Lokales

Gelungene Demonstration verschiedener Rettungsmethoden

Als Objekt ihrer Hauptübung hatte sich die Freiwillige Feuerwehr Weilheim die neue Grundschule im Bildungszentrum Wühle ausgesucht.

ANNA ROSS

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WEILHEIM

Ein Brand im Bereich der Gänge im oberen Stockwerk habe durch starke Rauchentwicklung eine vierte Klasse in ihrem Zimmer sowie weitere Kinder im Gruppenraum des oberen Stockwerks vom Fluchtweg über das Treppenhaus abgeschnitten. Eine erste Klasse im Erdgeschoss könne das Gebäude noch durch den Haupteingang verlassen. So weit die Annahme für die Schauübung an der neuen Grundschule im Bildungszentrum Wühle. Der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr Weilheim, Norbert Wahl, wies gleich zu Beginn darauf hin, dass man "mit Absicht kein grausames Szenario, sondern einen ganz normalen Schulhausbrand" angenommen habe, wie er jederzeit vorkommen könne.

Eine Nebelmaschine erzeugte künstlich Rauch, der im Gegensatz zu dem im Ernstfall entstehenden nicht gesundheitsschädlich ist. Effektvoll qualmte es dann auch gehörig aus einem Fenster im oberen Stock der neuen Grundschule. Ein Schüler alarmierte mit dem Handy die Feuerwehr. Bereits wenige Minuten später befanden sich die ersten Fahrzeuge vor Ort. Während die Wasserversorgung aufgebaut wurde, verschaffte sich Einsatzleiter Wolfgang Pfauth einen Überblick über die Lage. Etwas später erschienen auch die DRK-Bereitschaft Weilheim sowie weitere Einsatzwägen.

Mögliche Bedenken über die Verzögerung und doch verhältnismäßig lange Dauer des Einsatzes ließ Norbert Wahl, Kommandant der FFW Weilheim, gar nicht erst aufkommen. Die Übung, so Wahl, habe man zu Veranschaulichungszwecken "bewusst zeitlich auseinandergezogen". Darüber hinaus sei eine doppelte Sicherung der zu Rettenden vorgeschrieben, die im Zeitdruck des Ernstfalls nicht erfolgen würde.

Das Hauptaugenmerk der Zuschauer lag auf dem vorderen Bereich der Schule, wo mithilfe einer Anhängeleiter die in ihrem Klassenzimmer "eingeschlossenen" Viertklässler und dann auch Rektor Christian Birzele-Unger unter Applaus der Zuschauer aus dem oberen Stockwerk abgeseilt wurden. Das Aufstellen dieser Anhängeleiter "ist Handarbeit und eine ziemliche Kunst", wie Kommandant Wahl den zahlreich erschienenen Zuschauern erklärte. "Man muss die Sache beherzt und ruhig angehen, damit die Leiter später nicht wackelt". Auch der sich innerhalb von 30 Sekunden selbst aufblasende "Sprungretter" zog viele faszinierte Blicke auf sich. Das große Luftkissen würde im Ernstfall Kindern wie Erwachsenen eine weiche und sichere Landung bieten. Da ein gewisses Verletzungsrisiko trotzdem nicht auszuschließen ist, darf der Sprungretter im Übungseinsatz nur mit einem Dummy demonstriert werden. Als dritten Rettungsweg nutzte die Weilheimer Feuerwehr, die laut Kommandant Wahl "weniger personalintensiven" Steckleitern. Auf Grund der spannenden "Abseilaktionen" beinahe unbemerkt führte ein weiterer Trupp im Kellerbereich über die Außentreppe einen "Innenangriff mit Personensuche" durch.

Fabian Zettl, 14 Jahre und seit einem halben Jahr Mitglied bei der Jugendfeuerwehr, posierte als Verletzter im Untergeschoss. Er habe durch laute Schreie auf sich aufmerksam gemacht und sei dann von den Kameraden mithilfe einer Bahre zum Sammelplatz des DRK getragen worden. Dort hatten Mitglieder der Bereitschaft Weilheim bereits die Versorgung der Geretteten gesichert und auf Grund des Regens sogar ein Zelt aufgebaut. Dafür erntete der DRK viel Lob seitens des Bissinger Feuerwehrkommandanten Karl Weil: "Der Verbandsplatz war optimal angelegt".

Bei der anschließenden Manöverkritik äußerten sich alle Anwesenden positiv über den Einsatz. Bürgermeister Hermann Bauer zeigte sich überzeugt, dass die Weilheimer Feuerwehr "wenn es gilt, ihrer Aufgabe voll und ganz gerecht wird". Darüber hinaus wies er darauf hin, dass "die neue Grundschule feuerwehrtechnisch sicherer ist als die alte an der Bissinger Straße". Viel Platz, gute Zufahrtsmöglichkeiten sowie der Balkon vor den Fenstern im oberen Stock und das Dach der Eingangshalle auch Kommandant Weil bezeichnete die Bauweise der Grundschule im Bildungszentrum Wühle als "ideal".

Rektor Christian Birzele-Unger war nach eigenen Angaben beeindruckt von der "perfekten Vorbereitung der Feuerwehr Weilheim". Sie habe eindrucksvoll verschiedene Rettungsvarianten demonstriert. Im Vorfeld habe sie durch ihre Brandschutzerziehung Lehrer wie Kinder gut auf die Übung vorbereitet. Birzele-Unger schätzte die Übung als eine überaus wertvolle Erfahrung, da Probleme ganz klar zu Tage traten. So müssten die Kinder lernen, "die Anweisungen von Lehrern und Rettungspersonal besser zu befolgen": Ein Kind hatte sich nach dem Abseilen anstatt wie geheißen zum Verbandsplatz kurzerhand "zur Mama begeben".

Auch Karl Weil beurteilte den Einsatz überaus positiv. Der Kommandant der Bissinger Feuerwehr bezeichnete die Weilheimer Wehr als "gut ausgebildet und ausgerüstet". Bei der Übung sei sie mit viel Ruhe vorgegangen. Auch Weil lobte die eindrucksvolle Demonstration verschiedener Rettungsmethoden. Praktisch einziger Kritikpunkt war die Absperrung der Straßen. Sie müsse weiträumiger erfolgen, um im Ernstfall ein Zuparken zu verhindern, wie Kommandant Weil anmerkte. Abschließend meinte er jedoch zufrieden: "Wir können stolz sein auf den Stützpunkt Weilheim".