Lokales

Gemeinde verzichtet auf Zuschuss

Der Neidlinger Gemeinderat lehnt den Bau eines zweiten Friedhofszugangs mit großer Mehrheit ab

„So viele?“, fragte Neidlingens Bürgermeister Rolf Kammerlander erstaunt. Dass es für sein Projekt „Abbruch Kirchstraße 52 und zweiter Friedhofszugang“ im Gemeinderat einigen Widerstand gab, wusste er. Dass am Ende nur die Gemeinderätin Pet­ra Feller (NWV) zustimmte, war dann doch überraschend.

Neidlingen. Irgendwann muss das alte Wohnhaus in der Kirchstraße 52 abgerissen werden. Es lässt sich nicht mehr sanieren, taugt derzeit nur noch als Domizil für die Ratten. Das Grundstück wurde 2007 von der Gemeinde erworben, sie ist daher für den Abriss zuständig. Wollte sie das Grundstück wieder verkaufen, sollte es ebenfalls besser unbebaut sein. Eigentlich hatte Kammerlander anderes vor, doch der Gemeinderat lehnte sein Projekt nun mit neun Gegenstimmen ab. Nur Feller und Kammerlander selbst stimmten zu.

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Bereits vor der Sommerpause stand die Kirchstraße 52 auf der Tagesordnung, damals wurde die Entscheidung vom Gemeinderat vertagt. Im Raum standen zwei Varianten: Die Gemeinde lässt das Wohnhaus abreißen, die 45 000 Euro zahlt sie alleine. Oder die Gemeinde baut zugleich eine zweite Zufahrt zum Friedhof und sechs Parkplätze. Mit der neuen Zufahrt wäre auch eine mögliche Bebauung in der zweiten Reihe der Kirchstraße erschlossen. Dieses Gesamtprojekt würde als Wohnumfeldverbesserung gelten. Daher bekäme die Gemeinde rund 40 Prozent der geschätzten Gesamtkosten von 140 000 Euro als Zuschuss aus dem „Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR)“. Das wären seit dem Jahr 2004 die ersten ELR-Mittel für Neidlingen. Bei der zweiten Variante würde die Gemeinde zwar rund das Doppelte als für den reinen Abbruch ausgeben – aber auch deutlich mehr bekommen. Die zweite Zufahrt zum Friedhof könnte sich bei weiteren Baumaßnahmen als sehr nützlich erweisen.

„Der Zuschuss ist ein ordentliches Sümmchen, auf das ich ungern verzichten möchte“, warb Kammerlander nun erneut um Zustimmung. „Wir brauchen den Zuschuss nicht mit Gewalt“, widersprach Uli Hepperle (WUB). „Die Erschließung ist zu teuer, lassen wir das Ganze wie es ist.“ Das Geld reiche nicht für den großen Wurf, befand auch Klaus Däschler (NWV). Er empfahl, das Grundstück wieder zu verkaufen. Auch Simone Hepperle (NWV) riet vom Gesamtprojekt ab. Das Geld könne für Wichtigeres eingesetzt werden.

Angesichts der großen Ablehnung machte Feller einen Kompromissvorschlag: Der Gemeinderat sollte jetzt nur den Abriss beschließen. Später könne die Gemeinde dann entscheiden, ob sie es dabei belasse und den Abbruch selbst bezahle, oder ob sie das Gesamtprojekt wolle und dafür den bereits bewilligten Zuschuss abrufe. Durch den Abbruch steige der Wert des Grundstücks, argumentierte die Architektin. Werde bis 30. September kein Auftrag vergeben, sei der Zuschuss definitiv weg.

Das ist nun, nach der eindeutigen Ablehnung des Gemeinderats, der Fall. Da auch der Kompromissvorschlag keine Zustimmung fand, passiert nun vorläufig gar nichts. Kammerlander sieht darin ein Problem, und zwar im Kontakt mit anderen Eigentümern baufälliger Gebäude: „Es ist schwer, den Leuten zu sagen, guck mal nach deinem Zeug, wenn die Gemeinde nicht nach ihrem eigenen schaut.“ Ob Kammerlander tatsächlich recht hat, wenn er in einigen Jahren den Satz „hätten wir es doch gemacht“ kommen sieht, wird die Zukunft zeigen.