohne Behinderung“ (AKB) vom ersten „Kirchheimer Marktplatz für gute Geschäfte“ erhofft, sieht man auf einen Blick. Auf gelben Leinentaschen, die die Ehrenamtlichen über der Schulter tragen, steht in schwarzen Lettern: „Wir suchen: Layout & Druck“ und „Kleinbus für Wochenendfreizeit“. Am Ende hatten sie zwar keinen Kleinbus gefunden, dafür aber ein professionelles Layout für ihre Zeitschrift – das „Barackenblättle“. „Im Gegenzug helfen wir dem Unternehmer beim Umzug“, sagte Thomas Mailänder vom AKB.

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Genau das sei das Prinzip des Marktplatzes, der unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker stand: „Unternehmen, die sich engagieren wollen, und gemeinnützige Organisationen, die immer irgendwelche Wünsche haben, zusammenzubringen“, so Martin Haible, einer der drei Hauptverantwortlichen. Mit Unterstützung von City Ring und dem Bund der Selbständigen (BDS) hatten die Organisatoren 29 Unternehmen gewonnen, die bei diesem ersten Kirchheimer Marktplatz Sachleistungen, Zeit, Arbeitskraft und Kompetenz anboten. 22 Organisationen nahmen diese Leistungen an und hatten ihrerseits Dankeschön-Angebote vorbereitet. Die wichtigste Regel des Abends lautete: „Die Frage nach Geld, nach finanzieller Unterstützung, ist absolut tabu“, so Martin Haible.

Der Gongschlag läutete den Beginn der Verhandlungen ein. In den vier Handelsecken, die mit den Titeln „Sachmittel & Logistik“, „Engagement & Zeit“, „Kompetenzen & Know-how“ sowie „Marketing & PR, Computer & Internet“ überschrieben waren, liefen nonstop Gespräche. Waren sie erfolgreich, wurden Kooperationsvereinbarungen unterschrieben. Am Ende sollten es 89 sein, „deutlich mehr, als wir uns bei größtem Optimismus erhofft hatten“, so Martin Haible.

Emsig unterwegs waren beispielsweise Jutta Ziller und Anja Hezinger vom Mehrgenerationenhaus Linde in Kirchheim. Dank des Marktplatzes für gute Geschäfte bekommen sie demnächst Hilfe bei der Planung und Gestaltung des Linde-Gartens, neue Schreibtische und Stühle, einen Banner für die Außenfassade des Hauses sowie einen VW-Bus für zwei Fahrten. Sie revanchieren sich mit Anzeigen im Programmheft, einem Knigge-Seminar für Azubis, Plätzen im Kinderferienprogramm und Kinderschminken. „Für uns hat es sich gelohnt. Wir sind hoch zufrieden“, so das Fazit der Linde-Mitarbeiterinnen.

Martin Haible hat schon die Idee für das nächste Projekt. Dieses Mal könnte es darum gehen, gemeinnützigen Organisationen Lagerraum zu verschaffen. „Es gibt Unternehmen, die Möbel aus Haushaltsauflösungen Spenden können. Organisationen wie der AK Asyl sind darauf dringend angewiesen, haben aber keinen Platz, sie zu lagern“, erklärt Martin Haible. Wann ein solches Projekt starten könnte, steht allerdings noch nicht fest. Sicher ist schon heute: Der Kirchheimer Marktplatz für gute Geschäfte war so erfolgreich, dass es eine zweite Runde geben wird.

Teilen statt besitzen

Mit dem „Kirchheimer Marktplatz für gute Geschäfte“ haben die Macher den Nerv der Zeit getroffen. Längst setzen viele Menschen darauf, Dinge mit anderen zu teilen. Oder sie zu nutzen, anstatt sie zu besitzen. Sei es beim Carsharing, auf Musikplattformen wie „Spotify“ oder beim Übernachtungsportal „Airbnb“. „Share Economy“ heißt dieses Prinzip. Es geht davon aus, dass sich der Wohlstand für alle erhöht, wenn untereinander geteilt wird. Genau das ist beim „Marktplatz für gute Geschäfte“ geschehen. Unternehmen stellen die Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter für Projekte gemeinnütziger Organisationen zur Verfügung. Oder verleihen den Firmentransporter, der sonntags ohnehin ungenutzt auf dem Parkplatz herumstehen würde. Die Organisationen investieren Zeit, indem sie beim nächsten Firmenfest Kinderschminken anbieten, oder revanchieren sich, indem sie Plätze im Kinderferienprogramm der Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Alle profitieren. Und das, ohne dafür einen Cent bezahlt zu haben.ANTJE DÖRR