Lokales

Gemeinderat führt Debatte zur Überbrückung

Der alte Dettinger Ortskern und der Guckenrain sind durch schwer zu überwindende Hindernisse voneinander getrennt: sowohl durch die Eisenbahnlinie als auch durch die Bundesstraße 465. Wieder einmal erörterte der Gemeinderat ebenso ausführlich wie kontrovers die Möglichkeit, einen Steg zwischen Bahnhof und "Unteren Wiesen" zu bauen.

ANDREAS VOLZDETTINGEN Die Argumente, die für eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke sprechen, liegen klar auf der Hand: Es würde ein sicherer Überweg entstehen, der im Hinblick auf die kommende Verbundschule des Landkreises, auf die potenzielle neue Grundschule der Gemeinde sowie auf ein angedachtes Wohngebiet nördlich des Schul- und Sportzentrums wünschenswert wäre. Bei den Befürwortern der Steglösung stand die vorhandene Unterführung im Mittelpunkt der Kritik. Sie sei zu unsicher, hieß es. Jüngere Schüler trauten sich oft nicht, die Unterführung zu benutzen. Ähnliches gelte auch für Erwachsene und ältere Mitbürger. Außerdem sei der Weg durch die Unterführung stellenweise zu steil und folglich nicht behindertengerecht. Der 3,50 Meter breite Steg wird deshalb als Alternative begrüßt, bei der die genannten Probleme nicht mehr auftauchen sollen.

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Die Gegner des Brückenbaus beriefen sich hauptsächlich auf zwei Argumente, die Dr. Werner Hack (FWG) als erster in die Diskussion einbrachte: "Zurzeit haben wir keinen Bedarf beziehungsweise kein Geld. Außerdem suchen sich die Schüler ihre eigenen Verbindungen." Letzteres bezog sich auf die vielfach geäußerte Befürchtung, der Steg werde eventuell von der Bevölkerung gar nicht angenommen. Was die genauen Kosten betrifft, musste der Gemeinderat ins Blaue hinein diskutieren. Vorgestellt wurden zunächst einmal nur drei denkbare Varianten einer Steganbindung, die das Stuttgarter Büro Zoll erarbeitet hatte. Um eine aussagekräftige Kostenberechnung zu bekommen, müsste jetzt ein spezieller Brückenplaner die Varianten fachmännisch unter die Lupe nehmen.

Die drei Möglichkeiten, Schienen und Bundesstraße zu überbrücken, unterscheiden sich zunächst darin, dass bei Variante 1 (Süd) der Aufgang zum Steg spiralförmig im Süden des Bahnhofs erfolgen würde. Bei den beiden anderen Möglichkeiten (Mitte und Nord) ist an Rampen nördlich des Bahnhofs gedacht. Variante 2 (Mitte) sieht zusätzlich eine Treppe vor, die direkt zum Bahnhof führt, während die Rampe weiter nördlich enden würde. Bei Variante 3 (Nord) würde sich die Rampe direkt an den Bahnhof anschließen. Die Kosten können bislang nur im Vergleich der Varianten betrachtet werden. Am teuersten sind die eigentlichen Brückenteile. Beim Modell "Mitte" wäre der Steg selbst am kürzesten, weswegen diese Variante die kostengünstigste sein dürfte.

Stadtplaner Peter Zoll sah beim südlichen Aufgang zudem die Schwierigkeit, dass sich die ovale Windung nicht zweckmäßig in die umgebende Bebauung einpassen ließe. Dennoch hat der Gemeinderat beschlossen, für die Varianten "Süd" und "Mitte" das Angebot eines Brückenplaners zur Kostenuntersuchung einzuholen. Eine Entscheidung für oder gegen den Steg ist damit noch lange nicht gefallen. Allerdings sprachen sich einige Ratsmitglieder für die Devise "Alles oder nichts" aus, so zum Beispiel Johannes Stulz (CDU/FWV): "Ohne den Steg zu bauen, sollte man auch den Bahnhofsvorplatz nicht richten."

Bürgermeister Rainer Haußmann hatte nämlich einleitend auf die "Chance" verwiesen, mit Zuschüssen aus dem Landessanierungsprogramm und nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sowohl den Bahnhofsvorplatz umzugestalten als auch den neuen Überweg zu erstellen. Außerdem ließe sich der vierspurige Ausbau der B 465 mit der Gesamtmaßnahme verbinden, die Haußmann zufolge schon im Jahr 2007 verwirklicht werden könnte.